Aus erster Hand bekam der Fraktionsvorsitzende der bayerischen SPD , Florian von Brunn , Informationen, wie Erzieher vor Ort das Problem Fachkräftemangel sehen. Nicht nur die Bezahlung sei ausschlaggebend, sagte Pfarrerin Nina Mützlitz. Auch die Rahmenbedingungen müssten sich ändern.

Von Brunn, Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Oktober 2023, besuchte bei seiner Tour durch Mittelfranken auch die Stadt Herzogenaurach , und dort konkret die Kita Johann Comenius . Dort hieß es erst einmal „Schuhe aus!“. Wie Pfarrerin Nina Mützlitz hervorhob, darf die Kita nicht mit Straßenschuhen betreten werden.

Ökologisches Musterbeispiel

Die Gastgeber aus Herzogenaurach wollten dem Besucher „nicht nur ein Musterbeispiel für zukunftsgerechtes, ökologisches Bauen im öffentlichen Raum zeigen, sondern auch einen Eindruck von den Problemen verschaffen, mit denen der pädagogische Bereich durch den Fachkräftemangel zu kämpfen hat“. Das sagte Claudia Belzer, hiesige Landtagskandidatin der SPD .

Was die Kommunen in beiden Bereichen tun können, werde in Herzogenaurach gemacht. Was man aber brauche, sei weitergehende politische Unterstützung vonseiten des Freistaats Bayern. Belzer: „Es kann nicht angehen, dass Eltern ihrer Erwerbstätigkeit nicht ausreichend nachgehen können, weil Kita-Zeiten gekürzt werden müssen.“

Das sei nicht nur ein finanzielles Problem für die Betroffenen, „sondern hier verschlimmert der Fachkräftemangel im Bereich der Kinderbetreuung wiederum den generellen Fachkräftemangel. Wie die Unterstützung der bayerischen Politik aussehen kann, wurde ausführlich diskutiert.

„Entscheidend für die Gewinnung neuer Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen ist nicht in erster Linie die Bezahlung“, schätzt Pfarrerin Nina Mützlitz ein. Auch wenn Erhöhungen bei der tariflichen Vergütung sicher helfen würden, sind es ihrer Aussage zufolge hauptsächlich die Arbeitsbedingungen, welche den Ausschlag geben, ob Kräfte kommen und dann auch bleiben.

Jede weitere Hand hilfreich

Stadträtin Sandra Wüstner, selbst gelernte Erzieherin, ergänzte: „Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, dass zusätzliches Personal ohne einschlägige Ausbildung, wie es heute schon in zweisprachigen Kitas oder solchen mit integrativem Schwerpunkt möglich ist, in noch mehr Kitas eingesetzt werden kann. In der jetzigen Situation hilft wirklich jede weitere Hand.“

Renate Schroff, Grundschullehrerin a.D., gab zu bedenken: „Zulasten der Qualität darf das aber nicht gehen.“ Hier stimmte Pfarrerin Mützlitz zu. Aufgabe der weiteren Kräfte sei es, nur für Entlastung zu sorgen, damit das einschlägig ausgebildete Personal auch genug Zeit für Erziehung, Bildung und Förderung hat.

Eine weitere Idee war es, auch den Zugang für ausgebildete Kräfte zu erleichtern, die noch nicht das B2-Sprachniveau besitzen. Generell wünschten sich alle Anwesenden, dass die Träger mehr Entscheidungsgewalt bezüglich der Einstellung von Personal bekämen. Vor Ort fänden sich dann schon praktikable Lösungen. red