Freedomday Der Sonntag, an dem viele Corona-Bestimmungen aufgehoben werden, fällt zusammen mit dem Zeiler Oculi-Markt. Ein Tag, an dem die Menschen sich wenigstens für kurze Zeit entspannen.
Brigitte Krause und Eckehard kiesewetter
Zeil — Der „Freedomday“ er ist beim Zeiler Oculi-Markt mehr als augenfällig: Keine Maske weit und breit, und die Menschen in der Zeiler Hauptstraße dicht an dicht. Als hätte es Corona nie gegeben. In Massen pilgern die Besucher über die Krumer und die Sander Straße auf diesen ersten Frühjahrsmarkt in der Region, die altbekannten Marktstände reihen sich in der Oberen und ab dem Marktplatz Richtung Bamberger Straße aneinander. Die Marktbeschicker zücken die Geldbeutel. Mit der Sonne ist Kauflaune da.
Ein derart buntes Gewusel, derart schönes Frühlingswetter und derart gute Stimmung auf den Straßen haben die Zeiler lange nicht erlebt. Der Oculi-Markt, der Frühlingsanfang und der „Freedomday“, ab dem viele der Corona-Maßnahmen wegfallen, sie ziehen am Sonntag Tausende in die Fachwerkstadt. Die Innenstadt wird zur Fußgängerzone mit einem Blütenmeer am Marktplatz. Nicht nur die Frühlingsblüher gehen gut, auch Osterdeko, Kleider, Taschen, Genähtes und der frische Fisch aus Kronach. Die Hobbystrickerin verkauft Handstulpen, selbergestrickte Socken und Schals. Alles Sachen, die man auch im Internet bekommen kann. Aber die Freude am Hier und Jetzt lässt den Euro aus der Tasche springen. „Servusla!“ Begrüßungen rechts und links. Gesprächsfetzen: „Wie lange haben wir darauf gewartet, dass es endlich wieder einigermaßen normal zugeht?“, ein Besucher aus Bramberg strahlt und plaudert: Eigentlich hatten er und seine Frau nur schauen und das Bummeln genießen wollen. Am Ende trägt er beide Hände voll Pflanzen zum Auto, während sie noch kurz nach neuen Sommerschuhen schaut.
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen…
„Da is die Hölle los, da müss mer noch hin,“ ein Satzfetzen im Vorbeigehen, eine Frau zieht ihren Mann Richtung Hauptstraße, sie kommen von der Sander Straße her. Da ballen sich ebenfalls die Fahrzeuge und die Menschen auf dem Gehsteig. Denn das große Werksverkauf-Zentrum ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Nur wenige der alten Mieter haben sich halten können. Corona hat Lücken gerissen. Für das Wochenende präsentieren sich hier Anbieter, das Publikum flaniert durch die Halle. Ziel ist hinten der große Parkplatz. Bier und Burger, Wein und Bratwürste, des Franken liebster Platz ist draußen auf den Bierbänken. Wenn dann noch eine Band wie „Die Rossinis“ aufspielt, singt nicht nur der Bratwurstbrater den Text mit, da greifen sich auch die Fans der Musiker die Banknachbarin, und schon schwoofen drei Paare auf dem Platz herum. Die Zeit mit Corona war anstrengend, aus dem Trio ist ein Duo geworden, und auch wegen dem Ukraine-Krieg möchte man im Grunde weinen und sich Sorgen machen, doch heute, für diese paar Stunden im Freien unter dem blauen Himmel, da ist jetzt greifbar: die pure Lebensfreude.
Der Sonntag bildet tatsächlich eine Wiedergeburt. Zwei Jahre Corona haben dem Traditionsmarkt und den Menschen nichts anhaben können. Den Handel gab es schon immer in Zeil. Lamprecht von Brunn, Bischof von Brixen, Speyer, Straßburg und Bamberg ließ die Zeiler machen: 1379 durften sie eine Mauer um ihre Siedlung ziehen, die Einwohner wurden von Fronleistungen befreit und es gab erstmals ein Stadtgericht – was dem Stadtrecht gleichkam. Auf Bitten des Bischofs genehmigte König Wenzeslaus den Zeilern 14 Jahre später drei Märkte innerhalb ihrer Mauern. Den Oculi-Markt in der Fastenzeit allerdings gibt es erst seit 1447. Verantwortlich für dessen Einführung war damals Bischof Anton von Rotenhan.