Auch der zweite Verhandlungstag gegen einen 42-jährigen Lichtenfelser, der sich wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Lichtenfelser Amtsgericht verantworten muss, endete nicht mit einem Urteil. Der Grund: Ein wichtiger Zeuge war nicht gekommen.
Der 42-Jähriger soll laut Anklageschrift 2011 nahezu täglich an zwei Personen in einem Lichtenfelser Stadtteil Heroin zu Grammpreisen zwischen 80 und 100 Euro verkauft haben. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch erst ein weiterer Deal am 18. November 2015.


"Viel Überwindung gekostet"

Damals wollte der Beschuldigte Heroin mit einen Gewicht von 1,5 Gramm zum Preis von 150 Euro verkaufen. Da der Handel von der Polizei überwacht wurde, konnten Beamte der Kriminalinspektion Coburg das Rauschgift sicherstellen.
"Es hat mich viel Überwindung gekostet ihn anzuzeigen", erklärte ein als Zeuge geladener 26-jähriger Versandarbeiter. Sein Bruder war Ende 2012 an einer Überdosis Heroin verstorben. Den Stoff soll ihm damals der Beschuldigte verkauft haben. Der Tod des Bruders habe ihn sehr mitgenommen, sagte der Mann im Zeugenstand.
Richterin Ulrike Barausch wollte wissen, wie der Bruder die Droge konsumiert habe. Er habe sie geraucht, war die Antwort, meistens sogar in der Wohnung des 42-jährigen Lichtenfelsers. Er selbst habe nie Heroin konsumiert, sondern Marihuana.
Sein Brüder habe als Hartz-IV-Empfänger zwischen 50 und 100 Euro je Gramm ausgegeben, vermutete der Zeuge. Einen weiteren Lieferanten habe es seiner Ansicht nach nicht gegeben. Auf Nachfrage des Verteidigers gab der 26-Jährige zu, den Beschuldigten nach dem Tod des Bruders angesprochen zu haben. "Ich wollte wissen, ob er meinem Bruder Dreck verkauft hat. In der Szene kursierte ein entsprechendes Gerücht." Doch die Qualität sei gut gewesen.
Die Vernehmung einer weiteren Zeugin war kurz. Die junge Frau berichtete von einen Treffen von fünf Leuten, bei dem auch der Beschuldigte anwesend war. Ein in der Szene bekannter Mann habe damals ein Kilo Heroin besessen, das in zwei 500- Gramm-Dosen abgepackt war. Bei dieser Zusammenkunft sei das Heroin sowohl verkauft als auch konsumiert worden. Ob der 42-Jährige auch als Händler tätig war, konnte die 27-Jährige nicht sagen.
Die Hauptverhandlung wird am 9. Dezember um 9 Uhr fortgesetzt. gvö