Als die Rentner Gabrile und Peter vor ein paar Wochen durch den Hain liefen, machten sie einen Fund - ein faustgroßer, bemalter Stein: glatt, vorne gelb, mit dem Wort "Hope" (englisch für "Hoffnung") und einer gepunkteten Blume. Sie wussten zunächst nicht, was es damit auf sich hatte, fanden dann aber immer häufiger solche Steine.

So wie ihnen ging es seit letztem März immer mehr Franken. Damals hatte Maike Schiel die Gruppe Frankenstones gegründet. Sie bemalt Steine und versteckt sie. Andere finden diese, posten ein Bild davon in der Facebook-Gruppe und verstecken sie wieder. Mittlerweile hat die Gruppe über 13 000 Mitglieder. Auch Menschen aus Ungarn, den USA, Indonesien, der Elfenbeinküste und vielen weiteren Ländern machen bei Frankenstones mit. So wandern die Steine rund um die Welt.

Beginn der Gruppe

Geplant hatte das Maike nicht: Die Bambergerin war zufällig auf einen Facebook-Post der Elbstones gestoßen und gründete dann Frankenstones. Sie lud Freunde ein, in die Gruppe einzutreten und versteckte 50 Steine. Nach einem Monat wurden die ersten Steine gefunden, dann entwickelte es sich schnell zum Selbstläufer. "Das hat mich teilweise überfordert", berichtet die 45-Jährige.

Eigentlich gibt es nur eine einzige Regel bei Frankenstones: Nichts darf in der Umwelt zurückbleiben, also zum Beispiel keine aufgeklebten Wackelaugen. Wegen der Corona-Pandemie musste Maike nun aber neue Regeln aufstellen: Man soll keine Hotspots erzeugen, wo sich Menschenansammlungen bilden können und möglichst die Steine nicht anfassen, sondern nur fotografieren und liegenlassen.

Auch auf Facebook posten ist keine Pflicht: "Kinder freuen sich darüber, wenn ihre Steine gepostet werden. Aber mir ist es nicht so wichtig. Ich weiß ja auch so, dass es jemanden glücklich gemacht hat", sagt sie. Gabriele und Peter stellen keine Bilder auf Facebook, nur mit ihren Enkeln teilen sie die Fotos der Steine. Ihnen gab die neue Aufgabe etwas Schub für den Sport: "Wir sind beide 72, sich zu motivieren ist manchmal schwer. Aber jetzt freuen wir uns drauf. Es ist wie Ostereier suchen." Sie machten einen Wettbewerb daraus und laufen auch gerne nochmal einen Umweg für mögliche Verstecke.

Maike verbringt jeden Tag etwa eine Stunde mit dem Hobby und der Pflege der Facebook-Seite, am Wochenende sind es auch drei oder vier. Ihr geht es beim Bemalen nicht um die künstlerischen Fähigkeiten, es ist eher wie eine Mediation. Sie geht jeden Tag im Hain spazieren und normalerweise versteckt sie dabei Steine, genauso aber auch im Café, auf dem EC-Automat oder beim Einkaufen. Wegen der Corona-Krise legt Maike aber vorerst keine Steine aus - zumindest bis feststeht, ob das Virus über Oberflächen übertragen werden kann.

Steinflut nach der Pandemie

Warum machen die Menschen bei Frankenstones mit? "Man kann ein bisschen Glück teilen, Energie weitergeben, ohne dass man eine Gegenleistung erwartet", sagt Maike, für die das Bemalen und Verstecken im Vordergrund steht. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele gerne helfen und geben wollen, im Alltag diese Eigenschaft aber nicht verlangt wird. Hier können sie das ausleben." Durch die Ausgangsbeschränkung verbringen die Mitglieder jetzt viel Zeit damit, neue Steine zu bemalen: "Danach gibt es eine ganze Steinflut", lacht Maike.

Für andere wie Gabriele und Peter, aber auch viele Kinder, steht das Suchen im Vordergrund. "Man wird achtsamer dadurch", sagt Maike. Außerdem habe man einen Glücksmoment, wenn man einen Stein findet. Solche Kleinigkeiten werden oft unterschätzt, findet Maike: "Einmal bin ich mit Liebeskummer nach Hause gelaufen und habe einen Stein gefunden, auf dem stand: ,Liebe ist das, was du daraus machst." Ich konnte das gar nicht glauben und der Stein ist mir so wichtig, dass ich ihn bis heute behalten habe." Sie versteckt häufig in der Nähe des Klinikums, für Menschen, die einen Glücksmoment dringend brauchen. Viele legen nun auch für das Personal im Krankenhaus Steine mit Dankesbotschaften oder Mut-mach-Sprüchen aus.

Auch Gabriele und Peter schätzen die kleinen Glücksmomente: "Die machen gute Laune, allein schon wie viel Mühe sich jemand damit gemacht hat. Für ältere Menschen sind das Depressionsverhinderer."