Nach der positiven Bewerbung der Gemeinde Dormitz beim Zentrum "Marktplatz der Generationen" - ein Programm des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales - im Herbst 2019 fanden Gespräche mit Ines Riermeier und dem Team vom Seniorenkreis in Dormitz statt. Riermeier, die bayernweit für die Fachstelle "Marktplatz der Generationen" tätig ist, stellte in der Gemeinderatssitzung ihr Büro und das Projekt vor.

Ziel des Projekts sei es, die Lebensbedingungen so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen und Wünschen älterer Menschen entsprechen und letztlich allen Bürgern Rechnung tragen, erklärte Riermeier. Mit einer individuellen Beratung möchte man die Gemeinde unterstützen, auf die jeweilige Situation der Kommune zugeschnittene Lösungen zu entwickeln und wo möglich auch umzusetzen. Älteren Bürgern soll so ermöglicht werden, ein selbstständiges Leben in ihrem gewohnten Umfeld fortführen zu können, bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden zu wohnen, sich möglichst lange selbst zu versorgen, im direkten Lebensumfeld gebraucht zu werden, Kontakte zu pflegen und aktiv zu sein. Wenn es nötig ist, sollen sie auf Hilfe von außen und gute medizinische Versorgung zurückgreifen können. Kurzum: Es geht um Lebensumstände, die sich jeder Mensch wünscht, um in Würde zu altern.

"Doch die Lebensumstände haben sich geändert", sagte Riermeier. Früher konnten Mehr-Generationen-Haushalte für ein soziales Netz und direkte Hilfe sorgen. Heute führen wachsende Mobilität und veränderte berufliche Anforderungen dazu, dass Kinder und Enkel häufig nicht mehr in direkter räumlicher Nähe der Eltern und Großeltern leben. Das zeige sich besonders im ländlichen Bereich, wo der Anteil älterer Menschen, die alleine leben, immer mehr werde. Auch Nachbarschaftshilfe sei längst nicht überall selbstverständlich. "Somit gehört der demografische Wandel zu den größten sozialen Herausforderungen im ländlichen Raum", erklärte Riermeier. Hauptziel des Projekts sei, durch Verbesserungen des Lebensumfelds der älteren Bevölkerung langfristig einen Verbleib in ihrer Heimat zu ermöglichen.

"Der gesellschaftliche Zusammenhalt gerade auf dem Land ist nach wie vor sehr groß", konstatierte Riermeier, Das Projekt soll deshalb dabei helfen, "einen Schub zu geben, damit Engagement vor Ort Spaß macht" und das Leben für Ältere einfacher wird.

Von professionellen Beratern zwei Jahre begleitet, soll die Gemeinde dabei fünf Lebensbereiche in den Blick nehmen: Nahversorgung, Mobilität, Gesundheit und Pflege, gesellschaftliche Teilhabe und altersgerechtes Wohnen. Besonders wichtig, sind die Förderung persönlicher Netzwerke in der Gemeinde, um einer Vereinsamung entgegenzuwirken. Die Gemeinde selbst brauche zudem organisatorisch wie finanziell einen langen Atem und die Bereitschaft, sich für Partner von außen zu öffnen. Die Sensibilisierung für das Thema steige. Zwar müsse jede Gemeinde ihren eigenen Weg in eine seniorengerechte Zukunft finden, doch von positiven Erfahrungen anderer könnten alle profitieren, meinte Riermeier.