Marion Krüger-Hundrup

Wenn einer der letzten Zeitzeugen turbulenter Jahre sagt: "Die heutigen Jugendlichen müssten provokativer, kritischer sein, aktiver in das kirchliche Geschehen eingreifen", dann wird das nicht jeder auf dem Domberg gerne hören wollen. Doch dieser Zeitzeuge, Prälat Alois Albrecht (81) dürfte sich darum nicht scheren. Der einstige Diözesanjugendseelsorger (1965 bis 1972) weiß aber um eine wesentliche Voraussetzung für jugendliches Engagement in der Kirche: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte!"
So titelt auch eines der Neuen Geistlichen Lieder (NGL), die Albrecht in den 1970er, 1980er Jahren geschrieben hat und die noch heute im gesamten deutschsprachigen Raum gesungen werden. Diese Begeisterung galt in den 1968er Jahren allerdings mehr den Auswüchsen studentischer Revolution: "Die hat den Großteil der kirchlichen Jugendarbeit zerstört!" beklagt Prälat Albrecht rückblickend. Die Auflehnung gegen alles Althergebrachte in Kirche, Gemeinde und Politik habe die Gespräche, Diskussionen, Konferenzen durchsetzt, die Planungen und die Struktur der Jugendverbände beeinflusst. "Die Jugendlichen verweigerten sich normalen Messen und Gottesdienstformen."


Jugendverbände verboten

Diese aufgeregten und aufgewühlten Jahre erlebte Jupp Schneider nur noch am Rande mit. Joseph "Jupp" Schneider - dieser charismatische, mutige und zuletzt eigensinnige Priester, dessen Name untrennbar mit der Gründungsgeschichte des Erzbischöflichen Jugendamtes in der Kleberstraße und des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) verknüpft ist. Die Nationalsozialisten hatten alle katholischen Jugendverbände verboten und aufgelöst. Vor diesem Hintergrund richtete Erzbischof Jakobus von Hauck 1937 in Bamberg ein kirchliches Jugendamt ein - gemäß der "Richtlinien für die katholische Jugendseelsorge", die die deutschen Bischöfe 1936 erlassen hatten. Erzbischof Hauck ernannte Jupp Schneider, bis dahin Kaplan an St. Martin, zum Leiter des neuen Erzbischöflichen Jugendamtes und zum Diözesanjugendseelsorger.
Schneider entwarf ein einfaches Arbeitsprogramm für die Pfarrei-, Dekanats- und Diözesanebene, das von den NS-Machthabern nicht so leicht gestört werden konnte. Dennoch wurde er durch die Gestapo überwacht und mehrmals durch sie verhört. Der Jugendseelsorger ließ sich nicht beirren: Im Rahmen des Möglichen sammelte er die katholische Jugend, die auf ihre Weise dem NS-Regime die fromme Stirn bot. Schneider zur Seite stand Frau Toni Müller, die 1938 die Leitung der Mädchenarbeit in der Erzdiözese übernommen hatte.


Für Heimatlose

An Bestehendes anknüpfen und Neues schaffen - so lässt sich die Situation der katholischen Jugendarbeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs charakterisieren. Erzbischof Joseph Otto Kolb zeigte sich weitsichtig und pachtete 1946 die an sich am Kriegsende unbrauchbar gemachte Burg Feuerstein für die Jugend. Das Gemäuer wurde von Heimat-, eltern- und arbeitslosen Jugendlichen hergerichtet: Jupp Schneider organisierte. Und prägte das Motto der Burg Feuerstein als Anziehungspunkt für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum heutigen Tag: "Aus aller Enge in die Freiheit Christi."
Die verschiedenen Verbände nahmen nach 1945 wieder ihre Arbeit auf. Unter Mitwirkung von Bamberger Vertretern wurde 1947 in Hardehausen bei Paderborn der BDKJ als "Einheit in Vielfalt", als Dachorganisation für die verschiedenen Jugendverbände gegründet. Am BDKJ im Erzbistum Bamberg - formal gegründet 1949 bei einer Tagung in Nürnberg - bauten Jupp Schneider und der Diözesanjugendführer Emil Kemmer (später Bundestagsabgeordneter und Bamberger Landrat) oder etwa Toni Müller mit.
Hilfe für Notleidende in Deutschland wie in der Welt sah der BDKJ schon früh als seine Aufgabe an. So gab es Aufrufe, Kommunionkinder in der Diaspora oder Flüchtlingsfamilien in den deutschen Lagern zu unterstützen. Seit 1961 steht der BDKJ gemeinsam mit dem Päpstlichen Missionswerk der Kinder für die Sternsinger-Aktion Dreikönigssingen. Ein "Dauerbrenner", der fest in den Pfarrgemeinden auch des Erzbistums Bamberg verankert ist.
"Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung sind die Themen, die den BDKJ, junge Leute überhaupt, in unseren Zeiten umtreiben", erklärt der scheidende Diözesanjugendpfarrer Detlef Pötzl. Themen, die in Verbindung mit dem Glauben angesprochen und behandelt werden. Fairer Handel und kritischer Konsum, Umwelt, Partizipation am gesellschaftlichen und politischen Leben, Spiritualität, internationale Partnerschaft und mehr sind die Themenkomplexe, auf die das Jugendamt und der BDKJ mit ausgefeilten Programmangeboten reagieren.
Der Senior der Diözesanjugendseelsorge, Prälat Alois Albrecht, würdigt durchaus die aktuelle Arbeit der heutigen Verantwortlichen: "Wer drin ist, gibt sich größte Mühe und ist stark engagiert", freut er sich. Gibt aber auch einen weisen Rat: "Verheddert euch nicht im Organisatorischen. Gott und Christus haben ersten Rang!"