Das Bundesliga-Heimdebüt von Brose Bamberg fiel bekanntlich ins Wasser. Die Mannschaft des Aufsteigers Niners Chemnitz, die am Samstagabend zu Gast in der Brose-Arena gewesen wäre, sitzt komplett in häuslicher Quarantäne. So wie das Team der Gießen 46ers, das am Wochenende schon zum zweiten Mal nicht antreten konnte. Drei BBL-Partien fielen coronabedingt am ersten Spieltag aus, am zweiten waren es zwei. Das Hygienekonzept der Liga sollte das eigentlich verhindern, doch die Liga sieht sich von den Gesundheitsämtern ausgebremst.

"Es steht in keinem Verhältnis, wenn wir eine Infektion im erweiterten Mannschaftskreis mit einer geringen Viruslast haben und eine ganze Mannschaft mit 20 Leuten für zwei Wochen wegsperrt wird. Das ist aus unserer Sicht nicht geboten. Wenn das die Regel wird, funktioniert es definitiv nicht mehr", schimpft BBL-Geschäftsführer Stefan Holz. "So werden unsere Hygienekonzepte, für die wir von Politik und Behörden viel Lob erhalten haben, ad absurdum geführt."

Zwei Corona-Tests pro Woche sollen dafür sorgen, das infizierte Profis, Trainer oder Betreuer schnellstmöglich ausfindig gemacht werden, bevor sie ihre Teamkollegen anstecken können. Damit soll der Spielbetrieb aufrechterhalten werden. Die örtlichen Gesundheitsämter in Bayreuth (zwei Corona-Fälle) und Gießen (einer) haben aber nach den positiven Befunden sofort die komplette Mannschaft in Quarantäne geschickt.

Verworrene Lage in Chemnitz

Verworren ist die Lage in Chemnitz: Nachdem bei den Niners im Oktober fünf Corona-Infektionen festgestellt worden waren, musste zunächst das gesamte Team in Quarantäne. Es folgten weitere Tests, woraufhin die dauerhaft negativ getesteten Spieler den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen durften. Nach einem weiteren positiven Befund erließ das Chemnitzer Gesundheitsamt in der vergangenen Woche neue Quarantänebescheide für insgesamt 13 Spieler und einen Betreuer. Die Partie von Brose Bamberg gegen die Chemnitzer wird wohl erst im neuen Jahr über die Bühne gehen.

Sollte es auch im Brose-Team zu Corona-Befunden kommen, will das Bamberger Gesundheitsamt abwägen, ob das gesamte Team oder nur der oder die betroffenen Spieler in Quarantäne geschickt werden. "Wir werden nicht pauschal handeln und haben Brose Bamberg zugesagt, dass wir danach entscheiden werden, wie sich die Situation konkret darstellt", sagt Frank Förtsch, Sprecher des Bamberger Landratsamts. An dieser Behörde ist das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis angesiedelt.

In der Frage, ob außer den Infizierten weitere Akteure in Quarantäne müssen, ist dem Robert-Koch-Institut zufolge generell entscheidend, ob diese als Kontaktpersonen der Kategorie I mit höherem Infektionsrisiko zum sogenannten Quellfall eingestuft werden. Dabei geht es unter anderem um die Enge des Kontakts und die Konzentration von Viruspartikeln im Abstrich.

Fußballer dürfen weiterspielen

Mit Unverständnis wird in der BBL der unterschiedliche Umgang mit Corona-Fällen in den professionellen Mannschaftssportarten aufgenommen. "Was ich nicht verstehe: Wie macht der Fußball das? Bei Fußball-Bundesligisten wird der positiv Getestete isoliert und der Betrieb läuft weiter. Meine Teamkollegen wurden nach einem neuen Fall wieder komplett zurück in die Quarantäne geschickt", sagte der Chemnitzer Kapitän, Malte Ziegenhagen, der "Freien Presse". Dass offenbar mit zweierlei Maß gemessen werde, findet auch Mike Koch, Sportdirektor der Gießen 46ers. "Auch im Fußball gab es positive Corona-Fälle. Auch bei Bayern München", sagte der Ex-Nationalspieler im Deutschlandfunk. "Die Mannschaft wurde dort nicht aus dem Verkehr gezogen, es wurde keine 14-tägige Quarantäne der Mannschaft vorgeschrieben."  

Nicht wettbewerbsfähig

Was Koch auch nicht schmecken dürfte: Teams, die aus der Quarantäne kommen, sind nicht wettbewerbsfähig. So war Alba Berlin nach zweiwöchiger Trainings- und Spielpause beim Kaltstart in der Euroleague beim 67:103 gegen den FC Barcelona in eigener Halle chancenlos. Medi Bayreuth erging es nicht viel besser. 39 Punkte kassierten die Oberfranken im Pokal-Nachholspiel gegen den Mitteldeutschen BC alleine im ersten Viertel und verspielten mit der 114:123-Niederlage die Chance auf die erstmalige Teilnahme am Top-Four-Turnier.

Holz: Noch ist alles machbar

Bereits vor dem Start des Spielbetriebs hatte BBL-Chef Holz erklärt, dass es aufgrund der Corona-Pandemie "Einschläge" geben werde. "Es hätte nicht zwingend am Anfang und in dieser Menge sein müssen", sagte er nun. "Noch ist alles machbar, wir sind ganz früh in der Saison, und die Saison ist lang. Aber es ist schwierig."

An ein Worst-Case-Szenario, bei dem der geplante Spielplan über den Haufen geworfen werden und eventuell ähnlich wie im Vorjahr der Meister in einem Finalturnier ermittelt werden müsste, denkt die Liga noch nicht. "Wir haben einen Plan A und den verfolgen wir so lange, bis es nicht mehr geht", sagte Holz. mit dpa