Familie und Beruf unter einen Hut bringen und für Bildungsgerechtigkeit sorgen, das soll mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung gewährleistet werden. So sieht es die Bundesregierung vor. Doch für die Nachmittagsbetreuung sind die Kommunen zuständig, weshalb sich Neunkirchen am Brand bereits vor dem Neubau der Grundschule intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Doch wie soll diese vollumfängliche Kinderbetreuung aussehen? Drei Varianten gibt es dazu, wobei das Modellprojekt Kooperative Ganztagsbildung (KGB) präferiert wird. Bürgermeister Martin Walz (CSU) erläuterte die drei Varianten, die sich auch im Haushalt auswirken werden.

So hat Neunkirchen die Möglichkeit, das bisherige System beizubehalten. Dann sind die Kinder im Hort untergebracht oder in der Offenen Ganztagesbetreuung (OGTS). Eine Ferienbetreuung und das Ferienprogramm gibt es auch. Oder es werden in Zukunft alle Kinder über die OGTS versorgt. Bevorzugt würde aber das neue Modellprojekt KGB, für das Bürgermeister Walz einen Grundsatzbeschluss möchte.

Mit dem KGB werden alle Betreuungsangebote, die derzeit parallel laufen, räumlich, personell und organisatorisch verzahnt werden - in der neuen Grundschule unter einer Trägerschaft. Im Prinzip wäre es ein Kombimodell aus Schule und Jugendhilfe, aufgebaut auf einer staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft in pädagogischer, finanzieller und organisatorischer Hinsicht.

Die Eltern haben die Garantie für einen Ganztagesplatz bis 18 Uhr samt Ferienbetreuung, aber flexible Buchungszeiten. Die Mindestbuchungszeit entfällt. Finanziert wird das über das bayerisches Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (Kibig). Elternbeiträge werden erhoben, allerdings wird das aufgrund des Modellcharakters höher gefördert. Mit dem Modell könnte die Gemeinde 80 Prozent der Kinder auch am Nachmittag versorgen.

Wie stark die Nachfrage sein wird, ist noch nicht klar. "Momentan sind es deutlich weniger", sagte Walz. Er erläutert den Vorteil der KGB: "Wir können große Teile des Horts mit der OGTS zusammenbringen, aus beiden das Beste herausholen und können viel selbst gestalten."

Schon jetzt werde in der OGTS viel mit den Vereinen gearbeitet. Das würde beibehalten werden, aber in Partnerschaft mit der Diakonie. Durch mehr Betreuer für die Kinder entstehen der Gemeinde jährlich Mehrkosten in Höhe von 200 000 Euro, bei der jetzigen Kinderzahl von 178. Allerdings möchte Martin Walz das nicht als Mehrkosten bezeichnen: Die Kosten würden ohnehin steigen. Einstimmig wurde beschlossen, dass die neue Grundschule Modellprojekt wird.