Weihnachten naht, alle Geschenke sind hoffentlich gekauft und verpackt. In Zeiten von Corona tritt vor Weihnachten eine ungewohnte Entschleunigung ein. Im Vergleich dazu war das Fest in den vergangenen Jahren meist von Hektik begleitet. Aber wie wurde Weihnachten zu Zeiten gestaltet, als unserere Großeltern im Kindesalter waren?

In dieser Zeit wurde der Advent als Fastenzeit begangen, auch den Heiligen Abend behielt man noch als Fast- und Abstinenztag, das Mittagessen war daher oft etwas später. Am Nachmittag schickten die Eltern ihre Kinder meistens zum Spielen nach draußen, damit der Weihnachtsbaum aufgestellt und die Geschenke darunter platziert werden konnten.

Der Christbaum, meist eine Fichte, wurde nicht gekauft, sondern selbst irgendwo aus dem Wald geholt. Auch wenn es sich dabei um ein noch so unansehnliches Exemplar handelte, konnte er durch das Einsetzen von Ästen zu einem Prachtbaum verschönert werden. Das Aufstellen und Schmücken übernahmen die Eltern oder ältere Geschwister erst am Heiligen Abend.

Schon in früheren Zeiten holten die Menschen das Grün von Nadelbäumen ins Haus, um Dämonen fern zu halten und den Frühling heraufzubeschwören. Auch der immergrüne Tannenbaum oder die Fichte sind als Symbol des Lebens anzusehen. Ihre Verwendung kam in unserer Gegend erst Ende des 19. Jahrhunderts auf, fand sich dann aber in nahezu jeder Familie.

Der Baum war mit Stroh- und Papiersternen, vergoldeten Nüssen und Äpfeln behängt worden. Auch Zuckerringe, Marzipanreiter, Anisplätzchen befanden sich darauf, Lametta, "Docken", Vögel aus geblasenem Glas, "Engelshaar" und Perlenketten lockerten das Ganze auf. Einen Blick durch das Schlüsselloch in die gute Stube zu erhaschen, war verboten, denn: "Wennsd neischausd, schdichds diä die Aung raus".

Die Feier spielte sich in der guten Stube ab, die nur zu besonderen Anlässen genutzt und beheizt wurde. Da die Rohre des Kachelofens wegen des besseren Aussehens neu mit Silberbronze gestrichen worden waren, qualmte dieser erst einmal sehr. "In der guten Stube hat man sich eigentlich gar nicht wohl gefühlt", erinnern sich viele ältere Menschen.

War der Heilige Abend endlich gekommen, so stand die ersehnte Bescherung an. Wenn die Kerzen am Baum angezündet waren und die Glocke ertönte, begab sich jeder in die gute Stube. Für die Kinder stellte sich die Frage: "Was ist neu, was gehört dir?"

Neue Kleidchen für die Puppen

Für die Mädchen waren die Puppen vom Vorjahr repariert worden und sie hatten neue Kleidchen genäht bekommen, die Kissen waren neu überzogen und der Puppenwagen konnte mit neuen Vorhängen aufwarten. Auch die Puppenküche hatte neue Ausstattungsstücke bekommen. Wo vorhanden, war das Sortiment im Kaufladen und in der Apotheke wieder aufgefüllt worden und das Kasperltheater hatte neue Kulissenbilder. Für die Jungen war die Burg wieder aufgebaut worden, auch erhielten sie in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg neue Soldaten.

Im Familienkreis wurde die Weihnachtsgeschichte vorgelesen und ein Lied, meist "Stille Nacht, heilige Nacht!" gesungen. Die "Podli" konnten ein Geschenk ihres Paten erwarten. "Es wurde geschenkt, was gebraucht wurde", war die allgemeine Leitlinie.

Die Kinder erhielten oft einen Teller mit Plätzchen und Nüssen, darunter sogenannte "Marzipanreiter", eigentlich Reiter oder Springerle. Dieses Gebäck wurde von den Bäckereien aus einer Art Lebkuchenteig gefertigt mit Zuckerglasur überzogen sowie mit farbigem Zucker dekoriert. Aus diesem Verfahren hat sich vermutlich die Charakterisierung als Marzipan entwickelt. Nach der Bescherung aß die Familie gemeinsam zu Abend. Es gab allerdings nichts Aufwendiges. Anschließend ging man in die Mette, die entweder um 22 Uhr oder um 24 Uhr gefeiert wurde.

An den Feiertagen gab es natürlich Gänsebraten mit Klößen und Kraut. Der Vogel wurde allerdings schon am Heiligen Abend gebraten. Der Duft zog durchs ganze Haus und vermischte sich mit dem Harzgeruch der "Buzzlkieh", die auf dem Ofen zum Trocknen aufgelegt worden waren. Diese gaben beim Aufplatzen immer ein knackendes Geräusch von sich, das in der andächtigen Stille gut zu hören war.

Nach Dreikönig wurden Theater, Puppen, Kaufladen etc. wieder weggeräumt und die Kinder konnten sich auf das nächste Weihnachten freuen.