Der Vorhang fällt. Alexander Tröger ist soeben gestorben. Es ist vorbei. Blutverschmiert und schnellen Schrittes macht er sich auf in die Umkleide. Noch immer trägt er die Unruhe in sich, spürt er das Adrenalin - dort, in der Mitte seiner Brust - und nur langsam scheint es den Körper verlassen zu wollen. Erst nach einer heißen Dusche, mit der er nicht nur das künstliche Blut und die Schminke loswird, sondern auch die Last des Auftritts, ist er wieder im Hier und Jetzt.
Alexander Tröger wirkt erschöpft und zugleich glücklich. "Eine solche Inszenierung zehrt an den Kräften. Man verausgabt sich total", erzählt er mit leiser Stimme. Es ist die Inszenierung von Hebbels Nibelungen, Kriemhilds Rache, an deren Ende niemand überlebt. Auch nicht Gernot, den Alexander Tröger in diesem Stück verkörpert.
"Manchmal trifft man sich im Anschluss noch mit Kollegen auf ein Bier und lässt den Abend Revue passieren." Ob der Abend gut war oder nicht? So kurz nach dem Auftritt kann er diese Frage nicht beantworten: "Häufig ist es konträr zum eigenen Empfinden; man denkt, man war besonders schlecht, dabei haben es Publikum und Kollegen ganz anders empfunden", weiß der Schauspieler.
Bühnenerfahrung hat der 1989 in Rothenburg o. d. Tauber geborene Alexander Tröger schon in der Kindheit sammeln können: in Musicals oder in der Theater AG. Ziemlich schnell stand fest, dass die Bühne sein Zuhause bleiben sollte. Zuallererst in Form von Tanz und Musik, worin er in Hamburg eine Ausbildung als Bühnendarsteller abschloss. Anschließend entschloss er sich, den Weg als Schauspieler einzuschlagen und begann 2011 ein Studium am Mozarteum Salzburg, das er 2015 erfolgreich beendete.


Andere Menschen berühren

"Schauspiel durch Wort und Handlung hat mich mehr berührt als der Showcharakter des Musicals. Vieles hat dort keine Begründung, keine emotionale Anbindung. Und ebenso wie ich es war, wollte und will ich auf der Bühne als Schauspieler andere Menschen berühren", begründet Alexander Tröger seine Entscheidung.
Eine Entscheidung, die ihn, den gebürtigen Mittelfranken, wieder gen Heimat brachte, nach Bamberg. "Das tolle daran ist, dass man jetzt der Familie zeigen kann, was man macht. Alle kommen zu den Premieren und schauen sich das Ergebnis an", freut er sich. Alexander Tröger sieht sein Engagement am E.T.A.-Hoffmann-Theater als Möglichkeit, um Erfahrung durch Spielpraxis zu sammeln, um von den Älteren zu lernen. Denn Tröger ist jung, scheint aber bereits mit Mitte zwanzig Realist genug, um einschätzen zu können, dass die erste Station eines Schauspielers selten auch die letzte bleibt. In Bamberg will er sich entwickeln, und versucht, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.
Eine Alternative, die er neben der Theaterschauspielerei vorantreiben möchte, ist die Arbeit vor der Kamera: "Das Schöne am Medium Film ist die wesentlich sensiblere Darstellung. Man spielt - im Vergleich zum Theater - reduziert", erzählt Alexander Tröger. Auf der Theaterbühne hingegen sei das Gespielte oft überzeichnet. "Das muss sein, man steht ja vor 400 Zuschauer und nicht nur vor dieser einen Kamera". Drehen durfte er schon für das ZDF, übernahm vergangenen Sommer im Krimi "SOKO Leipzig" eine Rolle.
Aber hier, in Bamberg, gibt es derzeit genug zu tun: So arbeitet er unermüdlich an seiner nächsten Rolle in Wüllenwebers "Auf Eis". Alexander Tröger erweckt den Eindruck, trotz oder eben genau wegen der vielen Arbeit angekommen zu sein: "Es gibt kein schöneres Gefühl, wie wenn du als Schauspieler gewollt bist". Dieses Gefühl scheint er am E.T.A.-Hoffmann-Theater zu haben.