Michael Busch Er ist kein Rassist. Das betont der Angeklagte vor dem Erlanger Amtsgericht. "Ja, ich habe schon mal Sieg Heil gerufen und die linke Hand gehoben." Das sei ein Klamauk gewesen, schiebt er nach, die "falsche Hand" sei ein Zeichen dafür. "Ich hätte die rechte Hand heben müssen", erklärt er der Staatsanwältin.

Er ist kein Rassist, aber er erklärt, dass er der Beklagten bereits vor dem zu verhandelnden Fall vor dem Schöffengericht begegnet sei. "Da stand sie bei zwei Negern, die Asylbetrüger sind", erläuterte er die Vorgeschichte dem Gericht, wie es zu einer eskalierenden Situation am Burgberg im Dezember des vergangenen Jahres gekommen sein soll.

Eine Person of Color

Der 61-Jährige widerspricht den Ausführungen in der Anklageschrift. Darin wird ihm vorgeworfen, dass er die 30 Jahre alte Erlangerin am 21. Dezember angegriffen, sie sexuell genötigt, deren Hund getreten und ein Handy zertreten haben soll. Er selber führte aus, dass er unvermittelt, ohne erkennbaren Grund von der jüngeren Frau angegangen und mit einer Hundeleine regelrecht verprügelt worden sei. Sie sei die Aggressorin gewesen und soll ihn provoziert haben. Die Vorwürfe seien falsch. Der Vorfall habe auch nichts damit zu tun, dass die Frau dunkelhäutig ist, "eine person of color" wie sie erklärt.

Er gab zu, dass "ich Hass auf die Neger habe", es hatte im Jahr 2016 einen Vorfall gegeben. Auf die Frage des vorsitzenden Richters Hagen Förster, wie er diese Menschen erkenne, sagt er unverblümt: "Die erkenne ich." Dass die Frau, die als Nebenklägerin und Zeugin ebenfalls vor Gericht erschienen ist, in Erlangen geboren ist, die Staatsangehörigkeit deutsch besitzt, Immobilienkauffrau gelernt hat, als OP-Schwester arbeitet, das schien den Angeklagten vor Gericht nur zu belustigen.

Er gibt zu, dass er die Frau beleidigt habe - mit Begriffen, die unter der Gürtellinie liegen. Er verneint allerdings, dass er eine sexuelle Nötigung unterhalb der Rocklänge vollzogen habe. "Ich habe ihr nicht unter den Rock gegriffen, vielleicht im Laufe des Gerangels", sagt er. Er sagt auch, dass er die Frau nicht in den Schwitzkasten bringen wollte, auch wenn er dies bei der Polizei kurz nach der Tat etwas anders erzählt hatte.

Staatsanwältin Andres führte zu diesem Punkt aus, dass es bei einer sexuellen Nötigung nicht darauf ankomme, ob es zu einer Erregung des Ausführenden kommt. "Es geht dabei letztlich um die Erniedrigung", erklärt Nebenklagevertreter Lars Kittel. Und beide sind sich einig, dass es sich bei der Nötigung nicht um den alleinigen Grund handelt, um letztlich eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten verhängen zu lassen - so der Antrag der Staatsanwältin.

Sachbeschädigung, Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen und Symbole, Beleidigung, Körperverletzung - das Zusammenspiel lasse letztlich auch keine Bewährung zu, auch wenn der ehemals bei Siemens arbeitende Mann ("Da habe ich auch mit Schwarzen zusammen gearbeitet.") Ersttäter sei.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass ja offensichtlich alles klar sei. "Da sitzt ein Nazi, ein Frauenschänder - es ist ja alles gesagt." Doch so einfach sei es eben nicht. Seine Gesinnung und seine Äußerung, dass er "stolzerer AFDler sowie Reichsbürger" ist, dürfe bei der Beurteilung keine Rolle spielen. Auch wenn er als Anwalt "das Kotzen bekomme, wenn AFD-ler als legitimiert und demokratisch bezeichnet werden", warnte er das Gericht, ein Urteil zu leichtfertig auszusprechen. Das, was letztlich genau passiert ist - und die Versionen der beiden Schildernden lägen gar nicht so weit auseinander-, wisse man eben nicht.

Besserwisser auf der Bank

Das Gericht sah das dann aber auch anders. Wenig Belastungseifer bei dem Opfer, massiver Belastungseifer beim Angeklagten - das sei schon ein wesentlicher Unterschied. Das Schöffengericht folgte der Staatsanwaltschaft nicht ganz. "Im Namen des Volkes ist der Angeklagte schuldig. Er wird zu einem Jahr und zehn Monate verurteilt, der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten." Auf die Begründung achtete der frisch Verurteilte nicht mehr wirklich. Erstmals in der gesamten Verhandlung verschwand sein dauerhaftes Grinsen, kein breites Lächeln mehr, als die Opfer und Zeugen vermeintlich ein falsches Geschehen schilderten. Keine großspurigen und ausschweifenden Erklärungen mehr, die aufzeigen sollten, dass alle anderen Prozessbeteiligten ihm intellektuell unterlegen seien. "Ich trage nicht immer das selbe Shirt, aber immer das gleiche", hatte er der Staatsanwältin sprachlich korrekt erläutert, die dies anders geschildert hatte.

Förster erläuterte, dass es bei der Aussage zu viele Widersprüche gab. "Das was sie erzählt haben, war nicht nachvollziehbar." So zum Beispiel die Schilderungen, dass er sich erst nach 20 heftigen Leinenschlägen gewehrt habe, das passe nicht zusammen.

Eine Bewährung sehe das Gericht nicht, da es eben keine Bagatelle sei, die sich im Dezember ereignet habe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Mann kann noch Berufung oder Revision einlegen. Allerdings ging es für ihn nach der Verhandlung erst einmal zurück in die Nürnberger Justizvollzugsanstalt: Der Haftbefehl wurde aufrecht erhalten.

Nebensatz: Vor der Urteilsverkündung monierte der Angeklagte das Verhalten seines ihm zur Seite stehenden Rechtsanwaltes. Er sei unzufrieden mit ihm. Die Offerte, dass er seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat entbinden könne, nutzte der zurück in die Haft kehrende Mann allerdings nicht.