Schon in circa neun Monaten soll der Baubeginn für den geplanten Bürgersolarpark Obertrubach auf dem vier Hektar großen Grundstück von Gemeinderat Hermann Frieser (FWG) unterhalb der Neudorfer Höhe erfolgen. Nach weiteren drei Monaten Bauzeit soll die 3,8-Megawatt-Anlage dann ans Netz gehen und jährlich vier Millionen Kilowattstunden Strom einspeisen, mit denen man 1160 Haushalte mit Energie versorgen und jährlich 2000 Tonnen CO 2 einsparen kann.

Von der Nürnberger Firma Greenovative war der weitere Geschäftsführer Jochen Schürer zur Gemeinderatssitzung gekommen, um Fragen der Gemeinderäte zu beantworten. Insbesondere ging es dabei um den Rückbau der Anlage und die Frage, wie die Bürger , die sich daran finanziell beteiligen, abgesichert sind, falls das Unternehmen Insolvenz anmelden muss.

Zunächst erklärte Schürer, dass die Auswahl des Planungsbüros bereits erfolgt sei und auch das Blendgutachten schon vorliege. Aus dem Gutachten ergebe sich keine Blendwirkung durch die Photovoltaikplatten, die auf der 3,7 Hektar großen Modulfläche aufgebaut werden. „Eine Blendwirkung ist weder für die Bundesstraße, die Staatsstraße noch für den Ort Neudorf zu erwarten“, sagte der Investorenvertreter. Weil die Fläche in einem sogenannten benachteiligten Gebiet und nicht im Landschaftsschutzgebiet liegt, sei die Anlage komplett förderfähig.

Verzinsung bis zu vier Prozent

Die Fläche der Anlage nütze aber auch der Biodiversität , also der Artenvielfalt für Tiere und Pflanzen, und bei der Beweidung setze man auf Schafe. Die Trassenlänge zum Anschluss der Anlage an den Netzverknüpfungspunkt des Bayernwerks betrage nur einen Kilometer.

Bürgermeister Markus Grüner ( CSU ) verwies auf ein noch näher gelegenes Trafohäuschen, das vermutlich auch dem Bayernwerk gehöre. Schürer will nun prüfen lassen, ob dies auch eine Anschlussoption wäre.

Eigentlich hätten die Bürger schon Anteile zwischen 1000 und 25 000 Euro zeichnen sollen können; dies hat sich etwas verschoben, soll aber in Kürze anlaufen. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren zahlt die Firma 3,5 und bei 15 Jahren vier Prozent Zinsen an die Anleger und die Auszahlungen erfolgen bereits ab dem ersten Jahr. Erstzeichnungsrecht haben alle Bürger der Gemeinde Obertrubach , danach auch Bürger aus anderen Gemeinden.

Aber auch ohne Bürgerbeteiligung würde der Solarpark gebaut werden, finanziert dann rein über Kredite bei einheimischen Banken, was für die Firma derzeit sogar günstiger wäre. „Wir sind aber der Überzeugung, dass das Konzept der Bürgerbeteiligung sehr nachhaltig und verständlich ist“, sagte der Planer.

Kaum Gefahr der Insolvenz

Matthias Rümpelein (BU) wollte dazu wissen, wie die Bürgerbeteiligungen abgesichert sind, falls die Firma pleite geht. Dazu erklärte Schürer, dass es zwar keine Einlagenabsicherung gebe, dieser Fall aber sehr unwahrscheinlich und auch noch nie vorgekommen sei. Selbst wenn die Greenovative GmbH pleite ginge, würde dies nicht den Solarpark Obertrubach betreffen, weil für diesen eine eigene Gesellschaft gegründet werde. Außerdem sei die Anlage versichert und die Finanzierung könne ausschließlich durch die Stromgewinnung des Solarparks sichergestellt werden. „Die Gefahr, dass ein Solarpark insolvent geht, ist extrem klein“, sagte Schürer.

Eine weitere Frage war, wie die Gemeinde vom Solarpark partizipiert. Pro Kilowattstunde eingespeisten Strom in das öffentliche Netz erhält Obertrubach 0,02 Cent. Dies sind 8000 Euro pro Jahr, planbar auf 20 Jahre, insgesamt 160 000 Euro für das Gemeindesäckel. Außerdem nimmt die Gemeinde, zwar nicht gleich, aber mit Sicherheit in den ersten 20 Jahren, 90 Prozent der Gewerbesteuer ein, weil der Firmensitz des Solarparks in Obertrubach sein wird. Ferner bekommt die Gemeinde noch eine Verwaltungspauschale von 1000 Euro, die bereits vor der Sitzung ausgezahlt und nach Gemeinderatsbeschluss zu gleichen Teilen dem Kindergarten und der Grundschule gespendet wurde.

Thomas Laitsch (DGH) hätte im Vertrag für die Gemeinde gerne eine Sicherheit für den Rückbau der Anlage: „Denn in 40 Jahren, wenn wir schon lange keine Gemeinderäte mehr sind, steht dort ein Stahlgerippe mit ein paar Platten, die dann keiner mehr wegräumt.“ Schürer erklärte, dass es nicht möglich sei, einer Gemeinde dies vertraglich zuzusichern. Allerdings gebe es eine Rücklagebürgschaft von 10 000 Euro pro Hektar, mit der die Anlage dann auch zurückgebaut werden könne. Zudem entstünden für die Gemeinde keinerlei Kosten, betonte Schürer.

Der Flächennutzungsplan muss nun noch geändert und ein vorhabensbezogener Baubauungsplan aufgestellt werden. tw