Die "Zukunftswerkstatt", ein Projekt des Landkreises Kulmbach, hat bayernweit für Aufsehen gesorgt. Das betonte Bürgermeister Siegfried Decker (NG) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Und mehr noch: Wegen seiner Attraktivität und Akzeptanz habe es bereits hohe Auszeichnungen erhalten. Jetzt will aber auch die Gemeinde Neuenmarkt profitieren.
Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler stellte dem Gremium die Ergebnisse der Neuenmarkter "Zukunftswerkstatt" vor, und manch einer staunte nicht schlecht, welche Wünsche die Jugendlichen haben.
Am 23. September 2016 hatten sich Ziegler zufolge die jungen Leute aus Neuenmarkt und Wirsberg in der Dreifach-Turnhalle getroffen und tolle Vorschläge, aber auch einige verrückte Ideen wie einen Hundebadetag oder ein Nachtfahrverbot von Traktoren erarbeitet.
Wie Bürgermeister Siegfried Decker feststellte, liefen Kinder und Jugendliche in der Gemeinde Neuenmarkt nicht unter "Sonstiges". Deshalb sei man sehr aufgeschlossen für das Projekt gewesen. Ziel sei auch gewesen, mit den Jugendlichen wieder einmal aktuell ins Gespräch zu kommen. "Wir wollten erfahren, wie sie über ihre Heimatgemeinde denken und wo sie der Schuh drückt", so Decker, der seinem Wirsberger Bürgermeisterkollegen Hermann Anselstetter dankte, auf dessen Initiative die gemeinsame "Zukunftswerkstatt" durchgeführt worden sei.
Jürgen Ziegler verwies darauf, dass die Auswertung der Ergebnisse getrennt nach beiden Gemeinden und auch nach zwei Altersgruppen erfolgt sei. Die "Zukunftswerkstatt" bezeichnete er als eine aktive Bürgerbeteiligung: "Es wird immer wichtiger, junge Leute für die Heimat zu begeistern. Wir von der kommunalen Jugendarbeit wollen bei der Umsetzung der Ergebnisse helfen." Wichtig sei jetzt, die realistischen Ergebnisse von den unrealistischen zu trennen.


Vier große Bereiche

Zu folgenden Themenbereichen wurden laut Jürgen Ziegler Vorschläge, Wünsche, Erwartungen und Hinweise erarbeitet:
 "Reiß ab, bau auf - Plane Deine Heimat neu";
 "In & Out - Gestalte Deine Freizeit";
 "That's my life - So ist meine Situation" und
 "Wenn ich König/in wäre, dann ..."
Gefragt wurde beispielsweise, was an Gebäuden, Infrastruktur oder räumlichen Angeboten verändert oder verbessert werden sollte. Da wurden viele Wünsche vorgebracht: ein Nachtkiosk, eine Eisdiele, eine Diskothek, ein Kletterpark und - in Neuenmarkt - ein Schwimmbad.
Beim Themenbereich "In & Out" waren die Freizeitangebote ein Thema. Der Schwerpunkt richtete sich dabei nicht primär auf Gebäude, sondern auf Vereinsangebote und sonstige Veranstaltungen. "In" waren ein Fitnessstudio, eine Bowlingbahn, Frauenfußball, ein Kinderbürgermeister, Autorennen durch Neuenmarkt oder mehr Sportstunden in der Schule. "Out" waren "Keine Vereine ohne Fußball", "Pokémon go" und "Wegen der Kirche früh aufstehen".
Schließlich wurden im Themenbereich "That's my life" Schule, Ausbildung und Beruf hinterfragt sowie die persönliche Zukunft thematisiert. Was gefiel, waren die gute Bahnverbindung und die großen Sportbereiche an der Schule. Weniger gut kamen die Bahnunterführung und der Bahnhof selber an.


Gemeinsame Landjugend?

Wichtig war auch die Frage nach gemeinsamen Aktionen beider Gemeinden. Hier wurde der Wunsch nach der Gründung einer Landjugend wiederholt geäußert. Jürgen Ziegler: "Um die Nachhaltigkeit der Zukunftswerkstatt zu gewährleisten, ist es erforderlich, dass die Ergebnisse in den politischen Gremien beraten werden. Ebenso ist die Rückkoppelung der Ergebnisse an die Zielgruppe wichtig, realisierbare Vorschläge müssen diskutiert werden."
Es liege nunmehr in der Hand der Verantwortlichen in beiden Gemeinden, die erarbeiteten Ergebnisse zu beraten und, soweit es sinnvoll und möglich ist, diese auch umzusetzen. "Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben mit viel Engagement, Ideenreichtum und Heimatverbundenheit gute Ideen formuliert. Dieses Engagement verdient es hinreichend gewürdigt und umgesetzt zu werden", schloss Ziegler.
Bürgermeister Siegfried Decker sah viele Impulse für die Gemeinde und den Gemeinderat: "Es geht auch darum, in kleinen Schritten zu ermitteln, was den Jugendlichen am Herzen liegt."
Sowohl Klaus Zahner (FW) als auch Jugendsprecher Nino Richter (NG) machten deutlich, dass die Ergebnisse im Gremium sorgfältig erörtert werden müssen. "Es wäre fatal, wenn nichts passiert", sagte Zahner. Und Nino Richter meinte: "Wir müssen der Jugend vermitteln, dass wir sie ernst nehmen und die Ergebnisse weiter verfolgen."