Spaziergänge als Zeichen des Widerstands gegen die vermeintliche Bevormundung durch den Staat sind zurzeit allerorten anzutreffen. So auch in Höchstadt, wo sich am Sonntag wieder gut 100 Menschen am Marktplatz trafen, um gemeinsam einen „Spaziergang“ anzutreten.

Vor dem Rathaus formierte sich unterdessen eine Gegenbewegung von einem Dutzend Leuten, die – flankiert von der Polizei – im Stillen mit einem Plakat mit der Aufschrift „Solidarität statt Egoismus #impfenschuetzt“ protestierten. Im Gegensatz zu den „Spaziergängern“ trugen sie FFP2-Masken, was auch deutlich hervorgehoben wurde.

Namentlich erwähnt werden möchte kaum einer. Aber Werner Friedrich deutete zu den Spaziergängern hinüber: „Wir sind nicht so viele, aber wir haben die besseren Argumente.“ Bernd erklärte, eine Dame aus der Gruppe der Spaziergänger habe behauptet, dass die Mitglieder der Gegenbewegung bezahlt worden seien.

Auch auf Seiten der Spaziergänger sind nur wenige bereit, ihrem Anliegen eine Stimme zu geben und ihre Sicht der Dinge für die Zeitung zu schildern. Zu groß ist offenbar das Misstrauen gegenüber der Presse.

Einige der Spaziergänger machen aus ihrer negativen Einstellung der Presse gegenüber denn auch kein Hehl. Willibald legte seine Ansicht mit fester Stimme dar: „Der Fränkische Tag berichtet nicht neutral, das ging vor zwei Jahren los!“

Freiheit und Selbstbestimmung

Einer der wenigen, der bereit ist, zu reden, ist Christian Beßler, der betonte, nicht als Stadtrat unterwegs zu sein. Er gehe für „Freiheit und Selbstbestimmung“ auf die Straße, wie er erklärt. „Ich denke, ich spreche für fast alle, wenn ich sage: Wir alle haben ein Ziel: den Impfzwang zu verhindern.“ Auf die Frage, ob das zu erreichen sei, erwiderte Beßler: „Wenn die Bevölkerung sich was vorgenommen hat, dann hat sie das noch immer geschafft.“ Als Beispiel führte er den Fall der Mauer 1989 an.

Ein älterer Herr, der namentlich definitiv nicht genannt werden will, machte klar, dass man ihn „nur über meine Leiche“ zur Impfung bekäme. Roland Reichelsdorfer befürchtet, dass mit der Impfpflicht einen Modellfall geschaffen würde, bei dem noch mehr nachkäme. Er sei nicht generell gegen das Impfen, „wenn man aber eine Impfung empfiehlt, muss man versuchen, so viele Daten wie möglich zu erheben“. Die aber gebe es noch nicht.

In den Augen von Günter Paul sind die Zahlen der Corona-Toten nicht korrekt. So sei ein Verwandter von ihm am Herztod gestorben. Da er aber positiv getestet worden war, sei er den Corona-Toten zugerechnet worden.

Ungerecht behandelt fühlt sich Günter Kirsch, beispielsweise im Bezug auf die Gastronomie. „Die Datenlage begründet nicht, warum Ungeimpfte nicht ins Restaurant oder ins Thermalbad dürfen.“ Auch fragt er sich, was den Unterschied ausmachen würde, zwischen 2G-plus (geimpft oder genesen mit negativem Test) und einem Ungeimpften mit negativem Test. Zudem seien Nachbarn von ihm zweimal geimpft gewesen und hätten trotzdem Corona bekommen. Er habe sich noch nie testen lassen, da er keine Angst habe. „Ich unterschätze Corona aber nicht“, stellte er klar. „Das ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Ich bitte nur darum, dass Denken nicht zu vergessen.“

Schließlich setzte sich der Tross in Bewegung, dirigiert von rhythmischem Trommeln. Ansonsten ein stiller Marsch, mit Spaziergängern, die ein Zeichen setzen wollen, auf ihre Art.