Sabine Memmel

Dass es Einschränkungen geben wird, damit hatte Ingrid Käfferlein gerechnet. Dass der Distanzunterricht über den langen Lockdown hinweg allerdings auch für die Abiturienten gelten wird, das war für die Schulleiterin des Herder-Gymnasiums eine große Überraschung. "Eine Ausnahme hätte hier viel geholfen. Und viel schlimmer ist die Ungewissheit, nicht zu wissen, wie lange es so weitergeht", bedauert sie.

Noch seien die Schüler zuversichtlich. Doch bei vielen spüre sie, dass sie immer mehr verunsichert und ängstlich sind. "Das ist meine größte Sorge, was das alles aktuell mit den Kindern macht. Die Zeit ist ein wichtiger Faktor. Ich denke vor allem an die psychische Gesundheit und Spätfolgen wie Depression."

Serverkapazität verdoppelt

Im Moment seien alle 80 Abiturienten aber "erstaunlich hoch motiviert". Über sämtliche technischen Möglichkeiten stehen sie im ständigen Kontakt zu ihren Lehrern. In den Weihnachtsferien hat das Herder-Gymnasium hierzu seine Serverkapazität verdoppelt, um eine bestmögliche Infrastruktur zu erreichen. Doch auch mit der besten Verbindung - der Distanzunterricht sei ein mühsames Geschäft: "Der Distanzunterricht ist um die Hälfte langsamer, was Effektivität und Vermittlung angeht."

Ab Februar will das Gymnasium den Abiturienten Zusatzstunden in Mathematik, Deutsch und Englisch anbieten. "Diese bieten wir immer an, sonst aber erst drei Wochen vor dem Abitur. Coronabedingt wollen wir das Angebot ausweiten", erklärt Käfferlein. Sie hofft auf eine baldige Rückkehr zum Wechselunterricht.

Ganz genauso wie Karlheinz Schoofs, Schulleiter des Ehrenbürg-Gymnasiums (EGF). Auch er wünscht sich, dass seine Abiturienten ab Februar zurück ins Klassenzimmer können. "Wenn das Schulhaus ansonsten leer wäre, könnten wir das schon managen und die Abiturienten entsprechend auf die einzelnen Räume verteilen. Diese Entscheidung treffen allerdings das Gesundheitsamt und das Kultusministerium", so Schoofs.

Die 111 Abiturienten des EGF wechseln mit ihren Lehrern zwischen Videokonferenzen und Chats. Der jetzige Distanzunterricht erfordere von den Schülern viel Disziplin und Eigenmotivation. "Denn das, was Lehrer sonst im Präsenzunterricht versuchen, die Schüler durch ihre Person und ihre Ansprache zu motivieren, fehlt derzeit komplett. Die Schüler müssen sich selbst motivieren", sagt Schoofs.

Durchbeißen

Doch deshalb verfalle keiner in Panik. Der Distanzunterricht laufe gut, die Schüler seien gut vorbereitet. Der Jahrgang 2020 habe es schließlich auch geschafft. "Doch ich will nichts beschönigen. Diese Zeit ist auch eine Prüfung ihrer Selbstständigkeit. Eine Reifeprüfung auf eine ganz andere Art und Weise. Wenn ich Personaler wäre und später ihre Bewerbung auf dem Tisch hätte, wüsste ich: Die haben sich durchgebissen."

Doch Schoofs sieht nicht nur den Unterricht, der derzeit nicht so stattfinden kann wie normalerweise. Er vermisst auch das, auf was die Abiturienten aufgrund des Virus verzichten müssen. Projektseminare, eine Fahrt nach London, Abiturscherz - "alles Dinge im Schulleben, die die Würze ausmachen. Das tut mir für die Schüler sehr leid und ich unterschätze das nicht."

Der Start der Abiturpüfungen selbst wurde wegen der Pandemie verschoben: Statt Ende April sollen sie Mitte Mai beginnen. Mit einem "Abitur light" rechnet Siegfried Reck, Schulleiter des Gymnasiums Fränkische Schweiz, allerdings nicht: "Das wäre nicht fair. Ich rechne eher damit, dass bestimmte Inhalte herausgenommen werden, weil sie beispielsweise nicht unterrichtet werden konnten."

An den Distanzunterricht hätten sich die 105 Abiturienten mittlerweile gewöhnt. Auch sie stehen über verschiedenste Kommunikationsplattformen mit ihren Lehrern täglich im Kontakt und werden von den Oberstufenkoordinatoren betreut. "Aber natürlich sind sie auch nachdenklich und denken sehr über ihre persönliche Situation nach. Auch Eltern sind besorgt, ob ihr Kind den Studienplatz, den es verdient hat, bekommt", erklärt Reck.

Schüler in Videokonferenzen

Ganz ähnlich schildert dies auch Harald Pitter, Leiter der Realschule Ebermannstadt. Auch seinen Schülern sei die Ernsthaftigkeit der Situation bewusst. Neben zunehmend mehr Videokonferenzen in Englisch und Französisch, aufwendig erarbeitenden Erklärvideos und Telefonaten fehlt schlichtweg der zwischenmenschliche Kontakt. "Die Schule hat eine erzieherische soziale Aufgabe. Wir müssen in diesem Zusammenhang höllisch aufpassen, dass unsere Bildungsschere nicht weiter auseinandergeht. Das ist schwieriger als im geregelten Unterricht", bedauert Realschulleiter Pitter.

Inhalte weglassen

126 Schüler machen in diesem Jahr ihre Mittlere Reife. Nach dem Zwischenzeugnis beginnen die gezielten Vorbereitungen. Auch Pitter rechnet damit, dass bestimmte Inhalte weggelassen werden. Doch zunächst gehe es einzig und allein darum, dass der Präsenzunterricht so bald wie möglich wieder beginnen kann.