Bernhard Panzer

Es ist gar nicht so einfach, die Umwelt zu schützen. Der blanke Wille allein hilft da nicht, und selbst wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind, hält der Gesetzgeber manchmal hohe Hürden vor. So ist es beispielsweise im Bereich der Klärschlammverwertung - eine Aufgabe, die zurzeit viele Kommunen beschäftigt und auch für Herzogenaurach zu einer Herausforderung wird.

Kürzlich hat der Stadtrat beschlossen, auf dem Gelände der eigenen Kläranlage eine Trocknungsanlage zu bauen. Damit will man erreichen, dass der hohe Feuchtigkeitsgehalt im Klärschlamm schwindet, das Material somit leichter wird und eine Entsorgung für die Stadt kostengünstiger kommt als bisher.

Notwendig sind die Maßnahmen schon deshalb geworden, weil die Preise für die Verbrennung seit Jahren stetig ansteigen.

Zwei Millionen Euro kostet so eine Anlage, die sich nach ein paar Jahren auch schon rechnet. Diese Investitionen schont aber nicht nur auf Dauer den städtischen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Denn die Zahl der Transporte des Klärschlamms in die Verbrennungsanlagen kann deutlich verringert werden. Freilich hat die Stadt andere Umweltziele, denn sie würde solche Fahrten gerne überhaupt verhindern.

Christian Bendler, Tiefbauchef im Herzogenauracher Rathaus, hat das schon im Stadtrat ausgeführt. Ideal wäre es, wenn der zu Pellets getrocknete Klärschlamm auf eigenem Gebiet verwertet werden könnte. Vorschläge, diesbezüglich mit den hiesigen Betreibern von Biogasanlagen zu sprechen, waren in der Sitzung des Stadtrates bereits gemacht worden. Für Bendler aber wäre eine andere Nutzung sinnvoller: die Verbrennung beispielsweise in einem Blockheizkraftwerk vor Ort.

Die entstandene Wärme könnte dann ins Fernwärmesystem eingespeist werden. Klingt gut und schlüssig, ist so einfach aber wohl nicht zu machen. Denn da kommen dann die gesetzlichen Vorgaben ins Spiel, denn es würde ja Abfall verbrannt. Man bräuchte Filter und die Begeisterung der Bürger, so eine Anlage vor der Tür zu haben, wäre sicher auch nicht die größte. Dennoch müsse es das Ziel bleiben, lange Fahrtstrecken zu anderen Verbrennungsorten zu vermeiden, weiß Bendler.

Stadt ist keine Firma

Das wollen zum Beispiel auch die Kommunen im Landkreis Bamberg, die auf der Standortsuche für eine Klärschlammtrocknung sind. Bis vor kurzem war eine Lösung auch schon gefunden, doch der Rat der hierfür ausgewählten Gemeinde Strullendorf sprach sich mehrheitlich dagegen aus und machte dem Ansinnen somit einen Strich durch die Rechnung.

Könnte da nicht Herzogenaurach eine Alternative sein, die nicht in allzugroßer Entfernung liegt? Immerhin baut die Stadt ja für zwei Millionen Euro eine eigene Trocknung.

Bendler ist da nicht nur skeptisch, sondern müsste eine solche Möglichkeit ablehnen. Dabei stehen ja viele Kommunen derzeit vor ähnlichen Problemen. Kaum stand in der Zeitung, was die Stadt vorhat, schon habe es Anfragen von außen gegeben, berichtet der Tiefbauchef. Doch die Stadt dürfe fremdes Material zur Verwertung gar nicht annehmen. Die Kommune sei keine Firma, das Thema Abwasser werde über Gebühren der Bürger von Herzogenaurach finanziert, man dürfe das nicht vermischen. Was noch bliebe, wäre ein Zweckverband, in dem sich mehrere Kommunen zusammenschließen würden. Doch bis ein solches Unterfangen realisiert werden könnte, das würde dauern.

Also konzentriert sich die Stadt zunächst auf den eigenen Klärschlamm. Und hat weiter das Ziel, die langen Fahrten nicht nur zu verringern, sondern zu vermeiden. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung. Spätestens in zehn Jahren, so verlangt es der Gesetzgeber, braucht es bei der Klärschlammbehandlung auch eine Phosphatrückgewinnung. Bis dato ist das Neuland, es gibt bundesweit nur eine große Pilotanlage, Erfahrungen fehlen vollends.

Aber auch in diesem Bereich sollte die Option geprüft werden, auf der eigenen Anlage aktiv zu werden und eine kleine Variante vor Ort zu überlegen, meint Bendler.