Zumindest der Zeitpunkt könnte nicht besser passen: Seit 50 Jahren gibt es die Hochschule in Coburg. Damals wurde das Polytechnikum, das bis 1963 Baufachschule geheißen hatte, in eine Fachhochschule umgewandelt. Rund 800 Studenten hatte die Fachhochschule bei ihrem Start 1971. Heute, 50 Jahre später, heißt sie Hochschule für angewandte Wissenschaften (seit 2008), hat fast siebenmal mal so viele Studenten (rund 5200) und schickt sich an, ihren dritten Campus zu besiedeln. Denn mit den Gebäuden "auf dem Berg" an der Friedrich-Streib-Straße, ist es nun nicht mehr getan.

Dort wird seit Jahren saniert, gebaut und erweitert. Die Baustelle am Campus Friedrich Streib ist auch noch lange nicht fertig: Die Gebäude 2 und 3 sollen als nächste generalsaniert werden. Dort sind die technischen Studiengänge untergebracht. Bis zum Herbst war man in der Hochschule und in der Stadt offensichtlich davon ausgegangen, dass eine Interimslösung anzustreben sei: Während oben neue Gebäude anstelle der alten errichtet werden, sollten die technischen Studiengänge übergangsweise im Bereich des ehemaligen Schlachthofs unterkommen. Dort hat die Hochschule bereits in der alten Direktorenvilla ihre "Creapolis" eröffnet, und dafür wird derzeit auch die alte Kühlhalle saniert.

Doch nun ist die Sachlage völlig anders, wie Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) in der Sitzung des Krisensenats am Donnerstag sagte. Zum einen müssen im Rahmen der Hightech-Agenda des Freistaats Bayern schnell Flächen für Gebäude zur Verfügung gestellt werden. Denn die Hochschule profitiert von der Hightech-Agenda gleich mehrfach, wie Hochschul-Präsidentin Christiane Fritze bei einem Termin unmittelbar vor der Krisensenatssitzung sagte: Zum einen erhält sie zwei Professuren für Künstliche Intelligenz (KI), die möglichst bald ihre Arbeit aufnehmen sollen. Dafür will der Freistaat Modulbauten, also vorgefertigte Gebäude nutzen, die sich schnell errichten lassen. Die sollen möglichst noch dieses Jahr stehen. Zum anderen erhält die Hochschule im Rahmen der Hightech-Agenda 16 weitere Professuren samt Personal, die noch gar nicht alle definiert sind. Fritze zufolge erhöht sich damit die Zahl der Professoren um über zehn Prozent. Doch auch die brauchen Büros, Mitarbeiter, Besprechungs- und Seminarräume, Lehrsäle und Labore.

Wann und wie, kann die Hochschulpräsidentin noch nicht genau sagen - das hängt auch vom Freistaat ab. Aber das Wo ist nun klar: Was zwischen Schlachthof und Globe noch frei ist, kann die Hochschule haben. Diesen grundsätzlichen Beschluss fasste der Krisensenat einstimmig auch als Signal nach München, wie Norbert Tessmer (SPD) sagte.

Vorweggenommen werde damit nichts, betonte OB Sauerteig: "Es geht um das Ob. Das Wie wird zu konkretisieren sein." Denn Christian Müller (CSB) hatte davor gewarnt, "Vorabfestlegungen" über das Gelände zu treffen. Zusagen solle der Krisensenat jetzt nur für die Flächen geben, die auch im Zuge der Hightech-Agenda gebraucht würden.

Einen Zeitplan gibt es noch nicht, sagt Fritze: Klar sei nur, dass es schnell gehen solle. Das zuständige Ministerium warte auf ein entsprechendes Signal aus Coburg, dann erhalte die staatliche Gesellschaft Immobilien Bayern (Imby) den Auftrag, die fraglichen Grundstücke zu erwerben. Aber Fritze plant auch für die Zukunft. "Wir brauchen attraktive Flächen und vielleicht auch finanzielle Unterstützung aus der Wirtschaft", sagte sie. Denn die Hochschulen stehen untereinander in Konkurrenz.

Ina Sinterhauf, Grünen-Stadträtin und selbst an der Hochschule beschäftigt, begrüßte in der Sitzung des Krisensenats "die Vision fürs Güterbahnhofgelände". Andreas Engel (CSU/JC) und Petra Schneider (SPD) sprachen von einer Entwicklung des Areals Schritt für Schritt vom Schlachthof her. Womöglich komme die Hochschule gerade dann am "Globe" an, wenn dieses nicht mehr als Interimsspielstätte fürs Landestheater gebraucht werde, orakelte Engel. Petra Schneider begrüßte, dass die Hochschule mit ansässigen Unternehmen und Start-ups eng zusammenarbeiten will.