Haßfurt — Am 20. April bereits hatte ein 30-jähriger Taxifahrer aus dem Landkreis schon einmal vor dem Amtsgericht Haßfurt gestanden, weil auf seinem Laptop und diversen seiner Festplatten pornografische Darstellungen mit Kindern gefunden wurden. Damals hatte Richterin Ilona Conver angedeutet, dass aufgrund ungeklärter Fakten ein Freispruch infrage komme. Der Staatsanwalt Arno Ponnath sah das anders. Er beantragte ein Gutachten dazu, wie die strafbaren Videos und Fotos auf die Speichermedien gekommen sind. Der Prozess wurde vertagt und deshalb fand am Mittwoch erneut eine Verhandlung statt.
Auch hier bestritt der Angeklagte, dass er die pornografischen Darstellungen aus dem Internet heruntergeladen oder sie sonstwie auf seine Speichermedien kopiert habe. Das hätte während einer Schulungsveranstaltung passieren können, als andere Personen Zugriff auf seinen Rechner hatten, oder auch durch Leute, die bei ihm in der Wohnung waren. Auch habe er seinen Laptop mitunter verliehen. Jedenfalls sei er überrascht gewesen, als die Polizei bei ihm aufkreuzte und Computer und Festplatten sicherstellte.
Bei der Verhandlung am Mittwoch marschierten deshalb neben einer forensischen Gutachterin aus Gera, welche die Speichermedien untersucht hatte, weitere Zeugen auf, die Kontakt mit den Speichermedien des Angeklagten hatten. Drei Zeugen, sagten aus, dass sie keinesfalls Kinderpornografie oder sonst etwas Verbotenes auf den Geräten des Angeklagten gespeichert hätten.
Einer der Zeugen hatte in einer Bildungseinrichtung das pornografische Material (insgesamt wurden auf den Speichermedien des Angeklagten 70 Fotos und eine große Anzahl von Videos mit kinderpornografischem Inhalt gefunden) auf einem Rechner des 30-Jährigen entdeckt. Er vertraute sich einem Schulungsleiter an, der noch am selben Tag die Polizei verständigte.


Kein "Unwissender"

Die Forensikerin aus Gera erläuterte ausführlich ihr Gutachten, welches sich für Laien kompliziert anhörte. Der Angeklagte allerdings, offensichtlich mit dem Innenleben von Computern und Speichermedien gut bewandert, stellte der Gutachterin gezielte Fragen. Hieran wurde deutlich, dass er auf diesem Gebiet kein "Unwissender" ist. Die Vernehmung der Gutachterin, dauerte eine knappe Stunde. Sie ließ anklingen, dass es nach ihrer Auffassung sehr unwahrscheinlich sei, dass andere die Kinderpornografie auf die Geräte des Angeklagten aufgespielt haben könnten. Das sei auch deshalb nicht möglich, weil bereits vor dem Tatzeitraum Zugriffe auf die Medien erfolgt waren. Somit konnten die vom Angeklagten genannten Personen nicht als Täter infrage kommen.
Auch ließen die Häufigkeit der Zugriffe und Änderungen von Dateidaten darauf schließen, dass diese durch den Angeklagten veranlasst seien.
Staatsanwältin Hansen konnte keinen "vernünftigen Zweifel" daran finden, dass der Angeklagte nicht der Täter sei. Sie bezog sich auf Aussagen der Sachverständigen, wonach nur der Angeklagte der Täter sein könne, und beantragte eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 25 Euro und die Einziehung aller sichergestellten Gegenstände.
Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Tilman Fischer, plädierte auf Freispruch, da seiner Meinung nach ein ausreichender Tatnachweis nicht geführt werden konnte. Er vertrat die Auffassung, dass andere Leute die Sachen auf den Computer seines Mandaten heruntergeladen oder aufkopiert hätten.
Der Angeklagte selbst hatte das letzte Wort und stritt die Tat ab. Er meinte, die Filme und Fotos seien ihm untergejubelt worden: "Ich bin unschuldig und ich hoffe, das Gericht verurteilt keinen Unschuldigen", sagte er.
Die Richterin dagegen zeigte sich von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Sie verurteilte den 30-Jährigen zu 110 Tagessätzen zu je 20 Euro (2200 Euro) und stellte klar, dass Kinderpornografie äußerst verwerflich sei und Kinder dadurch ein Leben lang Schaden erlitten. "Es kommt einem das Grauen, wenn man sich solche Sachen ansehen muss", sagte die Richterin.
Das Urteil des Amtsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.