A m kommenden Sonntag stellen im Evangelium die Pharisäer Jesus die Frage: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht? Und Jesus antwortet: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!
Es geht nicht darum sich zwischen Gott und dem Kaiser, zwischen Staat und Religion zu entscheiden, auch wenn manche das meinen. Die Frage kann nicht lauten Kaiser oder Gott, denn Gott und Kaiser sind nicht ebenbürtig. Vielmehr ist Gott, ist seine Gerechtigkeit die erste und entscheidende Instanz, an die sich Christen orientieren sollen. Wer an Gott festhält, kann dem Kaiser geben, was diesem gehört. Christsein heißt nicht, sich auf das Geistige und Mystische zu konzentrieren, und schon gar nicht, sich auf fromme Selbstbespiegelung zurückzuziehen. Jesus macht deutlich, mein Leben in der Gesellschaft und meine religiöse Überzeugungen müssen ein Ganzes ergeben.
Christsein heißt: im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott die Verantwortung für die Welt, die Verantwortung für den anderen Menschen ernst zu nehmen. Und das in den verschiedensten Spielarten, die unsere Gesellschaft und unser Leben heute zulässt.
Für mich ist dieser Gedanke deshalb so wichtig und aktuell, weil ich den Eindruck habe, dass sich gerade heute vor allem junge, religiöse Menschen eher in eine andere Richtung bewegen. Sie ziehen sich in spirituelle Kuschelecken, ins Private zurück. Immer stärker scheint mir, dass in ihrem Denken, sich zu engagieren in Staat, Gesellschaft und Politik, nichts mit ihrem Christsein zu tun hat.
Ich bin davon überzeugt, dass Jesus mich aufgrund seiner frohen Botschaft immer wieder auffordert, mich einzusetzen für eine gerechte Welt, Sorge zu tragen ja sogar zu streiten, dass Menschen aufhören, die Würde anderer Menschen zu verletzen, dass der Mensch dem anderen zum Mitmensch, dass das Reich Gottes bei uns lebendig wird.
Ich kann als Christ nicht daneben stehen, wenn neben mir die Weichen für die Zukunft gestellt werden, wenn über das Schicksal von Menschen entschieden wird, wenn da einige bewusst mit der Angst vor Flüchtlingen, vor Überfremdung (82,8 Millionen Einwohner, davon 1,5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland) agieren.
Wenn in Deutschland die Reichen immer reicher werden und da geht es nicht um Neid, sondern um Gerechtigkeit und das Wohlergehen unserer Gesellschaft. Wenn eine Reform der Rente aufgeschoben wird, die dringend notwendig ist. Christsein heißt, sich einsetzen für Gerechtigkeit und der Würde des Menschen. Und das ist dringend notwendig, wenn wir die Entwicklungen bei den Wahlen in Deutschland und Europa betrachten. Setzen wir uns ein!

(Rudi Reinhart ist Gemeindereferent sowie Betriebs- und Altenheimseelsorger)