Der Kirchweihgottesdienst der Flößerkirchweih findet am morgigen Sonntag ab 9 Uhr statt. Der heutige Kirchweihsamstag steht ganz im Zeichen eines Spiel- und Aktionstages für Kinder. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Haus "Miteinander", Louis-Dietrich-Straße 22. Die evangelische Jugend im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt hat die Betreuung übernommen. Vor allem können die Buben und Mädchen Bastelangebote nutzen. Kinder mit Anzeichen einer Erkältung dürfen nicht daran teilnehmen.

Neben Wallenfels, Friesen, Zeyern und Neuses war Unterrodach eine der Hochburgen der Flößerei. Die letzte gewerbsmäßige Floßfahrt fand 1958 von der Grümpel nach Friesen statt.

Erfreulich ist, dass die ehemalige Flößerei trotzdem bis zum heutigen Tage in der Bevölkerung noch fest verankert ist. Die Flößervereine des Landkreises sind fest in den Jahresablauf integriert und erinnern mit zahlreichen Veranstaltungen - so unter anderem beim Kreisflößertreffen - an den einstigen Broterwerb.

Dominierender Wirtschaftsfaktor

Als wirtschaftlicher und sozialer Faktor nahm die Flößerei in Unterrodach über Jahrhunderte hinweg eine dominierende Rolle ein. Bis zu 200 Flößer und Holzknechte rekrutierten sich aus der örtlichen Bevölkerung.

Die Spuren dieser Beschäftigung sind auch heute noch überall feststellbar. Vor allem die prächtigen Floßherrenhäuser sind es, die auf das einst florierende Gewerbe hinweisen.

Darüber hinaus genießt das Unterrodacher Flößermuseum, das bereits 1968 ins Leben gerufen wurde, deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf. Die treibenden Kräfte waren seinerzeit Willi Kestel und Alfred Seidel. Aber auch Dieter Murmann, Gerd Wich-Heiter und Friedrich Fricke haben sich ganz hervorragend mit eingebracht.

Am 4. Juli 1981 erfolgte die Neugründung des Floßvereins 1864 Unterrodach. Laut Satzung übernimmt er die Betreuung des Museums. Er tut dies seitdem mit ehrenamtlichen Museumsführern.

Von volkskundlicher Bedeutung

Zunächst waren es sechs ehemalige Flößer. Heute, mit dem ständigen Wachsen der Besucherfrequenz, sind es zeitweise bis zu 20 Idealisten, die unentgeltlich, ausschließlich getragen von der Liebe zur Heimat und der Darstellung der Arbeitswelt ihrer Vorfahren, ihre Freizeit opfern.

Die Unterrodacher bereichern die Ausstellungsräume mit Modellen von Flößen, Schneidmühlen und Stauwehren als Zeugen einstigen flößerischen Gewerbefleißes: Sie bauen Flöße in natürlicher Größe und gestalten so den Ortskern wieder zu einem Flößerdorf, und sie führen - insbesondere zur Kirchweih - Floßfahrten zur Vertiefung des Verständnisses echten Flößerlebens durch. Ihre Arbeit ist also von hoher volkskundlicher Bedeutung.

Einer der ganz großen Höhepunkte in der Vereinsgeschichte war die Ausrichtung des ersten Deutschen Flößertags in Unterrodach am 15. und 16. Juli 1988. Schließlich wurde auch Unterrodach durch den Präsidenten der internationalen Flößervereinigung, Angel Portet aus Spanien, im Rahmen eines Festaktes im Mai 2010 das europäische Prädikat "Flößerdorf'" verliehen.

Der Floßverein 1864 Unterrodach mit Vorsitzendem Friedrich Fricke, seit 2019 Mitinhaber des Landeskundepreises, erfreut sich auch heute noch mit seinen mehr als 200 Mitgliedern im Ort großer Beliebtheit.

Den Ehrenvorsitz der Unterrodacher "Flößer" hat Dieter Murmann inne, der 26 Jahre für den Verein die Verantwortung trug und nach dem Zweiten Weltkrieg ganz wesentlich am Wiederaufbau beteiligt war.