Wenn Wolfgang Schultheiß auf die Stämme blickt, die auf dem Submissionsplatz bei Unterwohlsbach liegen, dann ist er zufrieden. Der Vorsitzende der Waldbauernvereinigung Coburger Land hatte in diesem Jahr nicht mit einem so großen Aufgebot für die Versteigerung wertvoller Hölzer gerechnet.

"Dabei hatten wir überlegt, ob wir für 2020 überhaupt eine Submission anbieten sollen", sagt er. Schließlich war davon auszugehen, dass viele Waldbesitzer neben dem Kampf gegen den Borkenkäfer in den Fichtenbeständen kaum noch Interesse haben würden, einzelne Stämme für die Submission zu entnehmen. Doch es kam anders.

"Wir konnten die übliche Menge auflegen und vor allem bei der Eiche auch sehr gute Preise erzielen", sagt Wolfgang Schultheiß. WBV-Geschäftsführer Manfred Herter kann ihm nur beipflichten. Eindrucksvoller Beleg: die Braut. So nennen die Waldbauern den Stamm, der bei der Versteigerung das beste Ergebnis bringt. Es ist eine Eiche aus dem Wald von Gut Ziegelsdorf. Mit 4,4 Metern Länge und 73 Zentimetern Durchmesser liegen da 1,84 Festmeter Eichenholz bester Qualität. 3050,72 Euro waren diese der Firma Mehling & Wiesmann aus Lohr am Main wert - 1658 Euro je Festmeter. Ein stolzer Preis. In ihrem Werk wird aus dem Stamm Eichenfurnier hergestellt.

Sogar mehr als im Vorjahr

Mit 458,40 Festmetern wurden bei der diesjährigen Coburger Wertholzsubmission rund 112 Festmeter mehr als im Vorjahr angeboten. Von der Gesamtmenge war die Eiche mit 262 Festmetern am meisten vertreten.

In diesem Jahr lag der Nadelholzanteil mit 132 Festmetern um rund 48 höher als im Vorjahr. Sonst selten aufgelegte Baumarten waren Schwarzkiefer, Birnbaum, Feldahorn und Robinie, die in diesem Jahr den Käufern angeboten werden konnten. Alle 24 Bieter kamen aus Deutschland. Davon konnte 22 Bietern das Meistgebot zugeschlagen werden.

Geht es um gutes Holz, ist auch nichts von einem Preisverfall zu spüren, im Gegenteil. Der durchschnittliche Erlös der Werthölzer ist im Vergleich zum Vorjahr von 309 auf 379 Euro je Festmeter um beachtliche 18 Prozent angestiegen. Dies liegt nach Einschätzung von Manfred Herter insbesondere am höheren Eichenanteil unter den aufgelegten Stämmen bei durchweg guter Qualität. Der Durchschnittspreis liegt beim Laubholz bei 465 und beim Nadelholz bei 167 Euro je Festmeter. Den höchsten Durchschnittswert aller Baumarten haben mit 536 Euro je Festmeter die Eichen, welche das Ergebnis des Vorjahres deutlich übertreffen und am Ergebnis von 2019 anknüpfen konnten, wie Manfred Herter vorrechnet.

Auch Bergahorn, Esche und Kirsche zeigen sich wertstabil und erreichen einen Durchschnittspreis von 329, 157 und 146 Euro je Festmeter. Der Spitzenerlös für einen Lärchenstamm lag bei 460 Euro je Festmeter, bei einem Kiefernstamm bei 193 und bei einem Douglasienstamm bei 285 Euro auf den Festmeter. Bemerkenswert war das Gebot in Höhe von 168 Euro je Festmeter für eine Schwarzkiefer, das zu einem Gesamtpreis für den Stamm von 498,96 Euro führte, welches in dieser Höhe nicht zu erwarten war, wie Manfred Herter sagte.

Für die WBV ist nach der Submission vor der Submission, wie Manfred Herter betonte. Kaum ist der Verkauf über die Bühne, gilt es schon wieder, in den Beständen der Mitglieder nach Bäumen zu suchen, die im kommenden Jahr einen ordentlichen Preis erzielen könnten. Vielfalt ist auch dabei Trumpf. Denn besondere Stämme auch ausgefallener Baumarten wie Obstgehölzen machen die Submission für anspruchsvolle Bieter interessant. So konnte in diesem Jahr ein beachtlicher Stamm eines Birnbaumes angeboten werden und fand auch einen Bieter. Die 1,87 Festmeter Birnenholz mussten in zwei Teilen aufgelegt werden und brachten einen Erlös von 178,56 Euro. Ein guter Betrag für einen Baum, der aus Gründen der Verkehrssichungspflicht gefällt werden musste und eigentlich hätte Brennholz werden sollen, wie Ralf Keller, stellvertretender Geschäftsführer der WBV, informierte. Auch ein Nussbaumstamm wurde verkauft. Mit nur 0,43 Festmetern brachte er dennoch 156,95 Euro.

Manfred Herter ermutigt daher immer wieder auch Nichtmitglieder der WBV, Kontakt aufzunehmen, wenn sie etwa einen Baum fällen. Gerade bei alten Hausbäumen wird oft gar nicht daran gedacht, dass so ein Stamm weit mehr wert sein könnte als das Brennholz, das aus ihm gemacht werden kann. "Für den Erlös kann sich der Besitzer oft ein Mehrfaches an Brennholz kaufen", rechnet Manfred Herter vor.

Motivation für Waldbesitzer

Dass mit guten Stämmen doch noch gutes Geld verdient ist, sieht Wolfgang Schultheiß nicht zuletzt als Motivation für Waldbesitzer, in ihren Wald zu investieren und mit gutem Laubholz aufzuforsten, wo beispielsweise nach Käferkalamitäten in den vergangenen beiden Jahren große Freiflächen entstanden sind. Wer auf solchen Flächen auf die Eiche setzt, pflanzt für seinen Ur-ur-Enkel. Und gerade in den ersten 20 bis 30 Jahren will die Eiche gut gepflegt werden, wenn sie später einmal einen guten Stamm bringen soll. Doch Waldbau war schon immer Arbeit für spätere Generationen - und Ertrag aus der Arbeit vorangegangener Generationen.

Die Fichte verschwindet

Wolfgang Schultheiß geht davon aus, dass die Fichte ihre Rolle als "Brotbaum" im Coburger Land schon jetzt praktisch verloren hat. Dürrejahre, wie in der jüngsten Vergangenheit, die erwartete Veränderung des Klimas allgemein und Schädlingsattacken lassen ihr kaum eine Chance.

Da freut es die Waldbauern, dass trotz allem auch mit Nadelholz bei dieser Submission Geld verdient wurde. Und Baumarten wie Douglasie, Lärche oder Tanne haben neben der Kiefer, die zurzeit noch die häufigste Baumart im Coburger Land darstellt, sicher auch in Zukunft ihre Berechtigung. Als Bauholz, bei der Herstellung von Möbeln und in vielen anderen Bereichen wird gerade die Nachfrage nach Nadelholz so schnell nicht abnehmen, wie die Waldbauern erwarten. Allerdings kommt es auf den Standort an.