Am 5. November berichteten wir unter der Überschrift "Schlägerei endet im Krankenhaus" über einen Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung am Amtsgericht Bamberg. Bereits zum Auftakt zeichnete sich eine schwierige Beweisaufnahme ab. Die beiden Angeklagten stritten einen Angriff ab, sprachen davon, sich selbst nur gewehrt zu haben. Dafür sprach, dass das angebliche Opfer der Attacke, ein Syrer aus Göppingen, erst gar nicht als Zeuge vor Strafrichterin Isabell Martin erscheinen wollte und man ihn unter Androhung einer polizeilichen Vorführung dazu bewegen musste, ins Amtsgericht zu kommen.

Um der Wahrheit näherzukommen, hatte einer der Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Barthelmes aus Bamberg, zuletzt umfangreiche Anträge gestellt. Es ging um spurentechnische Untersuchungen, nicht etwa an der vermeintlichen Tatwaffe, einer zerbrochenen Glasflasche, die wie so viele andere Dinge vom Tatort verschwunden war. Vielmehr interessierten ein Teleskop-Schlagstock und eine Wodka-Flasche, auf der man auf Seiten der Verteidigung die Fingerabdrücke und DNA-Reste des angeblichen Opfers und das Blut eines der Angeklagten vermutete. Außerdem stand die Vernehmung weiterer Verwandter des Syrers im Raum, darunter auch eines Cousins, den man aus Schweden herbeischaffen hätte müssen. "Mit der Einstellung hat man das Verfahren pragmatisch gelöst", so Rechtsanwalt Barthelmes. Sein Mandant habe die Geldsumme akzeptiert, um weiteren Ärger und das Rest-Risiko einer Verurteilung abzuwenden.

Nun wurde das Verfahren gegen die zwei Männer aus Bamberg ohne einen weiteren Fortsetzungstermin auf dem Bürowege eingestellt. Dies teilte Gerichtssprecherin Monika Englich mit. Nur einer der Angeklagten (43) muss eine Geldauflage von 1000 Euro zugunsten des Vereins Lifeline Bamberg bezahlen. Dem anderen (28) bleibt wegen geringer Schuld selbst das erspart. Er hatte eine bei dem Vorfall zu Bruch gegangene Glasscheibe in der Haustür kurzerhand selbst repariert. Damit bleibt das Geschehen jenes Maiabends 2019 in der Gereuth wohl für immer ungeklärt.