Otto Pröls kramte in Erinnerungen. Als er in seinem Familienalbum blätterte, fielen ihm alte Fotos in die Hände. "Der alte Albert Schloß", schoss es ihm durch den Kopf. Ein jüdischer Nachbar und Freund seiner Familie, die in der Hauptstraße von Mühlhausen eine Spenglerei und ein Geschäft für Haushaltswaren betrieb.

Für Pröls stand fest: Die Erinnerungen an Schloß müssen der Nachwelt erhalten werden. Otto Pröls stellte die alten Fotos zu einer Collage zusammen und schenkte sie dem Verein "Forum alte Synagoge Mühlhausen".

Der einzige Rückkehrer

Albert Schloß, der vor dem Krieg in der Hauptstraße ein Tabakgeschäft hatte, war der einzige jüdische Mitbürger, der nach dem Konzentrationslager in Theresienstadt nach Mühlhausen zurückkehrte. Mit dem "alten Schloß" verbindet Pröls schöne Kindheitserinnerungen. Vieles hat er auch von seinem Vater Karl Pröls erfahren.

"Der Albert gehörte zu uns wie ein Familienmitglied", erinnert sich Pröls. Die beiden Anwesen lagen in der Hauptstraße fast gegenüber. 1946 sei Schloß von Theresienstadt nach Mühlhausen zurückgekehrt. Seine Frau sei im Konzentrationslager gestorben. Inzwischen sei das Haus in der Hauptstraße 15 , wie die übrigen Häuser jüdischer Mitbürger, verkauft gewesen. Aber Albert Schloß bekam sein Eigentum wieder zurück.

Ein sehr geselliger Mensch

1878 geboren, war Schloß bei seiner Rückkehr nach Mühlhausen 68 Jahre alt. Gestorben ist er am 3. Juni 1953, wie auf seinem Grabstein im jüdischen Friedhof Bamberg zu lesen ist. In Mühlhausen gab es keine jüdische Gemeinde und daher wohl auch keine Bestattungen mehr.

Obwohl Otto Pröls noch ein Kind war, erinnert er sich lebhaft an den Nachbarn. "Seine Leibspeise waren Kartoffeln mit Quark", erzählt er. Und auch, dass Albert Schloß ein sehr geselliger Mensch war, mit dem man viel Spaß haben konnte.

Als religiöser Jude habe Schloß natürlich den Schabbat (Sabbat) gefeiert, an dem er keinerlei Arbeit verrichten durfte. "Dann hat er uns Kinder gerufen, damit wir Feuer machten oder Wasser holten", erzählt Pröls. Als Dank dafür gab es "Matzen", das traditionelle Gebäck aus Weizen und Wasser. Pröls erinnert sich auch an Pakete, die Schloß aus Amerika bekam. Von den Köstlichkeiten bekamen immer auch die Nachbarskinder etwas ab. "Ich habe von ihm zur Erstkommunion ein Stück Seife bekommen. Das habe ich jahrelang in Ehren gehalten", erzählt Pröls.

Die Collage zur Erinnerung ist wohl ein Dank des heute 76-jährigen Mühlhauseners an den Freund seiner Kindheit. Eigentlich habe er das Bild in der Mitgliederversammlung des Synagogenvereins übergeben wollen. Die konnte jedoch wegen Corona bislang nicht stattfinden.

Synagoge als Gedenkstätte

Für Christian Plätzer, den Vorsitzenden des Synagogenvereins, ist das Bild "das erste Stück, das in das künftige Archiv eingehen wird". Der aktuell 85 Mitglieder zählende Verein habe sich zum Ziel gesetzt, das Erbe und Gedenken an die jüdischen Gemeinden von Mühlhausen und der Region wachzuhalten.

Der Verein hat die Synagoge erworben und plant, daraus einen Gedenk- und Erinnerungsort zu machen. Im einstigen Betsaal soll ein Kulturraum für Veranstaltungen eingerichtet werden. Daneben werde auch ein kleines Museum entstehen.

Damit führt der Verein auch das Lebenswerk von Johann Fleischmann aus Mühlhausen fort. Fleischmann hat das Leben der jüdischen Landgemeinden in der Region erforscht und in seinen Büchern festgehalten.

"Wenn sich solche Quellen finden, ist das eine wunderbare Sache", freute sich Christian Plätzer über die Collage. Er sei gespannt, was noch alles kommt. Die Bauuntersuchungen, ein Projekt der Uni Bamberg, seien bereits abgeschlossen. An die noch ausstehenden Ergebnisse sollen Bauforschung und Restaurator andocken.

Spendenkonto

Erhaltung und Restauration der Synagoge erfordern natürlich viel Geld. Der Verein freut sich daher über Spenden auf das Konto bei der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach (IBAN DE 70 7635 0000 0060 0968 34).