Selbstbewusst steuert Lin Al Hamwi aus Syrien auf den weißen Bus des Landkreises zu, der vor der Kulmbacher Tafel in der Blaich Station macht. "Ich möchte geimpft werden", sagt die 18-Jährige in fließendem Deutsch. Pass vorzeigen, sich anmelden - und schon ist sie dran.

Ärztin Anja Tischer klärt die junge Frau im Büro der Tafel auf, erklärt die verschiedenen Impfstoffe, die zur Wahl stehen. Wenige Minuten später hat die 18-Jährige den Piks. Lachend zeigt Lin Al Hamwi die Impfbescheinigung. "Ich möchte ab Herbst in Bayreuth Jura studieren. Ich denke, es ist nur möglich, an Präsenzveranstaltungen teilzunehmen, wenn man geimpft ist", so die Syrerin.

Aus diesem Grund hat sie sich schon im Vorfeld informiert und sich für den Impfstoff von Moderna entschieden. "Ich bin noch jung, ich habe eigentlich nicht so sehr viel Angst vor Corona. Aber ich habe einen kranken Vater und möchte ihn auf keinen Fall anstecken", erklärt sie. Warum sie das Impfmobil gewählt hat? "Ich weiß, dass ich auch beim Arzt eine Impfung bekommen könnte, aber das hier ist viel einfacher", sagt sie.

Angst vor der Nadel

Auch André Annutsch (42) macht vom mobilen Impfangebot Gebrauch. "Ich habe lange gezögert. Aber ich gehöre zur Risikogruppe, weil ich Diabetes und Bluthochdruck habe", sagt er. "Als ich gehört habe, dass jetzt die Tests bezahlt werden müssen, habe ich mich dem politischen Druck gebeugt", sagt Annutsch und lässt sich die erste Moderna-Dosis geben. Für ihn ist der kleine Piks eine echte Überwindung, weil er Angst vor Nadeln hat. "Für mich war es leichter, zum Impfmobil zu kommen, auch weil ich da schnell drankomme", sagt er und zeigt stolz sein Impfzertifikat. Der erste Schritt ist getan.

Die Idee, das Impfmobil bei der Tafel vorfahren zu lassen, wurde beim Lesen eines Artikels in der Bayerischen Rundschau geboren. Andere Städte hatten bereits sehr gute Erfolge erzielt. Leiterin Elfriede Höhn zeigte sich offen für solch eine Aktion. Auch, um den Kunden lange Wege zu ersparen.

"Wir haben das sofort aufgegriffen. Jeder, der geimpft ist, ist wichtig, um die Delta-Variante in den Griff zu bekommen", sagt Anja Tischer. Diese sei deutlich ansteckender, vor allem Urlaubsrückkehrer und die zu Ende gehenden Ferien könnten für ein Ansteigen der Inzidenzzahlen sorgen. "Ich hatte jetzt schon zwei positive Fälle - zwei Urlaubsrückkehrer", sagt die Ärztin aus Thurnau.

"Eine gute Quote"

Insgesamt zehn Personen, nicht nur Kunden der Tafel, nehmen das Angebot des Impfmobils am Dienstagvormittag wahr. "Das ist eigentlich eine gute Quote. Wir hatten heute neunzig Kunden", zieht Chefin Elfriede Höhn Bilanz.

"Wir sind für den Anfang ganz zufrieden. Wir haben gesehen, dass sich einige spontan entschlossen haben. Und das ist gut", ergänzt Marcel Hocquel, Leiter des Kulmbacher Impfzentrums. In drei bis vier Wochen werde das Impfmobil wiederkommen, denn die Kunden der Tafel wechselten. "Jeder Einzelne, der sich impfen lässt, ist ein Erfolg", sagt Hocquel.

Für ausländische Impfwillige gibt es die Aufklärungszettel auch in anderen Sprachen. Habibullah Qurbani (64) freut sich, dass auch eine arabische Version verfügbar ist. Er hat lange gezögert. Zwei seiner Kinder sind schon geimpft - und hatten keine Nebenwirkungen. Aus diesem Grund traut sich jetzt auch der Vater.

Auch einige Impfgegner dabei

Spontan entschieden hat sich auch Yussuf Shammo Rafo (44). "Ich mache einen Termin beim Arzt", entschuldigte er sich zunächst, doch dann griff er dennoch zu. Auch eine komplette Familie wird geimpft.

"Wir haben aber auch einige Impfgegner oder einige Kunden, die glauben, dass eine Impfung gegen die göttlichen Gebote verstoße", weiß Elfriede Höhn. Ein 64-Jähriger gibt offen zu, dass er sich auf keinen Fall impfen lassen wird. All seine Freunde und Bekannten seien geimpft. "Ich bleibe lieber zu Hause. Ich gehe nirgendwo hin", sagt er.

Froh sind die Kunden der Tafel indes, dass bei der Tafel auch Schnelltests und FFP2-Masken kostenlos verteilt werden.

Viele Kunden zeigen digitale Impfpässe oder Impfbescheinigungen vor. Einige haben auch den gelben Impfausweis dabei. "Ich bin schon geimpft. Aber ich finde es gut, dass das Mobil hierherkommt", sagt Ernst Smitall (69) und erntet Beifall von Mustafa Mahmoud (38) aus Syrien. Auch er ist schon doppelt geimpft. "Das ist wichtig", sagt er.