"Das ist schon eine Nummer!" Robert Martin, der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, ist ganz angetan, als er hört, dass die Stadt Hallstadt in Eigenregie eine Photovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 750 Kilowatt peak (kWp) errichten will. "Das wäre meine Wissens die größte kommunal betriebene Anlage im Landkreis", sagt er aus dem Stegreif. Das könne man durchaus als vorbildlich bezeichnen.

Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU) gibt sich da bescheidener. "1500 Kilowatt wären ideal", sagt er - und auch möglich gewesen, hätte man das gesamte Areal der ehemaligen Mülldeponie Ganz im Norden der Stadt für die geplante Anlage ins Auge gefasst. Das hätte sich wirtschaftlich in zehn Jahren gerechnet, so Söder. 750 kWP seien dagegen betriebswirtschaftlich kaum darstellbar. Demnach würde sich das Projekt erst nach etwa 20 Jahren amortisieren - was in etwa der Laufzeit einer Photovoltaikanlage entspricht.

"Die Begrenzung hat einen großen Vorteil", merkt Robert Martin dazu an. Denn Anlagen über 750 kWp müssen erst in ein Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur. Die Entscheidung für die geringere Größe hat in Hallstadt dem Bürgermeister zufolge aber hauptsächlich einen anderen Grund. Von den rund dreieinhalb Hektar Fläche der ehemaligen Deponie steht nur gut ein Hektar zur Verfügung. Denn auf dem Gelände nahe der Autobahn, zwischen Leitenbach und Bösengraben, sind nach der Sanierung der Mülldeponie, die 2005 abgeschlossen wurde, diverse Biotope entstanden. Diese wolle man, in Absprache mit der Naturschutzbehörde, auch erhalten.

"Die aufwendige Renaturierung ist offenbar so gut gelungen, dass jetzt nur ein Teil der Fläche nutzbar ist", sagt Söder ohne zu klagen. Denn der Naturschutz sei genauso wichtig, wie der Umweltschutz.

Auch preislich kommt man günstiger weg. 1,8 Millionen Euro hätte Hallstadt für eine doppelt so große Anlage in die Hand nehmen müssen. Jetzt wird man wohl unter einen Millionen bleiben, obwohl die Kosten für den Anschluss ans Netzt in beiden Versionen mit etwa 340 000 Euro anzusetzen sind.

Die Stadt Hallstadt betreibt bereits zwei PV-Anlagen selbst, die allerdings wesentlich kleiner sind: eine bei der Freiwilligen Feuerwehr mit knapp 100 kWp und eine auf dem Bauhof mit gut 46 kWp. An zwei weiteren mit jeweils gut 40 kWP - auf dem Seniorenzentrum und auf der Schule - ist sie beteiligt.

Sonnenstrom noch ausbaufähig

Angesichts einer Nennleistung von rund 136 000 kWp aller im Landkreis Bamberg zum Jahresende 2019 installierten Photovoltaikanlagen ist auch die nun geplante ein kleiner Fisch, aber für die Energiewende und den Klimaschutz dennoch ein wertvoller Beitrag, meint Robert Martin. Denn die Solarenergie ist derzeit fast die einzige Möglichkeit, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromgewinnung weiter auszubauen.

Wasserkraft und Biomasse sieht er durch den Klimawandel mit trockenen Sommern direkt gefährdet. Und Windkraft, die momentan mit etwa 33 Prozent im Landkreis noch den größten Anteil an den Erneuerbaren ausmacht, ist durch die bayerische 10-H-Abstandsregelung praktisch ausgebremst. Sonnenenergie lieferte mit einem Anteil von 29 Prozent an den Erneuerbaren im vergangenen Jahr im Landkreis fast 24 Prozent des gesamten Strombedarfs.