Es waren die 50er Jahre, als Rolf Celassny Berufsmusiker im Coburger Café Renner gewesen ist. Als er 1954 einen jungen Nachwuchsmusiker unter seine Fittiche nahm, rechnete er wohl nicht damit, dass der die nächsten 65 Jahre in unzähligen Bands und Kapellen aufspielen würde. Denn der junge Mann war ja kein Berufsmusiker wie Celassny. Musikversessen war er aber schon - und er ist es noch heute. Otto Schindler ist über 80, aber "kein bisschen leise", wie er in einem netten Vierzeiler über sich selbst schreibt.

Celassny unterrichtete Otto Schindler an der Gitarre. Gleichzeitig ließ der sich aber auch am Saxophon ausbilden. Hugo Kolbe, damals am Landestheater Coburg tätig, schulte ihn auf diesem Instrument. Zur Gitarre kam der Bass, das Saxophon blieb eines seiner Lieblingsinstrumente. Akkordeon, Keyboard, Mundharmonika kamen dazu - und die Teufelsgeige. Die hat er sich selbst gebaut und hütet sie bis heute wie seinen Augapfel. "Da haben sie mir schon 300 Euro dafür geboten, aber die gebe nicht einmal für 1000 her", sagt er, probiert sie aus und freut sich: "Die funktioniert immer noch tadellos!"

Wenn Otto Schindler erzählt, dreht sich natürlich alles um die Musik. Aber gleichzeitig geht es um Musiker. Freunde, mit denen er in all den Jahren auf der Bühne gestanden ist. Und es waren große Bühnen dabei - wie die Freiheitshalle in Hof zum Beispiel. "Wenn ich zusammenzähle, dann habe ich mit 41 Musikern zusammen musiziert. Davon leben heute noch 19", sagt er.

Da waren die Weitramsdorfer Musikfreunde Heinz "Kapper" Spielmann, Albin Becker und Rolf Ludewig, mit denen Otto Schindler spielte, oder die Blaskapelle und die Stadtkapelle Seßlach. Hier nennt er Georg Hack, Georg "Schipp" Brückner, Erwin Karl, Adam und Alfred Büchs. Als "Blaue Jungs" aus Neundorf spielte Otto Schindler mit Winfried Trinkerl und Peter Kraus auf. Und natürlich war da die Combo "c 5", zu der neben ihm Peter Böhm, Klaus Gömmel, Karl Mönch, Kurt Wieland, Jürgen Pfannenschmidt, Harald Birk und Horst Bauer gehörten. Bauer spielte bei der damaligen Superband "Victory", gründete später "Magic" und die "Banzgauer Zipfelkappen". Als die "Gentlemen" von Gemünda zog Otto Schindler mit Mario und Toni Kreisel, Jürgen Pscherer, Thomas Schmidt und Norbert Kestel über die Bühnen. Und heute? Heute gehört Otto Schindler neben Harald Günzel und Josef Neudert zum Tambachtal-Trio. Und seine Freude an der Musik ist ungebrochen.

Bei so viel Musik bleibt doch keine Zeit für andere Sachen, möchte man meinen. Doch Otto Schindler gehört zu den Menschen, die es irgendwie schaffen, sich an vielen Stellen zu engagieren. So ist er Ehrenmitglied im Gesangverein, im Gartenbauverein und bei den Backhausfreunden in Altenhof und seit 50 Jahren gehört er der CSU an.

Für einen Musiker wie Otto Schindler ist der Lockdown hart. Doch er denkt schon an die Zeit danach. "Nach der Coronazeit ist ein Wirtshaus-Singen mit dem Gesangverein Altenhof und dem Tambachtal-Trio in der Johannisklause Altenhof geplant", sagt er und die Freude darauf ist ihm anzumerken.

Doch bis dahin ist noch Zeit. Und auch das Backhausfest, das zu den Höhepunkten im Altenhofer Veranstaltungskalender gehört, ist noch in der Schwebe. Schließlich weiß heute noch keiner, was im Sommer erlaubt ist und was nicht.

Inzwischen bleibt Otto Schindler aber ein gigantischer Schatz an Erinnerungen. Etwa an den Auftritt in der Faschingszeit in Tettau. Die Stimmung war grandios. Bis in die frühen Morgenstunden wurde fröhlich gefeiert. "Dann mussten sie uns ein Hotel suchen, weil wir nicht mehr weg konnten, wir waren eingeschneit", erzählt er. Und das war nicht das einzige Mal, dass der Band so etwas passierte. Heute kaum noch vorstellbar.

Und wenn er schon so schön im Erzählen ist, da legt er doch eine CD ein. Auf der ist der Mitschnitt einer Faschingsveranstaltung aus dem Jahr 1985 in Unterlauter verewigt. "Die Qualität ist nicht so gut, wir haben einfach ein Mikro aufgestellt und alles aufgenommen", erinnert er sich. Dann lauscht er und wenn das Saxophon-Solo kommt, hebt er den Zeigefinger, "da, jetzt spiel ich allein", sagt er. Qualität hin oder her, auch nach fast 36 Jahren lässt sich die ausgelassene Stimmung spüren, die damals herrschte.

"Livemusik ist da einfach was anderes, da kommt ganz andere Stimmung auf", sagt Otto Schindler. Aber Veranstaltungen wie in den 80ern sind selten geworden. Und junge Leute wundern sich vielleicht, wenn ihre Eltern vom Tanz in Rossach, in Meeder oder beim Grah in Weidhausen erzählen und dabei ganz verklärt schauen. Aber solange es Musikbegeisterte wie Otto Schindler gibt, wird auch die Livemusik nicht aussterben - und hoffentlich bald wieder möglich sein.