Unter normalen Umständen würden in dieser Woche die Johannisfeuer gen Himmel lodern. War dies früher direkt am Patronatsfest Johannes des Täufers, am 24. Juni, so verlegt man sie heutzutage meist auf das nächstliegende Wochenende.

Das Johannisfest war ein Höhepunkt im Jahreslauf. Hans Gebhardt hat das Prozedere in Hannberg im Jahr 1926 notiert: Eifrig bekümmerte sich auch hier die männliche Schuljugend um die Ausführung. Da der Johannitag kein Feiertag mehr war, wurde dazu der folgende Sonntag verwendet. Am Nachmittag gegen 16 Uhr wurde ein Handwagen requiriert, die kleineren und weniger kecken Bürschlein der Unter- und Mittelklasse mussten ihn ziehen. Die größeren Knaben gingen voraus.

Früher waren es nur drei, einer von ihnen trug ein geschmücktes Birkenbäumchen. Die Papierbänder stammten entweder noch von der Erlanger Pfingstkirchweih (das heißt der Bergkirchweih) oder wurden in Kairlindach geholt. Da die Orte des Seebachgrundes zu klein waren, um allein das Material für ein "richtiges" Hannesfeuer zu liefern, wurde an den Vortagen im Wald dürres Holz gesammelt. Dahin ging zuerst der Zug, um das Gesammelte einzufahren.

Dann bewegte sich der Trupp von Hof zu Hof. Die vorausgehenden Sammler mit der Birke sangen ihre Heischelieder. Angesichts der großen Vorbilder brüllten die am Wagen zerrenden kleineren "Zugochsen" kräftig mit.

Die Sammlerverse machten zuerst mit dem Zweck der Sammlung bekannt und forderten dann zur Abgabe des Tributs auf. Damit verbunden war eine Drohung bei Verweigerung.

In Hannberg lautete der Text: "Bäuerla, Bäuerla, übern Grobn! Holz woll'n mer zammatrogn! 's Holz is ja net teier, kost ja nur an Dreier! Bauer, häng dein Pudl o, dass er mich net beißn ko! Beißt er mich, so straf ich dich, um a Bündela Reisich!"

Meist hatten die Hofbewohner den Tribut schon bereitgelegt, ein bis zwei Reisigbündel oder ebenso viele lange Scheite. Nur wenige Bauern im ganzen Grunde verweigerten ihn. Es waren alle Jahre dieselben. Ihnen wurde der Sammelvers besonders kräftig vorgeblökt, damit sie sich grün und blau ärgerten.

Sprung über die Glut

Auf einem abgemähten Kleeacker außerhalb des Dorfes wurde das Holz gesammelt und hoch aufgeschichtet. Oben darauf kam das Birkenbäumchen. Bei Eintritt der Dunkelheit wurde dann der Holzhaufen unter großem Hallo an mehreren Stellen in Brand gesetzt, und im ganzen Seebachgrund sah man nun die Feuer auflodern. Unterdessen hatten sich verschiedene neugierige Erwachsene aus dem Dorf eingefunden. War das Feuer ziemlich abgebrannt, dann versuchten die anwesenden Burschen und Knaben den rauchenden und glimmenden Haufen zu überspringen. Wer hineintrat, hatte das Gespött aller Anwesenden zu ertragen.

Etwas abweichend davon sind die Aufzeichnungen von Johann Baier, der den Sammelspruch für das Johannisfeuer aus Hesselberg bei Hannberg 1924 niederschrieb: Am Sonntag vor dem Johannistag wurden nachmittags in Hesselberg drei Knaben aus der obersten Schulklasse zur Vorbereitung des Johannisfeuers ausgewählt. Diese drei gingen am Johannistag um 13 Uhr nach Kairlindach, um beim Spezereihändler Rütl farbige Bänder einzukaufen. Damit putzten sie ein am Heimweg abgeschnittenes Birkenbäumchen. In Hesselberg schloss sich ihnen die ganze Schuljugend an. Einer der drei Knaben trug dabei das Bäumchen voraus. Unter Absingen folgenden Sammelspruches ging es von Haus zu Haus: "Geht zam, geht zam! Wir sen drei Knobn; Wir wolln a Scheitla Holz zamtrogn. Für unser ganzes Feuerlein, so gebt uns auch ein Steuerlein. Hoch, hoch Nikolaus! Werf die Stum zum Fenster naus!

Holz raus! Holz raus! Oder mir schlong a Loch ins Haus! Niemand is do drinna, Ober die Holzecken wern mer finna. Holz raus! Holz raus! Oder mir schlong a Loch ins Haus!

Sen mer übers Gärtla ganga, es Gärtla is verschlossen, der Schlüssel is zerbrochen. Wenn soll mer wieder kumma? Wenns Korn tief ist, wenn die Milch süß ist, wenn die Mukeli tanzen, to mer alla pflanzen. Bauer häng dein Pudl o, dass er mi net beißen ko; beißt er mi, so straf ich di, umra Bindela Reisi, auf dein Pudl sch... i."

Jeder Hausbesitzer gab dann wenigstens ein Bündel Reisig. Kaum einer versagte diese Gabe. Denn wer es verweigerte, dem wurden zwei gestohlen. Abends um 21 Uhr wurde dann unter großem Jubel das Feuer abgebrannt. Das Feuer markierte den Wendepunkt bei der Tageslänge, es ging nunmehr zwar langsam, aber stetig "rückwärts".