von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Igensdorf — Noch kommt Wasser aus dem Hahn. Galt die in den 70er-Jahren gebaute Wasserversorgung lang als modern, ist sie nun veraltet und beschädigt. Und die Elektronik ist sogar museumsreif - dies zeigte Günter Bittner in der von seiner Firma PfK durchgeführten Untersuchung.
Dieser Umstand stellt die Gemeinde Igensdorf nun vor die folgenden Alternativen: eine umfassende Sanierung für 3,5 Millionen Euro oder ein Neubau der Wasserversorgung auf einem neuen Grundstück für 4,5 Millionen netto. Erste Maßnahmen, damit keine Mäuse, Frösche oder Insekten in die Wasserbehälter gelangen können, sind bereits getroffen worden. Der Markt bezieht sein Wasser aus zwei Quellen. Das Wasser wird aufbereitet, Eisen und Mangan herausgefiltert und mit Sauerstoff angereichert und über das Pumpsystem in vier Hochbehälter verteilt.


Zu viel Nitrat im Wasser

Ein dritter Brunnen, der schon lange stillgelegt ist, weist einen hohen Nitratgehalt auf. Dieser Brunnen muss zurückgebaut werden, denn das Wasserwirtschaftsamt sieht darin eine Gefährdung des Grundwassers.
Grundsätzlich sind die Probleme in der veralteten Technik, den geänderten Vorschriften und fehlenden Regelsystemen begründet. Erkennbar ist das an den Hochbehältern. Vier Hochbehälter hat die Gemeinde: einen in Etlaswind, einen in Igensdorf, einen in Mittelrüsselbach und einen in Letten. Wegen des fehlenden Regelsystems im Igensdorfer Behälter beispielsweise wird die Versorgung mit einer Zeitschaltuhr geregelt. Nach fünf oder sechs Stunden dreht das Ventil zu, um die Wasserzufuhr in die Behälter zu stoppen. Ist aber ein Behälter bereits nach drei Stunden voll, kann der Behälter drei Stunden lang überlaufen.
Jeder Hochbehälter ist an die Kanalisation angeschlossen und muss regelmäßig gereinigt werden. Dazu wird Chemie eingesetzt. Das Reinigungswasser geht in Rüsselbach in den Bach. Das war früher erlaubt, mit den jetzigen Vorschriften ist es allerdings nicht mehr vereinbar. Zudem ist die Verrohrung kaputt. Immerhin sind die Quecksilberschalter weg, sodass in Rüsselbach kein Quecksilber in den Bach gelangen kann. Durch Risse in der Wasserkammer gelangt auch Wasser von außen nach innen. Ein technisches Gutachten muss nun prüfen, ob die Hochbehälter überhaupt sanierbar sind.


Störungen im System

Abgesehen davon, dass es kein computergestütztes Leitsystem gibt und somit keine Fernwartungsverbindung, bekommt man Störungen im Wassersystem oder leere Behälter deshalb nicht mit. Fehlende Sicherheitsmaßnahmen tun ein Übriges.
Damit nicht genug: Dem Markt ist es erlaubt, den beiden Tiefbrunnen bis 31. Dezember 2019 Grundwasser zu entnehmen. Die Gemeinde entnimmt jedoch nicht die erlaubten zehn Liter pro Sekunde und Brunnen, sondern die doppelte Menge. Das wird nach Ablauf der Frist zu Ärger und Auflagen führen und zu einem dritten Brunnen, der spätestens dann gebaut werden müsse. Der Grundwasserspiegel ist aber gerade in den Regionen hier um neun Meter gefallen, weshalb selbst der Freistaat bereits restriktive Maßnahmen angekündigt hat. Aufgrund der Grundwasserprobleme müsse der Brunnen in einer anderen Gemeinde Richtung Nürnberg errichtet werden.
Bei all dem Handlungsbedarf möchte Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) nun das gesamte Leitungsnetz untersuchen lassen. Die Rohrnetzberechnung mit Bestandserfassung würde nochmals insgesamt 70 000 Euro kosten.
Ein kleiner Trost bleibt, denn 68 Prozent der bayerischen Gemeinden stehen vor einem ähnlichen Problem.