Michael Busch Der Adelsdorfer Hotelmeister und gelernter Koch Christian Pöllmann kann nur noch auflachen. Denn im Moment läuft vieles schief und er kann nur wenig daran ändern. Coronabedingt musste er sein Lokal schließen und statt gehobener fränkischer Küche gibt es leere Tische und Personal, das sorgenvoll in die Zukunft schaut.

Was haben Sie gemacht, um Corona überstehen zu können? Ist die Situation in der Gastronomie wie bei den Fitnessstudios, die viel investierten, um jetzt doch wieder zu schließen?

Christian Pöllmann: Wir haben in ein Sicherheitskonzept investiert, wie alle anderen auch. Also das was bereits außerhalb des "Lockdowns" gefordert war. Kontaktlose Handdesinfektionsständer, Umstrukturierung im Restaurant, um Sicherheitsabstände zu garantieren, eingeschweißte Speisekarten. Diese Ausgaben sind getätigt und vernünftig.

Um diese, aber auch die laufenden Ausgaben zu kompensieren, will der Bund Firmen 75 Prozent des Umsatzes erstatten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat geäußert, dass es großzügige Hilfen geben soll. Was kommt von der Großzügigkeit in den gastronomischen Betrieben an?

Nicht soviel, wie man von außen betrachtet annehmen könnte. Die Idee ist, dass 75 Prozent des Vorjahresumsatzes im November als Hilfe zugesprochen wird. Wer in der Thematik nicht drinnensteckt, sagt: "Cool, ohne Arbeit bekommen die einen Haufen Geld."

Dem ist leider nicht so. Denn die laufenden Kosten, die ich habe, unterliegen nicht dem Lockdown. Die Heizung läuft in dieser Jahreszeit, das Haus soll nicht auskühlen. Die Versicherungen und Nebenkosten sinken wegen des Lockdowns nicht auf 75 Prozent, die Höhe der Kosten bleiben bei 100 Prozent. Ein Beispiel? Wir haben für unsere Hotelgäste einen toll ausgestatteten Fitnessraum. Die Geräte, damit diese jeweils auf dem neusten Stand sind, werden von uns geleast. Die Raten bleiben gleich und sind voll zu bezahlen. Das gilt auch für die Computer, Kassen und das Netzwerk.

Das gilt für den Fuhrpark, das gilt für Pachtzahlungen, für Ausgaben, die mit Corona eben nichts zu tun haben. Fördergelder werden ebenfalls herausgerechnet. Dann kommt dazu, dass bisher noch kein Formular vorliegt, um diese Hilfe überhaupt zu beantragen. Sicher wird aber sein, dass von den dann offiziell zugesprochenen 75 Prozent ein deutlich geringer Betrag letztlich überwiesen wird, zumal die erwirtschafteten Gelder aus den Hotelübernachtungen im November ebenfalls in Abzug gebracht werden.

Ich bin nicht undankbar für diese Hilfen, aber der Eindruck, dass sich hier Unternehmen auf Kosten von Corona gesund stoßen wollen, dem mag ich schon entgegentreten.

Wie sieht es aus mit "Essen to go" - ist doch besser als jammern - warum nicht?

Ist es definitiv. Und es ist auch gut, wenn der eine oder andere Gastronom dieses Angebot machen kann. Aber man muss da ehrlich drauf schauen.

Zum einen lohnt es sich schon von der Lage nicht überall. Es ist ein Unterschied, ob ihr Restaurant in der Stadt oder dem Land ist. Es ist ein Unterschied, ob es viel Laufkundschaft gibt oder sie abgeschieden in einem fernen Winkel der Fränkischen Schweiz sitzen.

Ein Zweites ist die Frage, ob das System "To go" schon vorhanden ist. Ja, es sind aus meiner Sicht die Italiener, die Asiaten, die Dönerlokale, die sich momentan leichter tun, denn bei diesen hat es das Angebot schon immer gegeben. Für Gastronomen, die "neu" in diesen Bereich einsteigen, sieht das etwas anders aus.

Schwierige Rechnung

Und zum Dritten ist dann noch die Frage zu beantworten, was man anbieten will. Vielleicht eine eingegrenzte Speisekarte, aber das volle Angebot führt dazu, dass ich viele Lebensmittel vorhalten muss, die bei Nichtverwendung irgendwann wieder entsorgt werden müssen.

Aber es bleibt doch etwas hängen?

Wie gesagt: Bei guten Bedingungen ja, und diese Kollegen sollen das Angebot auch aufrecht erhalten. Aber bei anderen geht die Rechnung so nicht auf. Die fränkische Ansage: "Ich bin ja eh' da" - ist eben nicht richtig. Das kann so nur bedingt funktionieren. Ich bin hier der Unternehmer. Ja, ich kann noch in der Küche mitzulangen, aber letztlich brauche ich Personal, um "To go" umsetzen zu können. Die Idee hat so ein wenig Charme von der Idee einem Piloten zu sagen, dass er, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, auch als Steward die Passagiere bedienen könnte.

Wenn ich aber Personal beschäftige, ist dieses natürlich zu bezahlen. Gegebenenfalls entfallen Kurzarbeiterzahlungen, die wieder zurück auf das Unternehmen gebucht werden - und das bei geringen, wenn überhaupt vorhandenen Gewinnen.

Was wäre eine gute Lösung?

Schwierig. Zum einen wäre da eine einheitliche Regelung. Es gibt Bundesländer, da dürfen in Hotels Tagungen stattfinden. Das kann nicht sein.

Es ist schwierig, wenn Dinge passieren, die nicht mehr für alle nachvollziehbar sind. Ich kann mit den Änderungen leben, wir müssen da zusammenhalten. Nur gemeinsam bekommen wir diese Pandemie in den Griff, da habe ich auch eine Verantwortung, die wir selbstverständlich und gerne mittragen.