Michael Busch "Nun, während ich hier mit Kurzatmigkeit und Atemproblemen im Bett liege, beginne ich erst mal vom Anfang unserer Geschichte zu schreiben." Katharina erzählt eine Geschichte, die man zunächst nicht glauben möchte. Nicht glauben, weil bei den offiziellen Stellen von "schneller Hilfe" in Corona-Zeiten berichtet wird, die vielen Möglichkeiten, um im Fall eines Falles wieder gesund zu werden.

Katharina erzählt, dass ihr Mann Anfang März in Tirol Skifahren war. Da war die Urlaubsregion noch kein Krisengebiet, war es bei seiner Heimfahrt auch noch nicht.

"Er kam mit einem leichten Krankheitsgefühl, Fieber und Husten zurück." Da er Risikopatient ist, wurde er am 13. März durch Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) getestet - in der Wohnung in Erlangen.

Corona in der Familie

Katharina und ihrem neun Monate alten Baby ging es zu diesem Zeitpunkt gut. "Wir hatten keine Symptome und auch meinem Mann ging es wieder gut, bis auf einen Geschmacks- und Geruchsverlust." Mehrere Fachgesellschaften von HNO-Ärzten aus den USA, Großbritannien und auch Spanien wiesen mehrfach auf diese neuen Symptome einer Coronainfektion hin: Riech- und Geschmacksstörungen. Das Besondere an den neuen Symptomen ist, dass diese schon sehr früh auftreten. Viele Infizierte bemerken offenbar zuerst die Einschränkung des Geruchs- und auch Geschmackssinnes.

Vier Tage später gab es das Ergebnis: Positiv - das Corona-Virus wurde nachgewiesen. Katharina sagt: "Ich hatte immer noch keine Symptome. Ich wurde dann vom Gesundheitsamt zusammen mit meiner Tochter am Donnerstag vorsorglich getestet, da ich die Kontaktperson Nummer Eins bin."

Die bis dato gesunde 28-Jährige spürte selber in der vergangenen Woche zunächst nur leichte, dann immer schwerer werdende Symptome. Plötzlich schlechtes Atmen, Kurzatmigkeit, sobald sie aufrecht steht. "Lediglich im Liegen in Ruhe ist es auszuhalten. Dazu kommen starke Kopfschmerzen, leichter Husten und ein Druckgefühl und Brennen auf meiner Lunge und dem Brustkorb", beschreibt sie die Situation.

Das ist die Stelle, wo es um die schnelle und unkomplizierte Hilfe geht, die immer wieder postuliert wird. Denn Katharina sagt deutlich: "Man bekommt in meinem Fall keine ärztliche Hilfe oder eine Untersuchung." Die KVB sendete keine Ärzte nach Hause. Das Gesundheitsamt hat eine Amtsärztin, aber diese durfte nach Auskunft gegenüber Katharina wohl auch nicht zu möglich Corona-Patienten ins Haus kommen. Aber es geht weiter, Katharina erklärt: "Der Hausarzt kann ebenfalls nur telefonisch beraten. Er darf nicht ins Haus kommen." Und selbst der Initiativschritt funktioniert nicht: "Ich selbst darf nicht zu einen Arzt, in die Notaufnahme - oder sonst wohin -, weil ich offiziell unter Quarantäne stehe!"

In ihrer Not rief Katharina über den Notruf am Samstag Hilfe. "Nur nach langem hin und her kamen dann zwei Sanitäter. Beide waren zwar lieb, aber standen mit beschlagenen Taucherbrillen zwei Meter vor mir und haben weder richtig sehen können - geschweige denn haben sie mich untersucht!" Die Auskunft war dann ernüchternd: Sie meinten, dass die junge Frau nicht krankenhausreif genug sei.

"Ich nehme mal an, ich war ihnen mir 28 zu jung? Kommen nur alte Leute mit Covid zu einem Arzt?" Zurück blieb der Hinweis, dass sie sich wieder melden solle, sollte es schlimmer werden. Nun liegt die 28-Jährige im Bett, die Symptome haben sich nicht verbessert. "Ich kann mich selber nicht mal um mein Baby kümmern. Mein Mann macht alles alleine und kümmert sich liebevoll um mich und um unser Baby."

Katharina ist verärgert, denn vor wenigen Tagen hat sie gelesen, dass aktuell sechs Leute mit Covid im Uniklinikum Erlangen liegen. "Wieso konnte man mich dann nicht mitnehmen?" In einem weiteren Versuch habe sie Bürgermeister Florian Janik von der Misere geschrieben - in der Hoffnung, dass er was ändern könnte. "Bisher habe ich keine Antwort auf meine Mail erhalten."

Vor dem letzten Wochenende ist Katharina selbst in die Notaufnahme gefahren. Sie fragt: "Hätte ich hier warten sollen, bis ich gar keine Luft mehr bekomme?" Überrascht war sie, dass in der dortigen Notaufnahme kein Mensch zu sehen war. "Nur ich. Da ich selbst aus dem Bereich komme, weiß ich, dass man eine Pneumonie zu 100 Prozent nur per CT/Röntgen ausschließen kann. Dies haben die Ärzte dort aber verweigert. Es wurde lediglich Blut abgenommen, ein EKG geschrieben." Es gab zwar das Angebot, stationär zu bleiben, aber garniert mit der Aussage, dass sie nichts machen können.

Katharina zieht ihr eigenes Fazit: "Man bekommt offensichtlich keine ärztlichen Untersuchungen, wenn man an Covid leidet. Kein Arzt kommt zu isolierten, in Quarantäne stehenden Leuten mit Atemnot nach Hause." Die junge Frau und Mutter ergänzt: "Ich bin fassungslos, schockiert, traurig." Sie hat aber die Hoffnung, dass sich etwas ändert, wenn sie ihre Geschichte erzählt. Nicht nur zum eigenen Wohl, sondern auch zum Wohl weiterer Erkrankter in ähnlichen Situationen.

Nachsatz: Zum Zeitpunkt des Interviews ging es Katharina besser, wenn auch das Gespräch immer mal von deutlichem Husten und Rasseln unterbrochen war. Dem Baby geht es gut, die Quarantäne des Mannes wurde beendet.