Noch immer sorgt der Borkenkäfer dafür, dass große Mengen Fichten aus den Wäldern entfernt werden müssen. Geht es dabei um beliebte Naherholungsgebiete reagieren Naturbesucher oft sensibel. Nach dem Neustadter Muppberg und der Einberger Schweiz ist jetzt der Lauterberg betroffen. Die Trockenjahre 2018 bis 2020 machen sich in den Fichtenwäldern der DBU-Naturerbefläche deutlich bemerkbar: Auf rund 13 Hektar hat der Fichtenborkenkäfer gebrütet und lässt die von der Dürre geschwächten Nadelhölzer absterben.

"Damit der Käfer sich nicht weiter ausbreiten kann, fällen wir kranke und sterbende Fichten auf großer Fläche und entnehmen sie aus dem Wald. Das wird die Landschaft am Lauterberg stark verändern, ist aber zum Schutz der benachbarten Wälder notwendig", sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Besucherinnen und Besucher der Fläche müssen sich ab der kommenden Woche auf Holzerntemaschinen, kurzzeitige Wegsperrungen und Wegeschäden einstellen. Seit 2010 ist die DBU Naturerbe Eigentümerin der rund 187 Hektar großen DBU-Naturerbefläche. Jahrzehntelang nutzte der Bundesgrenzschutz den Lauterberg als Übungsgelände, heute ist er als Teil des Nationalen Naturerbes dem Naturschutz gewidmet. "Auf unseren 71 DBU-Naturerbeflächen in zehn Bundesländern wollen wir artenarme Nadelbestände zu naturnahen Laubmischwäldern entwickeln. Am Lauterberg müssen wir jetzt der gesetzlich geforderten Bekämpfung des Fichtenborkenkäfers nachkommen", sagt Belting. Die DBU Naturerbe sei sich der Verantwortung als Flächeneigentümerin bewusst und nehme Rücksicht auf die benachbarten Waldbesitzer - egal ob Wirtschaftswald oder Naturschutzgebiet.

In Auftrag der Stiftungstochter wird der Bundesforstbetrieb Reußenberg in den kommenden drei Wochen die Maßnahme umsetzen. Doch trotz des umfangreichen Eingriffs achten die Förster darauf, möglichst viele Gehölze ohne Nadeln und Rinde als Totholzinseln stehen zu lassen. Diese Bäume eignen sich für den Käfer nicht mehr als Brutstätte und stellen keine Gefahr für eine weitere Ausbreitung des Schädlings dar. Das Totholz biete aber über Jahre zahlreichen Vogel- und andern Insektenarten sowie Pilzen eine Nahrungsquelle und einen wertvollen Lebensraum. Beim Zerfall des Holzes entstehe zudem Humus - eine Starthilfe für eine neue Waldgeneration.

"Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren: Bei großer Hitze und fehlendem Wasser stoßen die Abwehrkräfte vieler gestresster Bäume an ihre Grenzen. Selbst ein einzelnes niederschlagsreiches Jahr wie 2021 vermag daran erst einmal wenig zu ändern. Der Borkenkäfer hat nun vor allem bei geschwächten Nadelhölzern ein leichtes Spiel", erklärt Michael Diekamp, Leiter Betriebsmanagement im DBU Naturerbe.

"Nach den Forstarbeiten wird die Landschaft hier deutlich verändert sein. Das mag zunächst merkwürdig aussehen. Es wachsen aber junge Laubbäume nach - je nach Standort Eberesche, Eiche, Buche oder Ahorn", sagt Diekamp. Der Wald werde mit verschiedenen Baumarten stärker durchmischt und entwickle sich weg von den anfälligen monotonen Beständen einer Altersklasse. So entwickele sich ein stabilerer natürlicher Laubmischwald, der dann langfristig sich selbst überlassen wird. red