Zu den Räumlichkeiten der imposanten Hornschuch-Villa Zutritt zu erhalten, ist etwas Besonderes. Doch wenn es nach Axel Klawuhn geht, wird zumindest in diesem Sommer dort reger Betrieb herrschen: Das Leben und Wirken von Fritz Hornschuch, der im Jahr 1900 in die väterliche Spinnerei in Kulmbach kam und diese zu einem Großbetrieb mit etwa 3500 Beschäftigten ausbaute, hat es dem Filmemacher Axel Klawuhn nämlich angetan. Schon seit längerem hegte er den Gedanken, dem Spinnerei-Unternehmer ein filmisches Denkmal zu setzen. Diese Idee wird nun konkret, erste Einblicke in das Filmprojekt gab es bei einem Pressegespräch.

"Wir wollen einen dokumentarischen Spielfilm über das Leben und Wirken von Fritz Hornschuch in Kulmbach und Mainleus drehen", verkündete Produzent Axel Klawuhn. Mit "wir" meint er das Team, das sich zur Realisierung des Filmprojekts gefunden hat: Martin Pöhner und Prof. Günther Dippold sind als wissenschaftliche Berater ebenso mit an Bord wie Historiker Wolfgang Schoberth, Unternehmer Sebastian Türk und Adrian Rossner, Doktorand zum Thema "Textilwirtschaft in Oberfranken". Die Ausarbeitung und Konzeption liegt in den Händen von Axel Klawuhn und Schauspieler und Regisseur Wolfgang Krebs, Kay-Uwe Rott arbeitet mit am Storyboard und ist Co-Produzent.

"Wir haben uns bewusst für einen Kinofilm entschieden, denn die große Wucht von Kinobildern wird vom Zuschauer anders wahrgenommen", erklärte Axel Klawuhn. Für die Hauptrollen habe man bereits bei etlichen Schauspielern der "A-Kategorie" angefragt, das Drehbuch befinde sich in Arbeit, die Drehorte seien ausgewählt. "Filmisch beginnen wir mit dem Dreh in Euskirchen, da sich im dortigen Museum der Firma Müller noch funktionstüchtige Maschinen befinden, wie sie um 1900 im Einsatz waren."

Reell stattgefundene Dialoge als Quellen

Für die Recherchen hat Wolfgang Krebs über 480 Seiten der Spruchkammerakten aus Coburg gesichtet. "Diese Akten über die stattgefundenen Gespräche sowie zahlreiche Briefe von Zeugen, die für Fritz Hornschuch nach dessen Festsetzung durch die Amerikaner sprachen, liefern uns reell stattgefundene Dialoge, so dass wir nicht zu sehr in die Fiktion gehen müssen." Das Verhör Hornschuchs durch den District Governor Major Perry B. Lamson bilde die dramaturgische Klammer des Films. In Rückblenden erlebten die Zuschauer Aufstieg und Fall des Spinnerei-Unternehmers.

Doch warum produziert das Team vom Kulmbacher filmwerk bayern UG ausgerechnet jetzt während der Pandemie diesen Kinofilm? "Nun, uns läuft ein Stück weit die Zeit davon", erklärte Axel Klawuhn. "Die Villa, die schon seit mehreren Jahren im Besitz der Wisag GmbH ist, soll umfangreich saniert werden. Da wollen wir natürlich dort drehen, bevor zu viele bauliche Veränderungen vorgenommen wurden."

Der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch begrüßte das Projekt: "Als ich noch Ferienarbeiter in der Mainleuser Spinnerei war, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass einer unserer Ehrenbürger einmal eine solch zentrale Figur in einem Spielfilm sein würde." Fritz Hornschuch hätte in Mainleus ein starkes bauliches Erbe hinterlassen; dazu gehörten auch das Fritz-Hornschuch-Bad, die Turnhalle, das Spinnstubenareal und das Spinnereigelände. Ein ganzer Ort - Hornschuchshausen - wurde nach dem Industriellen benannt.

Auch Bezirkstagspräsident Henry Schramm erinnert sich an seine Lehrzeit in der Kulmbacher Spinnerei, hatte dort sein Abgeordnetenbüro und verwies auf die jetzt dort angesiedelte Universität. "All das war nur möglich, weil es einen Unternehmer gab, der zur damaligen Zeit zu den ganz Großen gehörte."

Die Filmproduktion, sagt Axel Klawuhn, werde wohl einen mittleren sechsstelligen Betrag verschlingen. Anträge beim Filmfonds Bayern und bei sonstigen Förderstellen würden aktuell erstellt. "Wir sind zuversichtlich, dass wir das Projekt auch umsetzen können." Es wäre auch schade, wenn dem nicht so wäre, denn in dem Projekt stecke jetzt schon jede Menge Arbeit.

Authentizität auch beim Auto

"Wir konnten sogar einen alten Maybach organisieren", sagte Axel Klawuhn mit glänzenden Augen. Fritz Hornschuch sei ein Autonarr gewesen, und habe einen solchen einmal in einem Eisweiher versenkt, weil er das Fahren auf einer Eisplatte testen wollte. "Natürlich werden wir das mit diesem Maybach nicht machen!", versicherte der Filmemacher. Und eine Person, die im Film hinter dem Steuer sitzen darf, steht heute schon fest: Wolfgang Krebs wird den Chauffeur und Vertrauten des Unternehmers Hornschuch spielen.

Kostüme, Ausstattung, Automobile - vieles ist für den geplanten Kinofilm zu beschaffen. Auch für Komparsen wird es Einsatzmöglichkeiten geben. "Diese wollen wir aus dem Raum Kulmbach besetzen", verkündete Wolfgang Krebs. Aufrufe folgten zu gegebener Zeit.