Charlotte Wittnebel-Schmitz Wer als Spaziergänger in der Bad Kissinger Innenstadt unterwegs ist, sieht es regelmäßig: Das gelb-grüne Bähnle. Seit über zwei Monaten fährt es wieder.

Für Touristen, Kurgäste und Familien ist die Bahn eine Attraktion. Das Fahrzeug hat aber nicht nur Freunde. Einzelne Nutzer hatten zu Beginn der diesjährigen Saison in sozialen Netzwerken abwertende Kommentare über das Bähnle geschrieben: Es stinke so sehr, dass einem übel werde, wenn man dahinter fahre. Die Stadt solle sich etwas einfallen lassen. "Innovation in KG. Fehlanzeige", stänkerten manche Kommentatoren.

Die Stadt und der Betreiber Oliver Wolters haben nun gezeigt, dass diese Kritik nicht haltbar ist: Seit dieser Woche fährt eine Lok mit 100 Prozent Ökostrom durch die Kurstadt an der Saale.

"Es handelt sich um einen Nissan Patrol Jeep, der jetzt elektrifiziert ist", erklärt Wolters. Technisch gesehen sei es ein Neufahrzeug unter Verwendung bestehender Ressourcen. "Die Karosserie, der Rahmen, die Achsen, das Getriebe sind alt - aber es gibt kein Kabel mehr, das von früher herrührt." Das Fahrzeug stamme aus der eigenen Werkstatt und sei mit Hilfe von Fachleuten umgebaut worden.

Momentan wird die Lok auf dem Parkplatz bei der Eissporthalle geladen. In Zukunft soll es am Kurgarten eine Ladestation geben. Die Bahn sei innerhalb von einer Stunde aufgeladen. "Wir haben eine gute Ladetechnik drin." In der Bahn seien Lithium-Eisenphosphat-Akkus verbaut, die Wolters als robust und sicher einschätzt. "Das sind Akkus, die nicht in Brand geraten."

Die elektrische Bahn fährt derzeit nur die Süd-Tour. Sie fährt bis zu 25 km/h und unter 100 Kilometer am Tag. Die Fahrten in der Innenstadt schaffe sie bisher ohne Probleme, berichtet Wolters. Es gebe kaum Höhenmeter, die die Bahn überwinden müsse. "Die Nord-Tour, die Fahrt zum Klaushof hoch, ist dagegen schon sehr anspruchsvoll." Es dauere noch eine Weile, bis die Bahn auch dort elektrisch fahren könne. Geplant sei es, noch drei weitere Fahrzeuge umzubauen. Das dauere etwa zwei bis drei Monate pro Fahrzeug.

"Der Umbau rechnet sich nicht, so gesehen ist es unbezahlbar", sagt Wolters. Das sei nur mit Idealismus zu machen. Wolters rechnet mit 200 000 Euro für Planung und Investition, um alle Fahrzeuge umzugestalten.

Fußgänger hätten bei ersten Testfahrten erstaunt bis erschrocken auf das Gefährt reagiert, sagt er. So leise sei es. Aber: "Die Bahn fährt nicht lautlos und das ist auch gut so." Im Notfall gebe es die Klingel, um Fußgänger und Radfahrer aufmerksam zu machen.

Das Kurbähnle sei - auch wenn sie nun Geckobahn heiße - eine Institution dieser Stadt, findet Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD). Die Einführung der elektrischen Bahn zeige: "Wir bleiben nicht stehen, wir sind innovativ." Die Umsetzung sei in "einem schnelleren Zeitraum gelungen, als wir uns das gedacht haben." Auch für die mittelfristige Zukunftsplanung sei das Bähnle wichtig: Sollte Bad Kissingen zu einem der "Great Spas of Europe" werden, müsse man Besucherströme neu lenken.

Die Elektromobilität soll Gäste anziehen, sagt Wolters. "Wir fahren emissionsfrei - und wir wollen den Leuten zeigen, dass es geht."