Michael Busch Kleider für Tanzformationen, Kostüme an der Nürnberger Oper, schicke und maßgeschneiderte Stoffe für die Dame - das ist die Welt von Felix Flechtner. "Doch da geht momentan leider gar nichts", bedauert der Maßschneider aus Herzogenaurach. Corona hinterlässt bei seiner Leidenschaft Spuren. Selbst, wenn er das eigene Atelier bei sich in der Wohnung hat, beim Maßschneidern gehört der Kunde einfach dazu, der entsprechend vermessen gehört, um passgenau zu arbeiten.

Wenn Felix Flechtner von seinem Beruf spricht, hört man die Beziehung zu seinem Beruf. Spaß an der Sache, leben eines Traums, mehr Berufung als Beruf. Der Zwangsstopp in Corona-Zeiten ist nicht einfach. Das Wortspiel an dieser Stelle sei erlaubt: Flechtner wäre kein Maßschneider, wenn er sich nicht auch seine Situation maßschneidern könnte.

Der gelernte Damenschneider arbeitet momentan mit deutlich weniger Stoff. Aber weiterhin mit Herzblut. "Die treibende Kraft war meine Hilfsbereitschaft, ich wollte auf alle Fälle helfen", sagt der 22-Jährige. Aufgefallen ist ihm, dass das Thema Mundschutz, vor allem der fehlende Mundschutz eine große Rolle spiele. Und damit war die Idee geboren. Ministerpräsident Markus Söder spricht von der sogenannten Community-Maske, die in Zukunft eine wichtige Rolle spielen soll. Es geht also nicht um eine medizinische Mund-Nase Maske, die im klinischen Bereich eingesetzt wird. Das ist auch Flechtner wichtig: "Diese Maske schützt vor allem die Anderen sich bei dem Träger der Maske anzustecken." Als Schutz vor einer Infektion durch andere sind diese Masken nicht gedacht. Es sind aber die Masken, die laut der Staatsregierung beim Aufeinandertreffen in der Öffentlichkeit, also Nahverkehr oder Einkaufsgelegenheiten, von den Bürgern getragen werden sollen.

Eine Idee im Kopf

Für Flechtner hieß es am Anfang erst einmal recherchieren: "Welche Materialien kann ich verwenden? Wie sieht der optimale Schnitt aus? Wie ist der Stoff dem Gesicht anzupassen?" Der erste Prototyp war dann schnell entstanden. "Ich bin jemand, der seine Ideen immer im Kopf hat. Ich bin kein guter Zeichner und das bringe ich nicht so auf das Papier, wie ich es mir vorstelle." Er setzt die Idee gleich in ein Schnittmuster um und fängt gleich an zu nähen.

Die "Passformoptimierung", sei dann das, was seine eigentliche Tätigkeit ausmache. "Das ist das, was wir im Grunde immer machen." Und auch die Maske soll dem entsprechen, so der eigene Anspruch. Dazu gehöre eben der Sitz, aber auch die optimale Möglichkeit zu atmen. Fragen, die dann beantwortet werden, ist zum Beispiel der Sitz bei Brillenträgern, die Frage von Druckstellen, die optimale Befestigung wie zum Beispiel einen Nasenbügel, der nicht nur für Stabilität, sondern auch einen guten Sitz vorhanden ist.

Sein Vorteil: In seinem Atelier kann er frei arbeiten. Sowohl zeitlich als auch in der Produktion, die er zusammen mit seiner Mutter bewältigt. "Der Hintergedanke war nicht, dass dies jetzt ein profitables Geschäft wird", sagt Flechtner. Aber es hilft ihm als Selbstständigen eine schwierige Zeit zu überbrücken. Gut 800 Masken hat er bisher genäht. Auf Vorrat liegt nichts, wer eine Maske haben möchte, muss diese bei ihm bestellen. Unterschiedliche Stoffe von bunt bis unifarben - auch Einhörner gibt es - erlauben eine vielfältige, individuelle Maske. "Wenn ich gut durcharbeiten kann, schaffe ich etwa 50 bis 60 Masken am Tag." Und Flechtner erklärt weiter: "Es sind gut 20 Arbeitsschritte, die in einer Maske stecken."

Trend für die Zukunft?

Und es gibt natürlich auch Pflegetipps. Die Waschmaschine mit 90 Grad sei eine Möglichkeit, eine andere einfachere Möglichkeit gibt es auch: "Einen Topf mit Wasser zum Kochen bringen, Maske rein, ein paar Minuten ziehen lassen und trocknen." Der Experte schmunzelt und erklärt, dass dies eine gute Möglichkeit ist, auch weil es schonender für den Nasenbügel ist. Das solle auch nicht zu selten geschehen, die Maske verliert ihre Schutzfunktion, wenn sie durch die Feuchtigkeit des eigenen Atems nass wird. Wichtig sei es, dass die Masken aus reiner Baumwolle bestehen, Elastan sollte nicht enthalten sein.

Natürlich trägt der Herzogenauracher auch die Maske, wenn es zum Einkaufen geht. Er weiß, dass es gewöhnungsbedürftig ist. "Ich glaube, da muss in der Gesellschaft auch noch viel passieren, dass man nicht schräg angeschaut wird, wenn man mit Maske unterwegs ist." Optimistisch schaut er in die Zukunft. "Irgendwann wird es mit Corona hoffentlich vorbei sein, aber es kann durchaus sein, dass sich diese Masken auch als modisches Accessoire durchsetzen werden."

Gestartet hat Flechtner mit einem interessanten Geschäftsmodell: "Der Kunde sollte zahlen, was ihm die Maske wert ist." Zwischen 4,50 Euro (Materialwert) und 15 Euro haben sich die Zahlungen befunden. Doch nun hat er einen Festpreis für seine Maske. "Es ist ein Handwerk und wir sollten bewusstmachen, dass Handwerk etwas wert ist, das gilt auch für andere Gewerke." Das kann man nur unterstreichen, vor allem, wenn es sich um die Gesundheit handelt.