Michael Busch

Zwei Mädels haben im Oktober geheiratet. In Herzogenaurach. Die beiden Frauen gaben sich in der ersten Oktoberwoche das "Jawort" und sind damit nicht mehr "nur" eine eingetragene Lebensgemeinschaft. Sie haben ein Eheversprechen abgegeben und sind nun gesetzlich ebenso gestellt, wie die bisherigen Paare bestehend aus Mann und Frau.


Unterschiedliche Auffassung

Stefan Müller (CSU) sagte im Übrigen "Nein", Martina Stamm-Fibich (SPD) votierte mit "Ja". Die beiden Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Erlangen haben sich im Juni zur "Ehe für alle" geäußert. Also ihre Stimme abgegeben, ob das "Ja" vor dem Standesbeamten durch gleichgeschlechtliche Paare gleichberechtigt den bisherigen Ehegelübden zu setzen ist.
Das Ergebnis ist bekannt, Schwule und Lesben haben sich den Weg in die Standesämter erobert. Doch wie sieht es bei uns aus? Überschwemmt die gleichgeschlechtliche Ehe das vermeintlich konservative Franken, so wie Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe immer propagiert haben?
Die zwei frisch vermählten Frauen geben zu, dass dieses Datum für sie eigentlich keine Rolle gespielt habe. Denn bereits vor einem Jahr hatte man beschlossen zu heiraten, das Aufgebot wurde bereits deutlich vor der Debatte und der Abstimmung im Bundestag bestellt. "Wir hätten auch nach den alten Begebenheiten geheiratet", sagen die Beiden. Für den gesamten Blick in die Region ist das dann eine Überraschung.
Ein erster Blick geht nach Erlangen. Die Stadt, die sich selber mit dem Motto "Offen aus Tradition" kennzeichnet, gibt zu, dass letztlich aus personellen Gründen bisher keine gleichgeschlechtliche Hochzeit stattgefunden habe. "Die ersten Anmeldungen liegen jetzt vor und in den nächsten Wochen haben wir einige Paare", sagt Sebastian Müller aus der Presseabteilung. Und erklärt weiter: "Bisher haben wir im Jahr 2017 zehn Lebenspartnerschaften begründet und 328 Eheschließungen gehalten."
In Höchstadt habe sich mit der neuen Regelung noch nichts getan, sagt die Standesbeamtin Iris Wichert. Allerdings wurden seit 2009 drei eingetragene Lebensgemeinschaften für vier Damen und zwei Herren vollzogen. Keine hohe Zahl Angesicht 256 standesamtlich bezeugter Eheschließungen im selben Zeitraum.
In Weisendorf ist die Statistik noch nicht aussagefähig. Es gab keinen Run, muss man aus der Mitteilung der Standesbeamtin Karin Süß schließen. "Seit der Einführung des Gesetzes hatten wir noch keine Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare aber auch keine Eheschließung geschlechtsunterschiedlicher Paare." Durchschnittlich werden im Jahr in der Marktgemeinde 25 bis 30 Paare getraut. Und auch sie weist auf die übliche Handhabung bei Hochzeiten hin. "Die in der Vergangenheit geschlossenen Lebenspartnerschaften wurden im gleichen persönlichen und individuellen Rahmen gestaltet wie alle anderen Eheschließungen."
In Adelsdorf, so der Standesbeamte Robert Leyh, "gab es fünf Trauungen", aber deckungsgleich zu Weisendorf, noch keine gleichgeschlechtliche Trauung.
Lediglich in Herzogenaurach findet sich eine "echte gleichgeschlechtliche Trauung", die nach den neuen Regularien der "Ehe für alle" vollzogen wurde. Statistisch lässt sich hier aber auch noch nicht allzu viel auswerten. Sieben Ehen gesamt, davon eine gleichgeschlechtliche Ehe - zwei Frauen.
Die in Herzogenaurach Vermählten sind die einzigen Zwei, die sich unter den neuen Vorgaben trauen ließen. Im Ratskeller wurde gefeiert und sonst gab es nichts Außergewöhnliches. Eine ganz normale Hochzeit halt.
Unisono heißt es aus allen Standesämtern, dass es keine Standesbeamten gebe, die diese Art des Trauungsaktes nicht vollziehen wollen. Man werde das auch nicht akzeptieren, bzw. bezweifle, dass es Weigerungen geben werde.
Bei der Überlegung, ob diese Trauungen anders seien als die bisherigen, herrscht auch Gleichklang bei den Standesämtern. "Nein, absolut gleiche Zeremonie, bis auf die Anrede." Statt es ehelichen sich Frau X und Herr Y, heißt es nun halt Frau X und Frau Y respektive Herr X und Herr Y.
Eine Standesbeamtin hingegen, die nicht genannt werden möchte, sprach von einem ganz anderen Problem: "Unsere Software ist noch nicht umgestellt und so geht es vielen Standesämtern." Was nun die Software mit der Hochzeit zu tun hat, erklärt sie. "Wir können nur Ehemann und Ehefrau eintragen, so werden die Partner dann beide im Register geführt." In Zeiten der Digitalisierung eher ein Kuriosum. Doch wenn das das einzige Problem ist, dann läuft seit Anfang Oktober alles rund.