Für Aufregung sorgte eine E-Mail des Landratsamtes an Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD). Nach dieser, so berichtete der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung, stände die Aussage im Raum, Asylbewerber würden beim Edeka in Reckendorf mit Waren im Einkaufswagen aus dem Geschäft fahren, ohne zu bezahlen und daran gehindert zu werden; die Polizei könne nichts machen. Eine Rücksprache mit den Betreibern des dortigen Marktes ergab, dass die Situation im Frühjahr des letzten Jahres schwierig gewesen sei, so seien Lebensmittel im Geschäft geöffnet und gegessen worden, es habe viel versteckten Diebstahl gegeben. Inzwischen habe sich die Lage sehr entspannt. Die Ladeninhaberin verbuche die Anfangsschwierigkeiten als "Lernaufgabe für alle Seiten". Außerdem würden die "schwierigen" Fälle nicht mehr in Reckendorf wohnen, stattdessen recht nette Familien.
Das Landratsamt argumentierte, dass in Bezug auf Straftaten von Asylbewerbern zwischen Gerüchten und tatsächlichen Ermittlungen eine große Diskrepanz bestehe. Die Behörde bat deshalb den Bürgermeister um Unterstützung, den Gerüchten mit belegbaren Fakten zu begegnen und so die Diskussion zu versachlichen.


Ost- oder Westtrasse?

In seinem Kurzbericht informierte Deinlein weiter, dass bei einer CSU-Veranstaltung mit der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner fälschlicherweise geäußert worden sei, dass der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss gefasst habe und sich für die Ost-Trasse ausgesprochen habe. Dies sei falsch. Die Meinungsbildung bezüglich Ost- oder Westtrasse sei noch nicht abgeschlossen. Nach einer Besprechung beim Staatlichen Bauamt wird der Bürgermeister den Gemeinderat wieder entsprechend informieren.
Der VG-Jugendbeauftragten Laura Galizia war es vorbehalten, über die Arbeit von Jam (Jugendarbeitsmodell) im vergangenen Jahr zu berichten. Jam habe das Ziel, die Jugend mit Vereinen und Akteuren im Ort zu vernetzen, ins Gemeindeleben einzubinden, die soziale Kompetenzen und die Jugendkultur zu fördern. Dies geschehe beispielsweise durch das Mitwirken bei der "Altweibermühle", das Sommerferienprogramm, die Renovierung des Jugendtreffs, eine Mädels-Kochgruppe oder ein Kickerturnier. Zu den Öffnungszeiten des Jugendtreffs würden sich stets eine konstante Gruppe von zehn bis 15 Jugendlichen treffen.
Einstimmig gewährte die Gemeinde Reckendorf für die katholische öffentliche Bücherei für das Jahr 2016 einen gemeindlichen Zuschuss von 500 Euro für die Anschaffung neuer Medien.
Wie bereits in früheren Sitzungen angekündigt, stimmte die Gemeinde Reckendorf dem Bauantrag des Awo-Kreisverbandes Bamberg Stadt und Land zur Umnutzung des alten Kindergartens zum Wohnheim für stationäre Wohngruppen in der Pfarrer-Friedrich-Straße 1 in Reckendorf zu. Einige Mitglieder des Gemeinderates zeigten sich verwundert, dass es sich bei dem Bauantrag um ein "Wohnheim für stationäre Wohngruppen" handelt. Zum Teil wurde wohl davon ausgegangen, dass nur unbegleitete Flüchtlinge untergebracht würden. Dies werde, so Bürgermeister Deinlein, zunächst auch so sein. Wenn der Bedarf hierfür nicht mehr gegeben sei, könne die Awo auch andere deutsche Jugendliche unterbringen oder andere soziale Leistungen im Rahmen des Mietvertrages hier anbieten.