Einwohner aus dem Weismainer Ortsteil Frankenberg haben sich im Büro von Elektrikermeister Pankraz Herold versammelt. Gebannt blicken sie auf einen Bildschirm. Sein Freund Wolfgang Arneth nimmt die Maustaste in die Hand, klickt auf die Schaltfläche "Speedtest starten" und der blaue Balken schnellt nach oben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Download-Geschwindigkeit beträgt gerade einmal 982 Kilobit pro Sekunde. "Eine Katastrophe ist das - wir haben hier noch nicht einmal ein Megabit", rauft sich der 53-Jährige frustriert die Haare. Nicht besser ergeht es vielen anderen Bürgern in dem rund 50 Einwohner zählenden Dorf. Mit Geschwindigkeiten zwischen knapp unter einem und maximal vier Megabit wird hier noch im Schneckentempo gesurft.
"Wenn ich für meinen Mehrfachantrag, mit dem ich Zuschüsse abrufe, in der Geodatenbank Flurstücke vermessen muss, dann muss ich um vier oder um fünf Uhr in der Frühe aufstehen, um reibungslos surfen zu können. Am Sonntagabend, wenn alle online sind, stürze ich nämlich regelmäßig ab", klagt Landwirt Berthold Jakob. Jeder hier im Ort weiß ein Lied vom langsamen Internet zu singen.
Dabei wäre es doch so einfach, den Ort an das schnelle Internet anzuschließen, finden die Bürger aus Frankenberg. "Über das vorhandene Leerrohr, das bei der Sanierung des Frangabärche Bergs, der Ortsverbindungsstraße von Frankenberg nach Schammendorf, in weiser Voraussicht mit verlegt wurde, könnte man Glasfaserkabel bis zu einem Umsetzer im Ort verlegen, um von dort weiter die einzelnen Haushalte mit Kupfer zu versorgen. Dann würden wir bis zu 30 Megabit surfen, was vollkommen ausreichend wäre", spricht Arneth allen aus der Seele.
Die Stadt Weismain hatte jedoch eine andere Vorgehensweise gewählt - zum Missfallen der Frankenberger. In der vergangenen Stadtratssitzung wurde ihnen lediglich eine marginale Verbesserung auf sechs bis sieben Megabit versprochen. Nach einem Jahr sollte dann in einem zweiten Schritt über das Bundesprogramm eine Verbesserung auf 50 Megabit erzielt werden. Nach Ansicht der Bürger sollten alle Ortsteile gleichbehandelt werden. "Aufgrund unserer immer noch sehr angespannten Haushaltslage, der Größe des Stadtgebietes und der Vielzahl an Ortsteilen waren wir gezwungen, das Projekt Weismain Individuell, zu dem auch Frankenberg zählt, in zwei Schritten durchzuführen. In einem Schritt lässt sich in Weismain keine einheitliche Bandbreite erzielen. Das wurde auch immer so nach draußen kommuniziert", widerspricht Bürgermeister Udo Dauer im Gespräch mit unserer Zeitung.
Zu allem Überfluss legte sich auch noch die Telekom quer. Diese machte einen Rückzieher bei der ursprünglich geplanten Umbaumaßnahme des Kabelverzweigers in Erlach, der Frankenberg bis zur Umsetzung des Bundesprogramms eine marginale Verbesserung auf sechs bis sieben Megabit beschert hätte.


Zick-Zack-Kurs der Telekom

Das war Wasser auf die Mühlen der Frankenberger Bürger, die die digitale Ausbauwelt jetzt erst recht nicht mehr verstanden. Auch Bürgermeister Udo Dauer war sauer ob des Zick-Zack-Kurses der Telekom: "Es würde sich wirtschaftlich nicht rentieren, hatte die Telekom plötzlich argumentiert." Doch der Bürgermeister hakte nach, erinnerte das Unternehmen an die einmal gegebene Zusage und siehe da - die Telekom stand wieder zu ihrem gegebenen Wort. "Sie hat gemerkt, dass sie mit ihrer Zusage einer marginalen Verbesserung einen Vertrauenstatbestand geschaffen hat", kommentierte der Bürgermeister die Rolle rückwärts der Telekom.
Für die Frankenberger Bürger hat Dauer eine weitere positive Nachricht mitgebracht: "Wir sind, was Frankenberg anbetrifft, erneut ins bayerische Förderprogramm eingestiegen, um eine Verbesserung auf bis zu 30 Mbit zu erzielen. Derzeit läuft das Auswahlverfahren, im Herbst soll der Auftrag vergeben werden. Über das bestehende Leerrohr wird Glasfaser, wie von den Frankenbergern gewünscht, bis zum Kabelverzweiger im Ort verlegt. Von dort aus erfolgt dann der Anschluss der einzelnen Anwesen über Kabel."
"Wenn es so kommen sollte, wie vom Bürgermeister skizziert, dann wären wir glücklich und zufrieden", formuliert es Pankraz Herold vorsichtig.
Nach all dem Hin und Her schwingt noch immer ein bisschen Skepsis bei den Bürgern mit. "Erst wenn es realisiert ist, werden wir Herrn Dauer loben", spricht Sandra Herold ihrem Mann und den anderen Bürgern aus der Seele.