Anne Schützenberger (l.), Leiterin der Fachabteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik des Uniklinikums Erlangen, untersucht mittels Videostroboskopie die Stimmlippenschwingung einer Patientin.
Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen
Jessica Herzog kennt die Kraft der Stimme und weiß, wie wichtig Stimmpflege ist: Sie steht regelmäßig als Sängerin auf der Bühne.
Christian Horn
Jana Tschirschwitz zeigt eine Übung aus der Stimmtherapie: Gezielte Bewegungen sollen Atmung, Körperspannung und Stimme in Einklang bringen.
Gesundheit Auf leise und laute Töne kommt es nicht nur auf der Bühne an – das weiß man an der Erlanger Uniklinik genau. Zwei Logopädinnen machen zum heutigen World Voice Day die Stimme zum Hauptdarsteller.
In der Fachabteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Uniklinikums Erlangen behandeln acht Logopädinnen Patienten mit Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen. Zwei von ihnen bringen nicht nur therapeutische Expertise mit, sondern auch Bühnenerfahrung: Jessica Herzog tritt regelmäßig als Sängerin bei Privat- und Firmenveranstaltungen auf und verfügt über Musicalerfahrung. Und Jana Tschirschwitz spielt in ihrer Freizeit in einem Improvisationstheater .
Anlässlich des Welttags der Stimme – des World Voice Day – am heutigen Donnerstag informieren die beiden rund um das Ausdrucksmittel, das für Kommunikation und Identität essenziell ist: die menschliche Stimme. Gemeinsam mit der Erlanger Phoniatrie und Pädaudiologie möchten Herzog und Tschirschwitz den Aktionstag nutzen, um auf die Bedeutung der Stimmgesundheit aufmerksam zu machen.
Frau Herzog und Frau Tschirschwitz, inwiefern ist der Welttag der Stimme für die medizinische Versorgung relevant?
Jana Tschirschwitz: Die Stimme ist unser persönlichstes Kommunikationsmittel. Sie transportiert nicht nur Worte, sondern auch Emotionen, Stimmung und Persönlichkeit. Wenn die Stimme dauerhaft heiser ist oder schnell ermüdet, kann das die Lebensqualität stark beeinträchtigen – beruflich wie privat. Der World Voice Day erinnert daran, wie wertvoll dieses Instrument ist und dass es sich lohnt, gut darauf aufzupassen.
Wer ist hinsichtlich einer Stimmüberlastung besonders gefährdet?
Jessica Herzog: Gerade Menschen mit hohen stimmlichen Anforderungen sind besonders anfällig: Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Call-Center-Mitarbeitende oder Menschen auf der Bühne. Viele bemerken erst spät, wie stark sie ihre Stimme im Alltag belasten.
Sie beide stehen auch selbst auf der Bühne. Hilft diese Erfahrung in der therapeutischen Arbeit?
Herzog: Auf jeden Fall. Als Sängerin weiß ich aus eigener Erfahrung, wie sensibel die Stimme auf Belastung reagiert. Diese Perspektive hilft mir, die Sorgen von Menschen mit Stimmproblemen besonders gut nachzuvollziehen und gemeinsam mit ihnen an einer gesunden Stimmnutzung zu arbeiten.
Tschirschwitz: Beim Improvisationstheater entstehen Szenen spontan. Stimme, Sprache und Ausdruck müssen dabei flexibel eingesetzt werden, denn wir reagieren unmittelbar aufeinander. Auch die Intonation, also die Stimmmelodie, und das Sprechtempo sind entscheidend dafür, wie eine Szene wirkt. Dieses Bewusstsein für Ausdruck und stimmliche Variation ist in der logopädischen Therapie sehr hilfreich.
Was kann man im Alltag für seine eigene Stimmgesundheit tun?
Tschirschwitz: Viele Stimmprobleme entstehen durch Überlastung oder ungünstige Gewohnheiten. Typische Beispiele sind häufiges Räuspern oder lautes Sprechen gegen Hintergrundlärm. Dabei entsteht die Stimme in einem Muskel- und Schwingungssystem, das Pflege braucht. Dazu gehören ausreichendes Trinken und eine gute Atemtechnik. Auch bestimmte Übungen zur Stimmerholung können helfen: Lockeres Summen, etwa ein entspanntes „Mmh“, bringt die Stimmlippen sanft in Schwingung, ohne sie zu stark zu belasten.
Helfen Hausmittel wie Honig und Bonbons bei Heiserkeit?
Herzog: Nur bedingt. Beim Schlucken verschließt sich der Kehlkopf, sodass die Stimmlippen selbst gar nicht erreicht werden. Honig und Bonbons wirken also nicht direkt auf die Stimme, sondern pflegen vielmehr die Schleimhäute im Mund und Rachen.
Wann sollte man bei Stimmproblemen ärztlichen Rat einholen?
Herzog: Es ist wichtig, Warnsignale ernst zu nehmen. Wenn Heiserkeit länger als zwei bis drei Wochen anhält, sollte sie medizinisch abgeklärt werden. In der Phoniatrie und Pädaudiologie des Uniklinikums Erlangen arbeiten Ärztinnen und Ärzte sowie Logopädinnen eng zusammen, um Stimmstörungen differenziert zu diagnostizieren und individuell zu behandeln. Neben der medizinischen Abklärung stehen dabei auch funktionelle Aspekte wie Stimmtechnik, Atmung und Sprechgewohnheiten im Fokus. red