Eckehard Kiesewetter

Das Virus lässt locker, und Bund und Länder haben in Aussicht gestellt, die Restriktionen in Sachen Pandemie schrittweise zurückzufahren. Vorausgesetzt, die Teilnehmer sind geimpft oder genesen, werden zu kulturellen Veranstaltungen jetzt wieder maximal 25 000 Besucher zugelassen – Zahlen, die bei Konzerten und Festivals in der Region unvorstellbar erscheinen. Der Coburger Schlossplatz als größte Konzert-Location im näheren Umfeld wäre mit 15 000 Gästen ausverkauft. So viele schmachteten zu Whitney Houstons „I will always love you“, machten Mark Fosters Disput zwischen „Bauch und Kopf“ zu einem Massenchor oder geleiteten „Unheilig“ auf der Abschiedstour in die „Große Freiheit“.

Doch es muss ja nicht gleich in die Vollen gehen. Überhaupt wieder Konzerte mit erweiterten Kapazitäten planen zu können, lässt Kulturschaffende wie Gaby Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg durchatmen. Für den August hat sie beim HUK-Open-Air in der Vestestadt immerhin Superstars wie James Blunt oder Sarah Connor an der Angel.

Die kleineren Schauplätze

Zu den Liedern auf Schloss Banz sind an beiden Tagen jeweils maximal 4300 Zuschauer zugelassen. Ebenfalls eine Nummer kleiner, was die Menschenmassen anbelangt, dafür aber diesmal mit neun Konzertterminen bestückt, ist das von der Memmelsdorfer Firma Rösler als Hauptsponsor subventionierte Festival auf Schloss Eyrichshof . An zehn Tagen vom 22. bis 31. Juli können sich Musikfans auf unterschiedlichste Stars, Gruppen und Auftritte freuen.

Veranstaltungen in fast ununterbrochener Reihenfolge, nur hinter dem Samstag, 23. Juli, steht noch ein Fragezeichen. „Das ist unglücklich gelaufen“, sagt Gaby Heyder. „Geplant, gebucht und gleich wieder rausgenommen. Halt wie so oft in den letzten beiden Jahren.“

Bei den Freilichtveranstaltungen 2020 und ’21 gab es „zwei Verschiebungen Minimum“, doch bei manchen der Hallenkonzerte zählte sie bis zu fünf Terminänderungen. „Manchmal verliere ich selber den Überblick“, gesteht die Konzertveranstalterin mit jahrzehntelanger Erfahrung angesichts all der Stornierungen und Umbuchungen.

Erst jüngst hatte Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein Konzert musste abgesagt werden, weil ein Ensemblemitglied sich infiziert hatte. „Das kann uns bei den hohen Infektionszahlen jetzt noch eine ganze Zeit lang begleiten“, glaubt Heyder.

Positiv überraschte sie, dass es gelungen ist, für das Festival im Eberner Stadtteil sämtliche Termine aus den letzten beiden Jahren sogar in der Original-Reihenfolge ins Konzertjahr 2022 zu „verpflanzen“.

Von Samstag, 23., bis Montag, 25. Juli, läuft zudem das Eberner Altstadtfest. Bedenken, das Publikum auf dem Lande mit einer Veranstaltungsflut zu überfordern, hat Heyder nicht. Sie baut auf den Nachholbedarf. Viele Tickets seien schon 2019 oder ’20 gekauft worden, so dass deren Preis die Menschen nicht mehr finanziell belasten dürfte. Das Programm sei außerdem so vielseitig, dass es für jeden Geschmack etwas biete. Viele kämen von außerhalb und kaum jemand werde an allen Abenden dabeisein.

Der größte Zuspruch zeichnet sich für Tickets der Rammstein-Coverband „Stahlzeit“ ab. Beim Konzert der Brachial-Rocker wird der Schlosshof wohl ausverkauft sein. Sonst rechnet Gaby Heyder im Schnitt mit einer Auslastung von 75 Prozent.

Kommentare bei Facebook belegen es: Die Musikfreunde fiebern dem Sommer entgegen. „Geil, geiler, am geilsten“ heißt ein Kommentar vor dem Gig von „In Extremo“, und auf Michl Müller freuen sich ganze Familien mit der Perspektive „Endlich mal wieder richtig lachen“. Das wird ein Super-Start in die Sommerferien , freut sich ein Gymnasiast „besonders auf die härteren Sachen“, während seine Mama „eher dem Fendrich“ entgegenfiebert. Warum? „Weil er a Herz hat wiea Bergwerk!“, sagt sie, summt und grinst.