Michaela Hofmannn "Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts." Mit diesem Zitat von Willy Brandt begann Doris A. Zimmermann ihren Vortrag zum Thema "Frieden und Frauenrechte - gestern und heute" in der Stadtbücherei. Auf Einladung der Gleichstellungsstelle des Landratsamtes und von Frauenverbänden unternahm die Sozialwissenschaftlerin einen Streifzug durch die Geschichte der internationalen Bewegung bis in die Gegenwart.

Am Anfang stehe die Wegbereiterin Bertha von Suttner, die 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und vor allem mit ihrem Antikriegsdrama "Die Waffen nieder", veröffentlicht im Herbst 1889, großes Aufsehen erregte. Clara Zetkin gelte als Initiatorin des Internationalen Frauentags, sie sei 40 Jahre lang Mitglied in der SPD gewesen und habe auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen das Wahlrecht für Frauen gefordert. Prägend sei außerdem Käthe Kollwitz gewesen, erste Professorin an der Preußischen Akademie der Künste, mit ihrem Plakat "Nie wieder Krieg", das einen Jugendlichen zeigt, dessen linke Hand am Herz liegt, während die rechte zum Schwur erhoben ist.

"Die erste Frauenbewegung in Deutschland hatte sehr unterschiedliche Strömungen. Es gab viele Gegner des Frauenwahlrechts. Anerkennen muss man, dass nur die Gewerkschaften und die Sozialdemokraten für die Frauen waren", erklärte Zimmermann.

Nach dem zweiten Weltkrieg war es vor allem die UNO, die die Stärkung der Bewegung vorantrieb, unter anderem mit vier UN-Weltfrauenkonferenzen, die letzte fand 1995 in Peking statt. Die Formulierung des Grundgesetzes stelle eine historische Errungenschaft auf dem Weg zum Frieden und zur Gleichberechtigung dar. "Vier ,Mütter' haben daran mitgewirkt - von insgesamt 65 parlamentarischen Räten", so Zimmermann.

Die Werbung und das Frauenbild

Artikel 1 bestimme die Würde des Menschen als unantastbar, Artikel 2 garantiere die freie Entfaltung der Persönlichkeit, Artikel 20 treffe wichtige Aussagen zum Völkerrecht und Artikel 26 formuliere das Friedensgebot. "Trotz all dieser Entwicklungen herrscht nach wie vor häufig das traditionelle Frauenbild vor. Haushalt, Kinder, Pflege - das ist Frauensache", so die Referentin.

Stark zum klassischen Frauenbild beigetragen habe die Werbung. Vor allem der Sprecherbeitrag einer Werbesendung der 1950er Jahre zu Dr. Oetkers Backzutat "Backin" erheiterte das Publikum: "Sie wissen ja, eine Frau hat zwei Lebensfragen - was soll ich anziehen und was soll ich kochen?"

Ende der 1960er Jahre sei mit der französischen Feministin Simone de Beauvoir und ihrem deutschen Pendant Alice Schwarzer eine neue Frauenbewegung aufgekommen. In den 1970er Jahren begann die Frauenforschung an sich, erste Frauenhäuser seien entstanden und auf kommunaler Ebene wurden Notrufnummern für Frauen eingerichtet.

"Heute halten die Frauen leider häufig nicht mehr so stark zusammen", urteilte auch Zimmermann. "Es gibt mitunter massive Spaltungen.""Das Ziel der Gleichberechtigung? Es ist auch 100 Jahre nach dem ersten internationalen Frauentag noch nicht erreicht", schlussfolgerte sie. Mit Blick auf die Erwerbsarbeit sei zwar festzustellen, dass heute deutlich mehr Frauen erwerbstätig seien als früher, doch arbeiten mehr als zwei Drittel in Teilzeit und Minijobs. Frauen verdienen rund 21 Prozent weniger als Männer und erhalten weniger Rente. Außerdem seien Frauen besonders stark von Altersarmut betroffen.

Gewalt gegen Frauen

Auch Gewalt gegen Frauen sei gegenwärtig ein Thema: Statistiken würden belegen, dass jede dritte Europäerin bereits Opfer von Gewalt wurde, jede Stunde über 300 Frauen verstümmelt werden und alle drei Tage eine Frau durch ihren (Ex-) Partner getötet wird.

"Großartig und positiv finde ich, dass sich die Frauen in Forchheim für Gleichberechtigung und Frieden so stark machen, denn sie schaffen damit Öffentlichkeit für diese Themen. Sie tanzen auf dem Marktplatz gegen Gewalt, sie engagieren sich sozial, kulturell undwirtschaftlich. Kommunalpolitisch sind sie allerdings noch nicht so stark vertreten. Eine Ausnahme scheint Kleinsendelbach zu sein", merkte Zimmermann mit einem Lächeln in Augen und Stimme an.

Nebenbei: Im Publikum saßen rund 60 Frauen und zwei "Quotenmänner" - Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein und Landratskandidat Reiner Büttner (beide SPD).