Paare tanzen ausgelassen im Mönchshofgarten, die Kinder schnappen nach Würsten, und auf dem Festplatz in der Luitpoldstraße legen die Rollschuhtänzer eine kesse Sohle aufs Parkett. Der alte Film, der beim Entrümpeln in einem Bayreuther Keller entdeckt worden war, versprühte eine heitere Atmosphäre. Man mochte kaum glauben, dass er eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte dokumentierte, wäre da nicht die SA durchs Bild gelaufen. Stadtarchivar Erich Olbrich entführte im Martin-Luther-Haus mit dem Schwarz-Weiß-Streifen und einer Bilderschau in die NS-Zeit in Kulmbach.

"In der Wagnerstadt Bayreuth gaben sich die Nazigrößen die Klinke in die Hand. In Kulmbach wollte man zwischen 1933 und 1945 ein wenig von dem Glanz abhaben", stellte der Hobby-Historiker fest, den der Tutzinger Freundeskreis eingeladen hatte. Rund 40 Besucher lauschten seinen Ausführungen.

Wie zum Beweis zeigte er ein Bild von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, der am 27. Juli 1933 die Landesführerschule auf der Plassenburg besucht hatte. Aber auch andere Nazigrößen waren gerngesehene Gäste in der Bierstadt. Olbrich verdeutlichte eindrucksvoll, wie die Nationalsozialisten in alle Bereiche des öffentlichen Lebens eindrangen und die Bevölkerung mit ihre Politik zu vereinnahmen suchten. Ob bei den Werbewochen für das Deutsche Handwerk oder beim großen Ernte-Dank-Umzug - die Partei marschierte immer mit.

Eine Armenspeisung und vollbeladene Laster des Winterhilfswerks zeigten die karitative Ader des Nazi-Regimes, das damit die breite Bevölkerung für sich und ihre Ideologie gewinnen wollte. Durch die ständige Präsenz der Partei sei den Menschen diese quasi eingetrichtert worden, stellte der Redner fest, der Parallelen zu heute zog. "Wenn Trump zehnmal seine Fake-News durchgibt, irgendwann glauben es ihm die Leute."

Olbrich wollte seinen Vortrag als Beitrag dazu verstanden wissen, nicht neuen Rattenfängern auf den Leim zu gehen. Er entließ die Besucher nicht nur nachdenklich, sondern auch vollgepackt mit Wissen über jene Zeit.

"Dass Kulmbach nicht zerstört wurde, haben wir unseren Frauen zu verdanken", stellte der Referent am Ende fest. Oberstleutnant Kurt Myrus wollte Kulmbach bis zur letzten Patrone verteidigen. Doch mutige Damen machten ihn betrunken, die Amerikaner konnten kampflos einmaschieren.

Wegen des großen Interesses hält Erich Olbrich den Vortrag am Mittwoch, 4. November, um 19.30 Uhr noch einmal. Anmeldung sind telefonisch (09221/ 66715) oder per E-Mail (bernd_ matthes@web.de) nötig. red