Die Gemeinde Oberreichenbach geht mit der Zeit und strebt den Ausbau des Glasfasernetzes im gesamten Ort an. Bisher haben nur einige wenige Haushalte und das Neubaugebiet eine Internetverbindung über Glasfaseranschlüsse, doch das soll sich nun ändern. Das Telekommunikationsunternehmen „Deutsche Glasfaser “ versprach dem Gemeinderat bei der jüngsten Sitzung, dass die Oberreichenbacher bis Weihnachten 2022 schnell und störungsfrei mit Glasfaser „surfen“ könnten, wenn die Gemeinde dem Kooperationsvertrag jetzt zustimmen würde. Das Unternehmen plant und baut das Glasfasernetz eigenwirtschaftlich, für die Gemeinde und die Bürger fallen also erst mal keine Kosten an. Refinanziert wird das Projekt dann über die monatliche Grundgebühr. Voraussetzung für diesen eigenwirtschaftlichen Ausbau durch die Deutsche Glasfaser ist neben der Kooperationsvereinbarung eine zweimonatige Nachfrage-Bündelung. Im Zuge dieser Vertriebs- und Marketingkampagne müssen 40 Prozent der Oberreichenbacher Haushalte für den Anschluss „ Glasfaser bis ins Haus“ gewonnen werden, um das Projekt ins Rollen zu bringen. Dies soll durch Informationsabende, Servicepunkte und ein Infomobil in Oberreichenbach erreicht werden. Die restlichen 60 Prozent der Haushalte werden „passiv“ an das Netz angeschlossen, indem die Glasfaser bis an die Grundstücksgrenze gelegt wird, um so im Nachhinein den Anschluss noch ins Haus bringen zu können.

Die Gemeinderäte stellten dem Referenten des Unternehmens, Enrico Hesse, kritische Fragen. Jörg Himmler (FWG) und Reinhard Geyer ( CSU ) machten sich Sorgen um eine Beschädigung der Glasfaserkabel bei künftigen Straßenarbeiten, da die Kabel mit einer neueren und wirtschaftlicheren Methode nur 40 Zentimeter tief, statt wie gewöhnlich 60 Zentimeter unter dem Bürgersteig verlegt werden sollen. Michael Schmitz (FWG) fragte nach der Laufzeit der Nachfrage-Bündelung und was passieren würde, wenn die 40-Prozent-Grenze nicht erreicht werde. Hesse machte sich da keine Sorgen: Im Notfall würde man die Werbephase einfach verlängern.

Gemeinderat Schmitz wollte außerdem wissen, ob man das bereits mit Glasfaser ausgestattete Neubaugebiet aus den 40 Prozent herausgerechnet habe, was der Experte bestätigte.

Bedenkzeit für die Räte

Der Gemeinderat will bei der nächsten Sitzung über die Kooperationsvereinbarung abstimmen, da Bürgermeister Klaus Hacker (FWG) seinen Räten etwas Bedenkzeit geben wollte, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Anschließend lehnte das Gremium noch einstimmig einen Bauantrag für das umstrittene Seeland-Areal in der Karl-Seifert-Straße ab: Hier sollte ein Teil des Bürogebäudes zu Wohnräumen mit sanitären Anlagen umgenutzt werden, was jedoch aufgrund einer von der Kommune verhängten Veränderungssperre rechtswidrig wäre.

Hitzige Wortgefechte folgten gegen Ende einem Antrag der Freiwilligen Feuerwehr Oberreichenbach : Die Führung der aktiven Mannschaft hatte darum gebeten, eine Agenda 2025/2030 mit einem Gemeinderatsmitglied zu erarbeiten. Bürgermeister Hacker sah dafür keinen Grund, da die Gemeinderäte Jörg Himmler, Christian Reiss ( CSU ) und Jörg Kaltenhäuser (FWG) bereits bei der Feuerwehr engagiert seien und bei der Erstellung einer solchen Agenda seiner Ansicht nach neutral und als Gemeinderäte auftreten müssten.

Himmler erklärte dazu, dass es um langfristige Investitionen im fünfstelligen Bereich gehe, und er und seine beiden Gemeinderatskollegen könnten da unmöglich unbefangen und neutral bleiben. Deshalb sei es der Wunsch der aktiven Mannschaft, Michael Schmitz als neutralen Vertreter einzubeziehen, um Reibereien zwischen den „Feuerwehr-Gemeinderäten“, dem Bürgermeister und dem restlichen Gemeinderat zu vermeiden. Dem Antrag wurde nach einer kurzen und heißen Diskussion zugestimmt.

Ein Paradebeispiel für derartige Reibereien folgte direkt im Anschluss, als Jörg Himmler sich bei Hacker erkundigte, weshalb der zweite Antrag der Feuerwehr es nicht auf die Tagesordnung geschafft habe. Die Antwort des Gemeindeoberhaupts („Weil ich die Tagesordnung gemacht habe und dachte, ein TOP für die Feuerwehr reicht; außerdem habe ich ein Vierteljahr Zeit für solche Anträge“) stellte weder Himmler noch die im Zuschauerraum anwesenden Kameraden der Feuerwehr zufrieden. Doch die Widerrede von Himmler wurde durch ein Machtwort des Bürgermeisters beendet.