Neben namhaften, aus dem Fernsehen bekannten Künstlern setzt der Ellertaler Kulturherbst auch immer wieder auf Neues und traf mit dem Gastspiel von Gankino Circus, einer fränkischen Folkband aus dem westlichen Mittelfranken, voll ins Schwarze.
Wolfgang Heyder als Verantwortlicher von der veranstaltenden SPD Kultur AG prophezeite bei der Begrüßung eine "wilde Show" und behielt Recht. Dass im Reh-Saal die begeisternden Zuschauer den zweiten Teil der virtuosen Vorstellung größtenteils im Stehen und tanzend verfolgten, unterstreicht die Attraktivität dieses aberwitzigen Programms. Die vier Barden (allesamt 1984er Jahrgang), die sich seit der Schulzeit kennen und von der Straßenmusik zur Profi-Musik aufstiegen, zündeten ein Feuerwerk an Volksmusik aus ihrer Heimat und aus anderen Ländern, so aus Finnland. Ein skandinavisches Flüsterer-Lied für Rindviecher interpretierte Maximilian Eder irrsinnig und erzeugte bei gedämpftem nordischen Licht eine Gänsehaut-Atmosphäre.


Solo oben ohne

Nach dieser ruhigen Kuhstall-Stimmung folgte westmittelfränkischer Rock'n'Roll Marke Eigenkomposition und riss die Gäste im wahrsten Sinne des Wortes von den Sitzen. Da deren Heimatort Dietenhofen auch ein "Schlagzeug-Mekka" ist, transportierte Johannes Sens diesen "traumhaften Zustand" auf die Reh-Bühne. Bei diesem Solo mit Höchstgeschwindigkeit entkleidete er sich, trommelte oben ohne, ehe er sich mit sehr viel komödiantischem Talent ein Fußball-Trikot während des Spielens überzog.
Standing Ovations für das Quartett, bei dem der Funke schnell aufs Publikum übersprang und der Programmtitel "Idylle und Irrsinn" perfekt umgesetzt wurde. Die permanent rasante Musik, so auch bei der "Sexy Kerwa", wurde nur durch Gitarrist Ralf Wieland ("Lohndorf: Kaff mit toller Bühne") unterbrochen, der als Geschichtenerzähler aus der idyllischen Heimat - zwischen Nürnberg und Ansbach gelegen - den roten Faden des Abends zog.
Angesichts der außergewöhnlichen musikalischen Darbietungen in Höchstgeschwindigkeit entwickelte sich der Abend vom Konzert-Charakter zu einem spektakulären "Circus", gespielt im 11/8-Takt analog dem bulgarischen Nationaltanz. Nach dem "Gankino Horo" haben sie sich ja auch benannt.
Der Kulturherbst geht weiter mit den Wellküren am 24. November und zweimal KGB am 8. und 9. Dezember.