Stephan Herbert Fuchs

Einen "Blick durchs Schlüsselloch in Richtung Zukunft der Landwirtschaft" haben alle Redner beim Kulmbacher Landfrauentag am Sonntagnachmittag in Stadtsteinach gewagt. Kreisbäuerin Beate Opel und der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel bedauerten dabei, dass die Landwirte längst nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft stehen, sondern an den Rand gedrängt wurden.

"Früher war die Landwirtschaft etwas Besonderes, heute kritisiert man nur noch an uns herum", sagte Beate Opel. Martin Schöffel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist, sah aber auch eine Trendumkehr in vielen Bereichen. Die Corona-Krise als auch der Krieg in der Ukraine hätten gezeigt, wie wichtig eine zuverlässige Versorgung mit gesunder Ernährung im eigenen Land ist. "Es muss jetzt jedem bewusst werden, dass wir eine leistungsfähige Landwirtschaft brauchen", so Schöffel.

Schöffel zählte mehrere Megatrends auf, die alle mit dem bäuerlichen Berufsstand in Verbindung stehen. Der Trend zu einem gesunden Leben etwa, der ohne Bauern nicht zu verwirklichen sei. Nicht umsonst seien überall neue Hofläden oder andere Vermarktungsformen entstanden.

Eine Trendumkehr

Viele Megatrends hätten sich aber auch längst umgekehrt. Etwa der Trend zur Urbanisierung. Ein Blick auf die zurückliegenden beiden Jahre zeigt, dass wieder mehr Menschen aus Großstädten und Ballungsräumen weggezogen als zugezogen seien. "Das Leben auf dem Land wird durchaus wieder als wertvoll angesehen. Gleiches treffe auf den Trend zur Globalisierung zu. So habe der Verbraucher erkennen müssen, dass insbesondere Nahrungsmittel aus dem Ausland eben nicht unbegrenzt verfügbar seien. "Es muss jedem bewusst werden, dass wir unseren hohen Selbstversorgungsgrad nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen."

"Nachhaltigkeit und Ernährungssicherheit sind durch den Krieg und durch Corona wieder in den Focus gerückt", so Kreisbäuerin Beate Opel. Der ländliche Raum biete viele Vorteile, die gelte es nach außen verstärkt darzustellen, dann werde auch die Bedeutung der Landwirtschaft für unsere Gesellschaft wieder mehr erkannt, sagte Landrat Klaus Peter Söllner.