Heute, 28. Dezember, ist der Tag der "Unschuldigen Kinder". Im Frankenwald heißt er auch Pfefferleinstag. Andere oberfränkische Orten bezeichnen diesen Brauch des Pfefferns auch als Fitzeln, Dengeln, Kindeln oder Peitschen. Mit einem grünen Zweig berührt man sein Gegenüber: Jungen und Burschen pfeffern am "Tag der Unschuldigen Kinder" Mädchen und junge Frauen. An Neujahr ist es umgekehrt. So war es bis vor wenigen Jahren auch in Hesselbach üblich.

Der Brauch des Pfefferns hat vorchristliche Wurzeln und wohl auch einen tieferen Sinn: Mit einem Wacholder- oder Rosmarinzweig sollten zur Zeit der Wintersonnenwende Gesundheit, Wohlergehen und Fruchtbarkeit durch Berührung auf Menschen, Tiere, Pflanzen, Obstbäume und Getreideböden übertragen werden. Man wünschte sich, dass so Gutes und Angenehmes übertragen und Böses verhindert werde.

Auf fränkischen Weihnachtsmärkten wurden früher Pfeffergerten verkauft: Es waren vor allem Zweige des Birnbaums, der Fichte, der Birke, des Schlehdorns oder einer immergrünen Stechpalme.

Schnaps oder Lebkuchen als Lohn

Wer gepfeffert wurde, gab für diese gute Tat eine Entschädigung: meist einen Pfefferschnaps oder einen Pfefferlebkuchen, aber auch kleine Geld-Geschenke und Esswaren waren üblich. Im Lauf der Zeit übertrug sich der Brauch von den Erwachsenen auf die einstigen Dienstboten (Knechte und Mägde), bald auch auf die Verliebten, schließlich auf die Jugend. Verbote dieses Heischebrauchs, bei dem auf dem Gang von Haus zu Haus Geld und Naturalien gesammelt wurden, sind ab dem 16. Jahrhundert nachgewiesen. Im 18. Jahrhundert erfreut sich der Pfefferleinstag jedoch wieder oder weiter immer noch großer Beliebtheit. Dabei gibt es den Brauch orts- und konfessionsübergreifend in Stadt und Land. Von den Nazis wurde der Pfefferbrauch wieder untersagt.

In Hesselbach, Lahm, Effelter, Birnbaum, Neufang und Nurn zogen bis 2019 Pfeffer- Gemeinschaften durch die Dörfer. Die von den Pfeffern vor weiblichem Publikum aufgesagten Pfeffersprüche kleiden gute Wünsche zum neuen Jahr in gereimte Zeilen, sind eher allgemein formuliert, richten sich vereinzelt aber auch individuell zugeschnitten an eine spezielle Adressatin: "Schmeckt der Pfeffer gut, schmeckt auch das neue Jahr gut" heißt beispielsweise so ein allgemein gehaltener Pfefferspruch. Im Raum Ludwigstadt nennt man den Brauch Dengeln. Kindeln ist als weitere Bezeichnung nicht mehr gebräuchlich.

Seinen Namen verdankt der Kindleinstag am 28. Dezember angeblich den "unschuldigen Kindlein", die dem von König Herodes befohlenen Kindermord zu Bethlehem zum Opfer fielen.

Schon im Mittelalter war dieser Tag schulfrei und wurde als Kinder- und Jugendtag mit Gesang, Umzügen, Theaterstücken, Spielen und Maskerade festlich begangen .

Weiße und Schwarze

In Hesselbach zogen alljährlich junge Burschen als Pfeffergemeinschaft durchs Dorf. Zu dieser Gruppe gehören die eigentlichen Pfefferer, die auch als Weiße bezeichnet werden. Im Allgemeinen sind es drei Weiße, also Weiß-Angezogene. Sie machen Musik, sind friedliebend und pfeffern mit Pfeffergerte und Federwisch. Die Weißen sprechen die wohlklingenden Pfefferverse und tragen blumengeschmückte Hüte nebst weißen Hemden. Ihre Pfeffergerten sind zusammengebundene Birkenreiser oder Barbarazweige.

Dabei fordert die Hauptperson, der Pfefferer, die anwesenden Mädchen und Frauen auf, einen Fuß auf ein mitgeführtes Bänkla, einen mit einem bestickten Tuch belegten Schemel zu stellen. Mit einem Federwisch, einem Gänseflügel, bestreicht der Pfefferer Wade und Knöchel mit den Worten: "Ich kehre ab die Sorgen vom letzten Jahr!"

Dann pfeffert er, indem er die Beine, diesmal mit der Pfeffergerte, berührt mit dem Spruch: "Pfeffer, Pfeffer, Rosenbaam. Ich glaab, du bleibst ka Nacht dahamm. Gehst des Dörfla auf und nieder, bis da findst dei Schätzla wieder." Dieser Spruch ist als ein Kompliment für ein verliebtes Mädchen aufzufassen. Unter den Weißen ist ein Schifferklavierspieler oder Mundharmonikaspieler, der zum Walzer aufspielt.

Zur anderen Gruppe, den Schwarzen, gehören ein Schornsteinfeger, der alle Leute schwärzt, die ihm über den Weg laufen, das "Fraala" (ein verkleideter Mann mit einem Huckelkorb in Lahm, Effelter, Birnbaum), ein Bärentreiber mit Eisenkette, ein Strohbär und ein Sackträger, der den Pfefferlohn (Gerste oder Hafer) einsammelt und transportiert.

Der "Hächela" (neben dem Bären wohl die furchterregendste Gestalt) erzeugt Lärm mit an einer Schnur zusammengebundenen Büchsen, mit denen er nach Kindern und Jugendlichen wirft.

Jedes Jahr neue Besetzung

Pfeffergemeinschaften setzten sich jedes Jahr neu zusammen. Rechtzeitig bespricht man die Vorbereitungen, beispielsweise das Anziehen des Strohbärens mit zusätzlichen freiwilligen älteren Helfern. Zum Ausklang des Pfeffertages lud man die Ortsbevölkerung zum Pfeffertanz in ein Lokal oder in eine Gaststätte ein. Hier gab es in Hesselbach als besondere gut gepfefferte Spezialität: Brote oder Brötchen mit Mett bzw. Tatar. Lebkuchen war früher der Lohn für das Pfeffern oder Rutenschlagen.