Coronabedingt formierte sich am Höchstadter Kerwamontag nicht wie sonst üblich ein Kirchenzug, und Stadtpfarrer Kilian Kemmer konnte nur eine überschaubare Menge von Gläubigen auf dem Kirchplatz begrüßen, was bestimmt auch dem relativ kühlen Wetter zuzuschreiben war. Georg Römer untermalte den Gottesdienst mit seinem Sopransaxofon.

Der Stadtpfarrer betonte: "Die Kirchweih fällt nicht aus, und diesmal feiern wir besonders den Ursprung und das Wesen der Kirchenweihe." In seiner Festpredigt ging er auf das unter den Tisch gefallene Jubiläum 75 Jahre Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg ein. "Wir sind froh, dass wir in unserem Land im Frieden leben können, aber der Ausblick im Moment muss uns sorgenvoll stimmen. Wie kann man im Angesicht des Weltgeschehens den Frieden erhalten und wie geht es wohl weiter?", fragte er.

An den Zweiten Weltkrieg habe sich der kürzlich verstorbene Alfred Wahlrab in einem Gespräch mit Kemmer erinnert. "Wir haben bei den Luftangriffen im Keller gemeinsam den Rosenkranz gebetet und so die Krisenzeit durch das Gebet gemeinsam gemeistert", habe der frühere Uhrmacher berichtet.

Als 1633 die Stadt von den Schweden fast dem Erdboden gleichgemacht wurde - nur etwa zehn Familien hatten überlebt - habe ja so gut wie kein Gebet etwas geholfen. "Wie konnte Gott trotz vieler Gebete das Unheil nicht abwenden?", fragte Kemmer in die Runde. Erst 1693 erfolgte das Gelöbnis, jährlich nach Dettelbach zu pilgern, und es wird seitdem aufrechterhalten. "Und seitdem wurde die Stadt von Unheil verschont." Auch in diesem Jahr war Kilian Kemmer zusammen mit Bürgermeister Gerald Brehm (JL) nach Dettelbach gepilgert und hatte das Gelöbnis im Namen der ganzen Stadt erneuert.

Das eigentliche Kirchweihfest

"Was rettet uns heute aus der Krise?", fragte er. "Wirf alle deine Sorgen auf Gott", schlug er vor. "Seien wir dankbar den Politikern, aber auch den Vertretern im Gesundheitswesen und den Verantwortlichen, die unsere Versorgung aufrechterhalten", ermahnte er.

"Gott hält immer seine Türen offen, egal, wann wir anklopfen!" Wichtig sei es, dass auch heute, in dieser schwierigen Zeit, die alte Tradition der Kirchweih erhalten werde. "Natürlich fehlen Karussell, Bier, Geselligkeit und mehr", bedauerte er. Aber die Einladung ins Gotteshaus bestehe weiter, sodass alle dorthin kommen können, um ihren Glauben und das eigentliche Fest der Kirchweih zu feiern. Das helfe, das zu überwinden, was wehtut. Christus der Gekreuzigte lade uns mit offenen Armen ein mit den Worten: "Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!" Der Gottesdienst endete mit dem gemeinsam gesungenen Lob- und Danklied "Großer Gott, wir loben dich".