Als Obst- und Bienenzuchtverein gegründet: OGV Hiltpoltstein feiert 120 Jahre

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Den Vereinsvorstand bilden (v. l.) Ingrid Steger, Margot Hopfengärtner, Christine Vogel, Gudrun Pöhner, Markus Schneider und Helga Pristovnik.
Den Vereinsvorstand bilden (v. l.) Ingrid Steger, Margot Hopfengärtner, Christine Vogel, Gudrun Pöhner, Markus Schneider und Helga Pristovnik.
Petra Malbrich

Der Trend geht wieder hin zu einem eigenen Garten: als Wohlfühloase, um Stress abzubauen oder um eigenes Gemüse anzubauen. Fast wie früher, als es viele kleine Höfe gab und die meisten Menschen am Dorf Selbstversorger waren. Trotzdem gründete sich vor 120 Jahren in Hiltpoltstein der Obst- und Gartenbauverein (OGV). Das hatte auch den Vorstand um Vorsitzende Gudrun Pöhner erstaunt. Die überraschende Antwort wurde beim Durchforsten der alten Protokollaufzeichnungen gefunden.

Dass die 120-Jahr-Feier des Vereins mit dem Tag der offenen Gartentür zusammenfällt, war Pöhners Idee, und der Kreisverband gab grünes Licht. Der Verein selbst beginnt die Feier am Sonntag, 28. Juni, um 9.30 Uhr in der Kirche, anschließend findet die Eröffnung am Spörlhaus mit Politprominenz statt und geht in den Weißwurstfrühschoppen. Bereichert wird die Veranstaltung mit regionalen Anbietern für alles rund um den Garten beim „Brehmerhof“ und am Hinteren Berg. Zur Unterhaltung spielt die Kirchenbirkiger Blasmusik.

„Der Verein war eigentlich 1905 als Obst- und Bienenzuchtverein gegründet worden“, verrät Pöhner. Leicht war es nicht, die in Sütterlin geschriebenen Einträge zu lesen. Von Christine Vogel, Schriftführerin, und Reinhold Geldner vom Fränkische-Schweiz-Verein Hiltpoltstein erhielt Pöhner Unterstützung.

Es war nicht nur der andere Name für den Verein, der die Hiltpoltsteiner Gartenfreunde überraschte, vielmehr die Kenntnis, die in dem ursprünglichen Vereinsnamen lag, an dem Wort „Obstzuchtverein“. „Man muss sich damals schon sicher gewesen sein, dass das Hiltpoltsteiner Klima für den Obstanbau geeignet war und gefördert werden sollte“, sagt Pöhner.

Schon ein Jahr später änderte sich der Name in Obst- und Gartenbauverein . Tatsächlich waren in den alten Unterlagen noch viel mehr Hinweise auf den Obstanbau und dessen Förderung zu finden. So hatte bei einer Neuwahl nach dem Ersten Weltkrieg der zuständige Herr vom Landesverband einen Lehrvertrag über die Ziele des Obstanbaus dabei.

Bei einer anderen Sitzung war über die Errichtung der Obstgroßmarkthalle in Igensdorf abgestimmt worden, denn Hiltpoltstein sollte mit 20 Mark pro Mitglied haften. „Das war damals sehr viel Geld“, betonte Pöhner.

Einige Monate später wurde zum Thema mehr Wohlstand und Schönheit für das Dorf durch den Obst- und Gartenanbau referiert. Nicht nur, dass die Vorfahren sich über den Erfolg des Obstanbaus sicher waren, es zeigte auch landschaftlich bald Wirkung. „Wenn wir unsere Gegend anschauen – es gibt hier den Kirsch-, den Apfel- und Zwetschgenanbau“, sagt Pöhner. Die Landschaft sei durch den Obstanbau so attraktiv, wertvoll und erholsam für alle.

Dieselbe Wirkung habe der Garten. Er stand dann auch mehr im Mittelpunkt des Vereins, dessen 120-jährige Geschichte auch etliche Jahre Lücken und Stillstand aufweist. Zunächst war von 1923 bis 1930 eine Lücke. Warum, lässt sich nur vermuten. Dann lief das Vereinsleben weiter bis 1971. „Da hörten die Einträge auf. 1972 wurde das Kassenbuch aufgelöst“, erzählt Pöhner. Erst 2010 wurde der Verein wieder aktiviert. Seit 2023 ist Gudrun Pöhner Vorsitzende, Helga Pristovnik Stellvertreterin, Ingrid Steger Kassier und Christine Vogel Schriftführerin. Der Obstbau ist nicht mehr das Ziel des Vereins, sondern Wissensvermittlung über Garten und Gestalterisches. Und er ist auch eine Art Dorfverschönerungsverein.