Michael Memmel

Kundenfreundlichkeit. Mit diesem Wort werben viele Unternehmen - und lassen sie im Alltag dann doch vermissen. Wie es auch gehen kann, habe ich kürzlich in einem großen Supermarkt am Bamberger Stadtrand erlebt.
Genau 20 Uhr zeigte meine Uhr, als ich auf den dortigen Parkplatz einbog. Es war mal wieder ein langer Arbeitstag - für mich genauso wie für die Mitarbeiter des Supermarkts. Um abends nicht auf dem Trockenen zu sitzen, wollte ich noch zwei Wasserkästen abgeben und zwei neue kaufen. Doch nun war ich zu spät dran, die absolut ausreichende Öffnungszeit gerade abgelaufen. Ich versuche trotzdem mein Glück - und habe Erfolg: An der Leergut-Annahme werden meine Kästen grummelnd in Empfang genommen und danach der Eingang für diesen Tag verschlossen. Jetzt werde ich dreist und dringe noch in den eigentlichen Supermarkt vor. Die Lage scheint hoffnungslos: Die Rollos sind schon halb unten, die Dame an der Information signalisiert eindeutig "Feierabend". Ich lege alles in einen Hundeblick und flehe: "Ich brauche nur zwei Kästen Wasser." Und siehe da: Sie winkt mich doch noch durch. Und als ich eine Minute später hilfesuchend in der Getränkeabteilung nach dem richtigen Mineralwasser suche, zeigt sie mir sogar noch, wo ich es finde.
Es ist 20.08 Uhr, als ich - nicht als letzter Kunde - die Kasse hinter mir lasse. Selten haben mich zwei Kästen Wasser so froh gemacht. Ja, so geht Kundenfreundlichkeit. Einfach mal ein Auge zudrücken. In diesen Supermarkt komme ich gerne wieder. Das nächste Mal auch deutlich vor 20 Uhr. Großes Kundenehrenwort!