25 Jahre Dekanatsfrauentag wurden würdevoll begangen. Passend zum Lutherjahr hieß es als Motto "Die Frauen der Reformation bitten zu Tisch". Der große Saal in der "Alten Schule" in Rügheim hatte gerade genug Platz, um am Samstag die fast hundert Personen aufzunehmen.
Sie erhielten ein Menü, wie es zu Lebzeiten Luthers seine Berechtigung gehabt hätte - vorbereitet und serviert von Christina Fallenbacher und ihrem Team.
"Garniert" wurde die Tafel mit Auftritten dreier berühmter Reformatorinnen - Katharina von Bora und Elisabeth von Rochlitz (jeweils Ulrike Knörlein, Frauenwerk Stein) und Argula von Grumbach (Elvira Fischenich, Ebern). Musikalische Leckerbissen servierten Astrid Zels-Kemler (Dudelsack und Streichpsalter) sowie Anne Meiners (Harfe). Im Erdgeschoss hatten die Besucher Gelegenheit, sich bei der Ausstellung von "LifeGate"-Produkten und beim Bücherstand des CVJM Altenstein umzusehen.
Dekanatsfrauenbeauftragte Charlotte Seitz freute sich über die Resonanz. Dekan Jürgen Blechschmidt betonte die Wichtigkeit jener Frauen, welche sich aktiv an der Reformation beteiligten. Die drei historischen Frauen stellten sich vor. Katharina von Bora - verheiratete Luther - ist mit ihrer Persönlichkeit und einer Fülle an Begabungen Martin Luther ein gleichberechtigtes Gegenüber. Sie avanciert zur Allround-Unternehmerin, ist Mutter, Ehefrau, Aufseherin, Haushälterin, Bierbrauerin. Katharina organisierte ein Wohnheim und ein Hospital, renovierte das gemeinsame Heim. Luther würdigte ihre Tatkraft mit dem Spitznamen ,,liebe Herr Käthe".


Im Umfeld der Männer stark

"Diese edle Frau kämpft einen gewaltigen Kampf mit großem Geist und reich an Worten und Erkenntnis Christi", das sagte Martin Luthers über Argula von Grumbach. Tapfer, streitbar und unkonventionell ist die erste protestantische Autorin. Sie ergreift das Wort, als es den Männern im reformatorischen Umfeld zu brenzlig wird, und bietet Luthers größten Gegnern die Stirn. Besonders die "Seehofer-Affäre" machte sie berühmt. Ein Student sollte zum Widerruf gezwungen werden.
Elisabeth von Rochlitz war eine ungewöhnliche Frau. Sie nahm kein Blatt vor dem Mund. Wie jede Frau, die es wagte, in der Politik oder in anderen wichtigen Angelegenheiten des Staates mitsprechen zu wollen, hatte sie sich gegen den (unberechtigten) Vorwurf des Ehebruches zu wehren. Die Spannungen zwischen Elisabeth und ihrem Schwiegervater verschärften sich durch Elisabeths Zuwendung zu Luther. Nach dem Tod ihres Ehemannes erhält sie das Gut Rochlitz und wird als einzige Frau in den Schmalkaldischen Bund aufgenommen, wo sie ein Netzwerk an Helfern, "Spionen" und Boten aufbaut.
Die Speisen boten "eine kleine Reise ins 16. Jahrhundert": Körnerbrot aus Urgetreide, Mus von Honigapfel mit Senf, Erbsbrei mit geschmortem Herbstgemüse und Gockelbrust, "Nonnenkrapfen" mit Hollertunke.