In der vergangenen Woche erbeuteten Betrüger in Ebrach und Hirschaid jeweils fünfstellige Beträge. Die Opfer waren in beiden Fällen Seniorinnen. Die Polizei sucht Zeugen und gibt Tipps zum richtigen Verhalten am Telefon.
Mit dem sogenannten Enkeltrick haben Betrüger im Landkreis Bamberg in der vergangenen Woche gleich zwei Mal Bargeld ergaunert. In Ebrach brachten die Täter am Dienstag eine 82 Jahre alte Frau um einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag. In Hirschaid erbeuteten Unbekannte am Donnerstag einen fünfstelligen Betrag. Das Opfer war ebenfalls eine Seniorin. Die Kriminalpolizei Bamberg ermittelt in beiden Fällen und bittet um Mithilfe. Die oberfränkische Polizei warnt zum wiederholten Mal vor dieser Betrugsmasche.
Verwandtschaft vorgegaukelt
Bei dem Enkeltrick gelingt es den Tätern am Telefon, durch geschickte Gesprächsführung ein Verwandtschaftsverhältnis vorzugaukeln. Sobald eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen ist, täuschen die Betrüger beispielsweise eine erfundene Notlage oder dringende Investition vor, für die sie umgehend eine größere Geldsumme brauchen, warnt die Polizei. Meist kommt es zu mehreren Telefonaten. Die hilfsbereiten, oftmals älteren Opfer werden letztendlich um ihr Erspartes gebracht.
So erhielt am Donnerstag, ab etwa 14 Uhr, eine ältere Hausbewohnerin in der Straße "Vorderer Graben" in Hirschaid den ersten von mehreren Anrufen. Die Frau am anderen Ende der Leitung gab vor, ihre Enkelin zu sein und dringend Geld für einen Wohnungskauf zu benötigen. Sie sitze gerade beim Notar.
Es gelang ihr, die Seniorin in weiteren Telefonaten so zu beeinflussen, dass sie sich mit einem Taxi zu einer Bankfiliale in Bamberg fahren ließ, um Geld abzuheben. Dieses sollte sie dann einer Frau übergeben, da die "Enkelin" selbst nicht kommen könne. Gegen 16 Uhr wartete die Hausbewohnerin dann wie vereinbart an der Tür. Die angekündigte Frau erschien und hielt ihr wortlos eine Tüte hin, in welche die Seniorin das Kuvert mit dem niedrigen fünfstelligen Eurobetrag legte. Sogleich verschwand die Unbekannte wieder. Erst später wurde der Seniorin bewusst, dass sie Opfer von Betrügern geworden war.
Die Geldabholerin wird als zirka 40 bis 45 Jahre alt, etwa 165 Zentimeter groß und mit südländischem Aussehen beschrieben. Sie trug ein Kopftuch und eine schwarze Sonnenbrille.
Männliche Täter in Ebrach
Ähnliches widerfuhr bereits am Dienstag auch einer Seniorin, die in einem Mehrfamilienhaus in der Emil-Kemmer-Straße in Ebrach wohnt. Kurz nach 16.15 Uhr meldete sich telefonisch ein Mann, der sich als ihr Enkel ausgab. Er behauptete überzeugend, einen Verkehrsunfall gehabt zu haben und dringend 30 000 Euro für die Autoreparatur zu brauchen. Die hilfsbereite 82-Jährige willigte ein, ihrem "Enkel" einen niedrigeren fünfstelligen Betrag zu leihen. In weiteren Telefonaten kündigte der Anrufer einen Freund an, der das Geld abholen werde. Er selbst würde sich später wieder melden. Kurz vor 18.45 Uhr klingelte dann ein Mann an der Wohnungstür, nahm wortlos den Stoffbeutel mit dem Bargeldbetrag entgegen und ging zu Fuß in Richtung der Bundesstraße 22.
Der Betrug flog auf, als die Seniorin am nächsten Morgen ihren tatsächlichen Enkel anrief. Der Geldabholer wird als etwa 25 bis 30 Jahre alt und etwa 170 Zentimeter groß beschrieben. Er hatte seine Mütze tief ins Gesicht gezogen.